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waterbody and ford rendering in the alternative-colors style

10. Dezember 2017
von chris
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Wasser drunter und drüber

Vor Kurzem habe ich über die Darstellung von Fuß- und Radwegen in Karten auf OpenStreetMap-Basis geschrieben. Dabei deutete ich an, dass es auch noch eine Menge weitere Änderungen gibt, die ich im alternative-colors-Stil umgesetzt habe und welche etwas mehr Erklärungen verdienen. Hier stelle ich ein paar davon vor, welche die Darstellung von Gewässern betreffen.

Gewässer werden im Standardstil (und ähnlich in fast allen andere Karten auf OSM-Basis) seit jeher in einer recht einfachen, um nicht zu sagen primitiven Art und Weise dargestellet. Alle Wasser-Objekte werden in der selben Farbe gezeichnet, Wasserflächen traditionell ab z6, Fluss-Linien ab z8 und Bäche sowie kleine künstliche Wasserläufe ab z13. Die Grenzen bei z8 und z13 sind so fest verankert, dass Mapper oft die waterway-Attribute danach auswählen, was in Bezug auf diese Grenzen als darstellungswert erachtet wird. Da kleine künstliche Wasserläufe (ditch und drain) etwas dünner dargestellt werden als Bäche (stream), werden die Attribute dafür recht oft für kleinere natürliche Wasserläufe zweckentfremdet. Die einzige Besonderheit in dieser traditionellen Darstellungsform ist, dass die kleineren Wasserläufe, welche ab z13 gezeigt werden, mit einer hellen Umrahmung gezeichnet werden, wodurch sie auf dunklem Hintergrund besser zu sehen sind.

Vor einiger Zeit wurde eine differenzierte Darstellung von nicht permanenten Wasserläufen mit gestrichelten Linien eingeführt. Obwohl dies im Grunde eine sinnvolle Gestaltungs-Entscheidung zu sein scheint, hat sich herausgestellt, dass dies im Grunde nur recht schlecht funktioniert, denn bei der Kombination von gestrichelten Linien mit detaillierten Linien-Geometrien ergeben sich genau die Probleme, die ich im Zusammenhang mit den Fußwegen schon erläutert habe.

Das ist die Situation, die den Hintergrund für meine hier zu besprechenden Änderungen liefert.

Unterscheidung von Gewässern nach Typen

Wie oben erläutert stellt der OSM-Standardstil alle Wasser-Elemente einheitlich in der selben Farbe dar. Diese Farbe ist vor einiger Zeit geändert worden, aber es ist immer noch eine einheitliche Farbe für alle Wasser-Bezogenen Elemente – egal ob der Ozean oder ein kleiner Bach oder Graben.

Dieses „Alles eine Farbe“-Schema erfordert vom Mapper nicht viel Nachdenken, wie die Gewässer im Detail zu erfassen sind, Er kann einfach sozusagen die Karte blau anmalen. Insbesondere bei Wasserflächen hat dies zu recht viel Willkür bei den Attributen geführt und zu recht schlechter Daten-Qualität bei den spezifischeren Attributen. Wie ich im Zusammenhang mit den Gewässer-Daten schon oft erwähnt habe, kann man diese Daten kaum für etwas anderes verwenden, als die Gewässer einheitlich einfarbig darzustellen. Gleichzeitig ist das Ganze natürlich für den Kartengestalter recht einfach, denn er muss sich nicht viele Gedanken über die Reihenfolge der Darstellung und andere Probleme machen.

Detailliertere Informationen über Gewässer wären jedoch für Datennutzer oft recht nützlich, so dass es eigentlich Sinn macht, die darzustellen und so den Mappern einen Anreiz zu bieten, diese Dinge gewissenhaften zu erfassen. Und zwischen verschiedenen Gewässer-Typen zu differenzieren kann auch sehr helfen, dine besser lesbare Karte zu produzieren, denn was für eine Gestaltung am besten funktioniert hängt oft recht stark davon ab, um was für ein Gewässer es sich handelt. Und da blaue Farben sowieso weitgehend für Objekte mit Wasser-Bezug reserviert sind, ist eine Differenzierung über die Farbe kein so großes Problem.

