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Das neue Google-Landsat-Mosaik

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Es ist einige Zeit her, dass ich zuletzt einen Review eines Satellitenbild-Mosaik-Produktes hier geschrieben habe. Tatsächlich ist der Letzte über das vorherige Google-Mosaik auf Grundlage von Landsat-7-Daten von vor drei Jahren. Jetzt haben sie bei Google eine neue Version ihrer Basis-Bildzusammenstellung vorgestellt und ich werde die hier mal unter die Lupe nehmen.

Aber zuerst ein paar Worte zu den drei Jahren dazwischen. Warum hab ich die ganze Zeit keine Besprechung geschrieben? Anscheinend weil es kaum was gab, worüber es sich zu schreiben lohnt. Natürlich gab es gelegentlich bei Kartendiensten Überarbeitungen der Bild-Ebenen. Zum Beispiel wurde bei Bing kürzlich ein paar offensichtliche Lücken in der Bild-Abdeckung gefüllt. Aber was technologische Entwicklungen und Neuerungen angeht sind die letzten drei Jahre eher uninteressant gewesen, es wurden im Bereich globaler Zusammenstellungen keine wirklich revolutionären neuen Produkte vorgestellt, zumindest nicht öffentlich – also gab es auch nichts zu schreiben.

In Bezug auf Daten – wir erinnern uns, dass vor etwas mehr als drei Jahren Landsat 8 begann Bilder zu liefern und seit dem hat sich ein beachtlicher Haufen hochwertiger Bilder angesammelt. Und Google dachte sich anscheinend, dass es Zeit wird, die in ihrem Basis-Bildprodukt zu verwenden.

Hat sich was geändert?

Wenn man das neue Bild bei geringer Auflösung mit dem alten vergleicht:

 

sieht man kaum einen Unterschied. Insgesamt scheint sich in deren Bearbeitungs-System nicht viel geändert zu haben. Das bedeutet vor allem auch, dass immer noch die selben Methoden zur farblichen Homogenisierung und zum Farb-Transfer verwendet werden wie zuvor, was zu einem global recht konsistentem Erscheinungsbild führt (wofür ich Google ja – in Hinblick auf die teils extrem daneben liegenden Farben anderswo – in der letzten Besprechung gelobt habe). Dies bedeutet jedoch auch, dass Nuancen in den Farben insgesamt weitgehend verloren gehen und die recht gute Farbwiedergabe von Landsat 8 – ich bedauere das sagen zu müssen – weitgehend ungenutzt bleibt.

Vergleich neu-alt von der nördlichen Ellesmere-Insel

Vergleich neu-alt aus Sibirien

Bevor ich ein paar Blicke lokal auf die Bilder werfe ein paar grundlegende Fakten insgesamt. Das Bild-Mosaik ist wie zuvor fast global – soweit durch Landsat abgedeckt und unter Ausschluss der Antarktis. In Gebieten wo bereits zuvor bei niedrigen Zoomstufen andere Bilder verwendet wurden ist dies auch jetzt noch der Fall (in Spitzbergen, Südgeorgien und ein paar anderen Gebieten). Für die Antarktis wird weiterhin das LIMA verwendet, im Norden ist jenseits der Landsat-Abdeckung jetzt ein recht unschönes niedrig aufgelöstes Bild zu sehen, dessen Herkunft nicht eindeutig identifizierbar ist.

An der Landsat-Grenze im Norden Grönlands

Mein eigenes Grönland-Mosaik zum Vergleich

Wie man in diesem Beispielausschnitt auch sehen kann wird weiterhin die selbe ungenaue Küstenlinien-Maske verwendet, wodurch sie sich die Bilddaten in der Mitte zerschneiden.

Was hat sich verbessert?

Nun – da die Hauptdatenquelle jetzt Landsat-8-Daten aus den letzten drei Jahren sind werden die Bilder natürlich zunächst einmal deutlich aktueller. Zuvor mit den Landsat-7-Daten waren die Bilder im Durchschnitt von etwa 2007 und nun sind sie durchschnittlich von 2014. Man muss jedoch bedenken, dass nur drei Jahre als Datenbasis nicht so viel ist um damit zu arbeiten (was auch der Grund dafür ist, dass wir bis jetzt noch keine anderen globalen Landsat-8-Zusammenstellungen gesehen haben). Es scheint so, dass Google nach wie vor auch Landsat-7-Daten in gewissem Umfang verwendet – was man generell gut durch die charakteristischen Streifen erkennt, welche bei Landsat-8-Daten nicht auftreten würden.

Landsat-7-Streifen im neuen Google-Mosaik

Die Behandlung von Wolken scheint sich zum Teil verbessert zu haben – möglicherweise weil die Landsat-8-Daten zusätzlich zu den zuvor verwendeten Bildern genutzt werden

während das Ergebnis in anderen Gebieten deutlich schlechter ist

Während die gezeigten Stellen schlicht enorm schwierig sind was Wolken betrifft gibt es auch Fälle, wo das Problem komplett vermeidbar wäre:

Auch aufgrund der recht kleinen Datenbasis sehen Gebiete mit starker Saisonalität wie bei hohen Breiten und in Hochgebirgen oft recht schlecht aus.

Google in den Alpen

Mein Alpen-Mosaik zum Vergleich

Schlussfolgerungen

Insgesamt bin ich mir nicht ganz klar, warum Google dieses Update produziert hat. Es gab nicht wirklich Druck von der Konkurrenz dahingehend, dass die Bilder veraltet schienen – im Gegenteil, nach wie vor verwenden die meisten anderen Kartendienste die deutlich älteren Landsat-7-Bilder vor dem SLC-Defekt (von 1999-2003) als Basis-Bilder. Ich denke, dass man dies vermutlich vor allem als Demonstration des hausinternen Satellitenbild-Verarbeitungssystems sieht, welches auch unabhängig von den Kartendiensten vermarktet wird.

Hinsichtlich der technologischen Entwicklung sehe ich hier jedoch nicht nennenswert was Neues. Wer den Unterschied zwischen Landsat 7 und 8 hinsichtlich der Datenqualität kennt, insbesondere was das Rauschen und den Dynamikumfang angeht, für den dürfte das neue Mosaik recht enttäuschend sein. Das Wichtigste was Google hier demonstriert ist also, dass ihr Satellitenbild-Verarbeitungssystem robust genug ist, um ein neues Mosaik auf anderer Datenbasis mit vergleichbaren Ergebnissen zu produzieren.

Und natürlich zeigen sie hier, dass sie immer noch mit ihrem keinen Finger etwas machen können, was andere jahrelang nicht hin bekommen haben, nämlich ein global konsistentes und zumindest auf den groben Blick wolkenfreies Satellitenbild-Mosaik in diesem Auflösungs-Bereich zu produzieren.

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