Die drei Haupttypen von Gewässern, die ich differenziere sind:

  • der Ozean
  • stehende Binnen-Gewässer (hauptsächlich Seen)
  • Fließgewässer (sowohl Linien- als auch Flächen-Objekte)

Water colors for ocean (left) standing inland water (middle) and flowing water (right)

Dieses Farbschema konnte man auch in der Demonstration für die niedrigen Zoomstufen sehen, welche ich vor kurzem vorgestellt habe.

Flüsse verwenden die kräftigste und dunkelste Farbe, so dass sie auch vor kräftigem und stark strukturiertem Hintergrund gut zu sehen sind wähernd der Ozean in einer helleren Farbe gehalten ist, um im Kontrast mit Landflächen nicht zu sehr zu dominieren.

Die dunkle Fluss-Farbe vor dunklem Hintergrund

Untercheidung zwischen stehenden und Fließgewässern am Rhein

Außer der Unterscheidung in Abhängigkeit von der physikalischen Natur des Gewässers hab ich bei Linien-Elementen auch eine Unterscheidung zwischen natürlichen und künstlichen Wasserläufen in Form einer subtil helleren Mittellinie bei den höheren Zoomstufen eingeführt.

Kanal-Darstellung mit subtil hellerer Mittellinie

Bach und Gräben bei z18 im Vergleich

Subtilität in der Darstellung ist ein wichtiges Element, wenn man eine reichhaltige Karte produzieren möchte, die trotzdem noch gut lesbar sein soll. Diese Unterscheidung zwischen natürlichen und künstlichen Wasserläufen ist deutlich genug, dass der aufmerksame Betrachter sie klar erkennen kann, gleichzeitig aber nicht zu auffällig, so dass sie stört und die Lesbarkeit der Karte ansonsten einschränkt.

Zeitweilig trockene Gewässer

Darstellung von zeitweilig trockenen Flüssen im Standardstil bei z10

Wie weiter oben erwähnt unterscheidet der Standardstil bereits zwischen permanenten und nicht permanenten Gewässern – jedoch nicht in einer besonders gut lesbaren Form. Ich hab verschiedene andere Möglichkeiten hierfür ausprobiert und bin am Ende zu folgendem Ansatz gekommen

  • Zeitweilig trockene Wasserläufe werden eine Zoomstufe später dargestellt und bei den ersten Zoomstufen etwas dünner als permanente Wasserläufe.
  • Bei z12-z13 erhalten zeitweilig trockene Flüsse eine helle Mittellinie. Dies ist recht gut sichtbar und funktioniert bei detaillierten Geometrien besser als eine Strichelung. Von z14 aufwärts verwende ich dann eine Gestrichelte Linie, aber mit sehr schmalen Lücken zwischen den Strichen so dass die Linie als durchgehende Geometrie besser erkennbar bleibt. Bäche und Gräben werden von z13 aufwärts mit einer ähnlichen Strichelung gezeichnet.
  • Zeitweilig trockene Seen bekommen ein strukturierten Punktmuster mit blauen Punkten und einem transparenten Hintergrund so dass darunter liegende Landbedeckungen sichtbar bleiben.
  • Zeitweilig trockene Fließgewässer-Flächen werden von z14 aufwärts mit einem hellen Punktmuster vor einer blauen Hintergrund-Farbe dargestellt. Dies stellt sicher, dass die Umrisse der Geometrie gut erkennbar bleiben, was bei der Wasserfläche von Flüssen für die Lesbarkeit der Karte recht wichtig ist.

Zeitweilig trockene Wasserläufe bei z13 mit heller Mittelline für Flüsse und Strichelung für Bäche

Zeitweilig trockene Fließgewässer-Flächen bei z15 in Kombination mit Flüssen und Bächen

Zeitweilig trockene Seen bei z10

Des weiteren werden Salzwasser-Flächen (salt=yes) in der Ozean-Farbe mit zusätzlich einem schwachen hellen Muster dargestellt. Eine abstrakte Demonstration von allem Zusammen findet sich hier:

Zeitweilig trockene Gewässer im alternative-colors-Stil bei z14 – Ein Klick zeigt die Darstellung bei z15

Andere Änderungen

Abgesehen von den grundsätzlichen Änderungen, die ich oben beschrieben habe, hab ich auch eine ganze Reihe von kleineren Anpassungen bei Linienbreiten und sonstigen Parametern durchgeführt, um ein ausgeglicheneres Verhältnis zwischen den verschiedenen Objekt-Typen und einen kontinuierlicheren Übergang zwischen den verschiedenen Zoomstufen zu erreichen.

Furten

Nicht direkt mit den Änderungen bei den Gewässern verbunden, aber doch irgendwie im Zusammenhang dazu, habe ich eine Darstellung von Furten eingeführt. Diese werden im Standardstil von z16 an als Punkte mit einem Symbol dargestellt – was eine recht unglückliche Darstellung ist, denn:

  • Das Symbol verdeckt im Allgemeinen den wichtigsten Teil der Kreuzung zwischen Weg und Wasserlauf.
  • Das Symbol wird für jeden Node mit dem Attribut ford=yes dargestellt – egal ob dies eine große Straße oder ein kleiner Fußweg ist und daneben auch bei Dingen, wo das Attribut eventuell überhaupt keinen Sinn macht.
  • z16 ist in vielen Fällen viel zu spät, um für den Kartennutzer hilfreich zu sein.

Darstellung von Furten mit Symbol – Optisch sehr kräftig mit wenig praktischem Nutzen

Mit anderen Worten: Diese Art der Darstellung verbessert in vielen Fällen die Karte nicht wirklich.

Ich hab einen anderen Ansatz gewählt und stelle die Furten ähnlich wie Brücken dar – schließlich ist eine Furt ja im Grunde die Kreuzung eines Weges mit einem Fluss ohne Brücke. Die Schwierigkeit ist, dass Furten als Punkte erfasst werden können während Brücken per Konvention immer als Linien erfasst sind. Die Darstellung von Furt-Punkten im Stol einer Brücke ist nicht so einfach und ich fürchte, dass ich damit den sowieso schon recht komplexen Straßen-Darstellungs-Code noch ein ganzes Stück komplizierter gemacht habe. Aber ich denke, dass das Ergebnis den Aufwand Wert ist.

Als Punkte erfasste Furten von Fußwegen, Fahrspuren und kleineren Straßen

Wie man sehen kann ist das Ganze meist recht intuitiv als Furt erkennbar und die Konfiguration der Kreuzung wird nicht durch ein großes Symbol verdeckt.

Furten bei z15 für verschiedene Straßen- und Weg-Typen – ein Klick zeigt die Darstellung bei z16

1. Dezember 2017
von chris
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OSMF-Vorstands-Wahlen

Die OpenStreetMap Foundation wird morgen die Wahlen für zwei Sitze im Vorstand der Organisation im Rahmen der diesjährigen Jahres-Hauptversammlung eröffnen. Falls Sie ein Mitglied der OSMF sind, möchte ich Ihnen dringend nahe legen, mit abzustimmen. Wer kein Mitglied ist, könnte darüber nachdenken, eines zu werden (was jedoch nicht dazu führt, dass man bei den diesjährigen Wahlen mitmachen kann – dafür muss man einen Monat vorher schon Mitglied sein).

Der Grund, weshalb die Wahl in diesem Jahr besonders wichtig ist, liegt darin, dass die Positionen der Kandidaten zur zukünftigen Ausrichtung der OSMF und von OpenStreetMap im Allgemeinen dieses Mal zum Teil recht weit auseinander liegen. Man kann sich ein bisschen ein Bild von den Ideen und Ansichten der Kandidaten machen, wenn man die Fragen und Antworten im OSM-Wiki liest, man muss dafür jedoch auch ein bisschen zwischen den Zeilen lesen, denn die Kandidaten haben sich leider zum Teil die unangenehme Tendenz aus der großen Politik abgeschaut, zwar viel zu reden, aber dabei kaum etwas von Substanz zu sagen. Manchmal erfährt man mehr über die Kandidaten durch die Art und Weise, wie sie auf unangenehme Fragen reagieren als aus den Antworten selbst.

Natürlich werden zwei neue Mitglieder in einem Vorstand von sieben Leuten nicht unmittelbar die gesamte OSMF ändern, aber aufgrund der recht deutlichen Unterschiede zwischen den Kandidaten wird das Ergebnis der Wahl ein deutliches Signal sein, welche Richtung die Mitglieder unterstützen und dürfte damit auch einen Einfluss auf die Haltungen der anderen Mitglieder des Vorstandes haben.

Und natürlich würde selbst eine grundsätzliche Richtungsänderung der OSMF nicht notwendigerweise einen großen Einfluss auf der Projekt OpenStreetMap insgesamt haben. Eine der bemerkeswertesten Eigenschaften von OpenStreetMap ist ja, wie wenig es von zentraler Organisation und Management abhängt. Aber natürlich könnten deutliche Differenzen in Zielen und Ausrichtung zwischen der OSMF und der OSM-Gemeinschaft zu erheblicher Reibung führen.

Wind blown dust from the Copper River, Alaska

18. November 2017
von chris
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Mehr Staub und Eis

Hier eine weitere Ansicht der Staubwolke aus dem vorherigen Beitrag von ein paar Tagen später, aufgenommen von Sentinel-2:

Und noch eine andere bewerkenswerte Situation von der anderen Seite der Erde – eine beeindruckende Ansammlung von großen Tafeleisbergen in der Nähe von Elephant Island nordöstlich der antarktischen Halbinsel – von Sentinel-3 aufgenommen.

Landsat Winter Alaska 2017

15. November 2017
von chris
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In Richtung des Lichts

Ich hab hier mal ein etwas anderes Satellitenbild als üblich:

Das ist ein Streifen von neun aufeinander folgenden Landsat-Bildern, aufgenommen vor ein paar Tagen im Süden Alaskas. Ich hab das ganze so rotiert, dass das Bild in etwa in Flugrichtung des Satelliten orientiert ist. Man muss herunterscrollen, um das ganze Bild zu sehen. Während man das tut, bewegt man sich vom Rand der Polarnacht am nördlichen Ende in Richtung Sonne nach Südwesten über insgesamt etwa 1500km.

Manche bemerken vielleicht die leicht Krümmung, die das Bild dabei aufweist – das liegt daran, dass das gewählte Koordinatensystem nicht wirklich an der Umlaufbahn des Satelliten ausgerichtet ist, sondern eine einfach geneigte Mercator-Projektion darstellt. Durch die Sonnen-synchrone Umlaufbahn des Satelliten ist dessen Spur auf der Erdoberfläche nicht wirklich ein Großkreis, sondern wickelt sich, um der Sonne zu folgen, quasi spiralförmig um die Erde.

Das südliche Ende des Streifens ist bestimmt durch das Ende der Landsat-Aufnahmen hier, welche sich nicht über den offenen Ozean erstrecken (es heißt schließlich Landsat). Das nördliche Ende markiert die Aufnahme-Grenze aufgrund der niedrigen Sonnen-Position zu dieser Jahreszeit.

Hier ein Sentinel-3-OLCI-Bild vom selben Tag (und mit Nordorientierung – also kann man hier auch erkennen, wo die erste Aufnahme oben liegt) welches durch eine deutlich engere nördliche Grenze gekennzeichnet ist.

Zum Vergleich hier auch ein Flaschfarben-Infrarot-Bild von Sentinel-3-SLSTR, wo es keine Beleuchtungsbedingte Aufnahme-Grenze gibt und man folglich die Tag-Nacht-Grenze vollständig sehen kann – aber halt nicht in natürlichen Farben.

Die beiden Sentinel-3-Bilder zeigen auch eine beeindruckende Staubwolke, welche sich vom Delta des Copper River im Süden Alaskas auf der rechten Seite des Bildes nach SSW erstrecket. Hier eine vergrößerte Ansicht davon.

Und schließlich noch zwei Ausschnitte aus dem ersten Bild – der erste vom Norden, wo man den Flüssen zu dieser Jahreszeit gewissermaßen beim zufrieren zuschauen kann (nahe Fort Yukon).

und der zweite Ausschnitt vom Süden zeigt das tatsächlich sehr windige, aber sonnige Wetter bei Tugidak Island.

10. November 2017
von chris
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Satellitenbild-Neuigkeiten

Ein paar Neuigkeiten, die für den ein oder anderen Leser von Interesse sein könnten – ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Das Sentinel-2-Datenformat hat sich geändertschon wieder. Diesmal ist die Änderung recht klein und für die meisten Anwender nicht erheblich. Das interessante und witzige daran ist, dass die Saga des zweiten Zeitstempels um eine weitere Anekdote reicher wird – für den zweiten Zeitstempel gilt nun: is specialised to ensure a deterministic repeatable name across time for the same product. In anderen Worten: Er hat keine eigentliche Bedeutung als Zeitstempel mehr. Vielmehr dient er ausschließlich dazu, zwischen verschiedenen Paketen mit ansonsten gleichem Namen zu unterscheiden (was an den Grenzen zwischen data strips vorkommen kann).
  • Noch was anderes zu Sentinel-2 – das wurde nicht groß angekündigt, aber es gibt einen mehr oder weniger regelmäßig aktualisierten Daten-Qualitäts-Bericht zu Sentinel-2. Man muss da beim Lesen jedoch etwas aufpassen. Regelmäßige Aktualisierung bedeutet nicht, dass alle Informationen darin auf dem neusten Stand sind. Und man muss wissen, wie man die Aussagen dort interpretieren sollte. Man nehme zum Beispiel die absolute Positionsgenauigkeit (über die ich vor kurzem auch gechrieben habe) – diese kann man prinzipbedingt nur dann wirklich quantitativ ermitteln, wenn man genaue Referenzdaten hat – was gewöhnlich vor allem in denjenigen Regionen nicht der Fall ist, wo die Daten nicht so gut sind. Folglich sind die <11m at 95.5% confidence sehr wahrscheinlich nicht an einer neutral und gleichmäßig auf der Erde verteilten Sammlung von Punkten bestimmt. Die verwendeten Punkte sind natürlich nicht veröffentlicht – genauso wenig wie die Quelle der Positionsangaben, welche als Referenz dient.
  • Der USGS hat ein Datenprodukt Namens Landsat Analysis Ready Data vorgestellt. Das sind im Grunde Landsat-Daten, welche für das Gebiet der Vereinigten Staaten in ein einheitliches Koordinatensystem reprojiziert wurden und in Kachel-Form verfügbar sind. Ich werde mich hier nicht näher damit beschäftigen, denn ich halte das konzeptionell und technisch eher für eine Sackgasse. Dies ist per Definition ein regionales Produkt, was nicht auf eine globale Abdeckung ausgeweitet werden kann. Und eine doppelte Reprojektion (von den Level-0-Rohdaten in das UTM-Gitter der Level-1-Daten und dann nochmal in die Projektion des ARD-Gitters) ist unnötig und verschwenderisch hinsichtlich der Informationen in den Daten. Es gibt natürlich Vorteile dafür, für größere Regionen Daten in einem gemeinsamen Gitter zu verarbeiten, aber eine Lösung, welche auf das Gebiet der Vereinigten Staaten beschränkt ist, ist da natürlich kein universell verwendbarer Ansatz.
  • Bei der kommerziellen Erdbeobachtung hat Planet Labs sechs neue SkySat-Satelliten gestartet – das sind die etwas größeren Satelliten, die sie mit der Akquisition von Terra Bella von Google erworben haben. Ich habe diese kurz bei der Besprechung von Planet Labs vor einiger Zeit erwähnt. Es gibt über den Betrieb dieser Satelliten nur recht wenig öffentlich zugängliche Informationen. Die angegebene Aufnahme-Kapazität von 185k km^2 pro Tag für alle 13 Satelliten zusammen ist recht wenig. Mit einer Sichtfeld-Breite von 8km bedeutet dies weniger als 2000km Aufnahme-Länge pro Tag pro Satellit oder etwa 20 Sekunden Aufnahme pro Orbit. Ob dies in der Zukunft gesteigert werde kann ist unklar. Im Moment scheinen diese Satelliten, mit Positionen für Aufnahmen bei unterschiedlichen Tageszeiten und der Möglichkeit zur Aufnahme von Schwarzweiß-Videos, vor allem dafür verwendet zu werden, was man als Event-Fotografie aus dem Weltraum bezeichnen könnte.
  • Es sind für die nächste Zeit zwei Starts von Erdbeobachtungs-Satelliten angekündigt. Für den 14. November ist der Start von JPSS-1 geplant, welcher das ein zweites VIIRS-Instrument bietet zusätzlich zu dem auf dem 2011 gestarteten Suomi NPP. Und Ende Dezember ist der Start von GCOM-C geplant. Beide Satelliten starten wesentlich später als geplant. JPSS-1 sollte bereit vor einem Jahr starten. Bei GCOM-C war der Start ursprünglich bereits 2014 geplant.

Ich habe mein Satellitenbild-Sensor-Schaubild entsprechend aktualisiert. Dabei ist zu beachten, dass ich mit nach wie vor nicht dazu durchringen kann, bei den PlantScope-Satelliten ein Intervall zur vollständigen Abdeckung anzugeben. Sie zeigen zwar jetzt eine ordentliche monatliche Abdeckung von über 90 Prozent zwischen -60 und 75 Grad Breite mit der Kombination RapidEye und PlantScope aber vollständige Abdeckung bedeutet für mich vollständige Abdeckung. Und demo or it did not happen.

Sentinel-2 2017 coverage

1. November 2017
von chris
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Satellitenbild-Erfassungen – Bericht für das letzte Jahr

Vor etwa einem Jahr habe ich meinen Bericht über die Erfassungen von Sentinel-2 im ersten Betriebsjahr geschrieben – mit Vergleich zu Landsat im selben Zeitraum. Das war – und ist so weit ich weiß nach wie vor – die detaillierteste und genaueste Analyse der von diesen Satelliten verfügbaren Bilder. Hier eine Aktualisierung für den Zeitraum vom Oktober 2016 bis Oktober 2017.

Die Aufteilung im Oktober ist dafür da, dass jeweils genau eine Sommer-Saison sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbkugel der Erde enthalten ist. Eine Aufteilung nach Kalenderjahr würde im Süden immer den Sommer teilen.

Hier die Entwicklung des Erfassungs-Volumens für die verschiedenen Satelliten:

Landsat

Beide Landsat-Satelliten sind im letzten Jahr ohne nennenswerte Zwischenfälle oder Unterbrechungen betrieben worden. Landsat 7 hatte Anfang 2017 sein letztes Manöver zum Bahn-Erhalt und fliegt nun in einer Umlaufbahn, deren Aufnahme-Zeitfenster sich in der Zukunft kontinuierlich von derzeit etwa 10:15 zu früheren Zeitpunkten verschieben wird, wie es bereits bei EO-1 der Fall war.

Hier die Abdeckungs-Karten von Tagaufnahmen von Landsat 8:

Der bedeutendste Unterschied zu den vorherigen Jahren liegt darin, dass die Abdeckung der Antarktis im Sommer 2016-2017 wesentlich seltener erfolgte (siehe letztes Jahr zum Vergleich). Man sieht dies auch in der zeitlichen Entwicklung oben im ersten Diagramm, wo die Linie für Landsat 8 Ende 2016 eine deutliche Delle aufweist, was in den vorherigen Jahren nicht der Fall war. So weit ich weiß hat der USGS sich bis jetzt noch nicht zu den Gründen hierfür geäußert.

Ansonsten hat sich nicht viel verändert – wir bekommen jetzt routinemäßig off-nadir-Erfassungen von Nord-Grönland und dem Inneren der Antarktis. In Grönland passiert dies immer beim selben Umlauf (path), was Verbesserungspotential bietet, denn man könnte durch eine dynamische Auswahl des Zeitpunktes die Chancen für gutes Wetter im Zielgebiet verbessern. Alle off-nadir-Bilder von 2017 in Nordgrönland sind stark durch Wolken beeinträchtigt.

Es gibt auch nach wie vor die zwei eine Lücke in der Land-Abdeckung bei niedrigen Breiten – Rockall und die Jonas-Insel. (Ergänzung: ich habe bemerkt, dass es von Rockall ein Bild in diesem Jahr gibt, aber keine reguläre Abdeckung. noticed there is actually one image for Rockall – though not regular coverage. Die Jonas-Insel ist die bedeutendere Lücke)

Sentinel-2

Für Sentinel-2A blicken wir jetzt auf das zweite Jahr des Betriebs und man könnte vielleicht erwarten, dass dies zu mehr Routine und entsprechend größerer Zuverlässigkeit führt. Es gibt auch die ersten Bilder von Sentinel-2B. Hier die Zahlen für Sentinel-2A und Sentinel-2B getrennt:

Und hier zusammen mit einer anderen Farbskala.

Ich sollte betonen, dass dies die öffentlich verfügbaren Bilder zeigt. Wie ich früher schon mal betont habe gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den veröffentlichten Erfassungs-Plänen und den tatsächlichen Erfassungen. Daneben sind auch die Veröffentlichungen der Bilder oft unvollständig. Hier ein Beispiel von Sentinel-2B aus meiner detaillierten Statistik-Seite (welche ich bei der Gelegenheit auch aktualisiert habe).

Ich habe nicht genau bestimmt, wie viele Bilder hiervon betroffen sind, aber zusammen genommen ist die Anzahl der Bilder, welche geplant, jedoch nicht aufgenommen wurden oder aufgenommen wurden aber nicht veröffentlicht sind, erheblich. Insbesondere der zweite Fall sieht in der im Bild gezeigten Willkür ziemlich peinlich aus.

Das Erfassungs-Muster ist fast das selbe wie im letzten Jahr und auch für Sentinel-2A und Sentinel-2B anscheinend identisch. Zur Zusammenfassung: Der größte Teil von Europe und Afrika sowie Grönland werden bei jeder Gelegenheit aufgenommen (was ein 10-Tage-Intervall für jeden Satelliten bedeutet). Der Rest der größeren Landflächen mit Außnahme der Antarktis wird bei jeder zweiten Gelegenheit aufgenommen – außer einige ziemlich willkürlich ausgewählte kleinere Gebiete, für die auch ein 10-Tage-Intervall gilt. Viele kleinere Inseln fehlen. Die Antarktis wurde im Sommer 2016-2017 aufgenommen, aber deutlich seltener als der Rest der Erde.

Außer der beschriebenen räumlichen Verteilung der Aufnahmen (welche recht offensichtlich eine bewusste politische Entscheidung ist), liegt der offensichtlichste Unterschied zu Landsat darin, dass die Aufnahmen bei hohen Breiten in Europa und Grönland nicht ausgedünnt werden, um der stärkeren Überlappung der Aufnahmen dort Rechnung zu tragen. Im Norden Grönlands führt dies im Sommer zu oft mehr als einem Bild pro Tag. Wenngleich das natürlich für Leute, die an diesen Gebieten interessiert sind, recht angenehm ist und auch in gewisser Hinsicht als Kompensation für die Vernachlässigung dieser Regionen generell aufgefasst werden kann, ist das Ganze ziemlich verschwenderisch in Bezug auf die Erfassungs-Ressourcen. Der Grund dafür liegt vermutlich darin, dass hier einfach starr an der Regel festgehalten wird, Grönland und Europa bei jeder Gelegenheit aufzunehmen, was von Bürokraten beschlossen wurde, die keine Vorstellung davon hatten, was dies in der Realität bedeutet.

Schlussfolgerungen

Insgesamt hat sich also nicht so wahnsinnig viel verändert – was so scheint mir für Landsat eine recht gute Nachricht ist, für Sentinel-2 jedoch weniger wenn man die verschiedenen Probleme und Einschränkungen bedenkt, die bereits im letzten Jahr existierten. Aber vielleicht sind wir ja in ein paar Jahren einfach an diese Dinge gewöhnt…

Außer den bereits diskutierten Problemen wird der Betrieb von Sentinel-2 nach wie vor von häufigen Verzögerungen bei der Verarbeitung der Bilder und anderen Zwischenfällen geplagt. Während man bei Landsat recht zuverlässig vorhersagen kann, wann das nächste Bild von einer bestimmten Gegend aufgenommen wird und dass es ein paar Stunden später verfügbar ist, ist dies bei Sentinel-2 oft deutlich weniger zuverlässig.

Bei aller Kritik an den Problemen von Sentinel-2 muss aber auch erwähnt werden, dass mit nun zwei Satelliten im Betrieb mit mehr oder weniger gleichmäßigen Resultaten Sentinel-2 nun in den meisten Fällen eine höhere Aufnahme-Frequenz bietet als Landsat 8 (was ein praktisch sinnvoller Vergleich ist, denn Landsat-7-Daten sind durch die SLC-Lücken oft nur schwierig zu verwenden) – und zwar selbst in den Kontinenten mit geringerer Priorität – mit Ausnahme der kleinen Inseln und der Antarktis natürlich. In anderen Worten: Wenn man nach dem neuesten Bild für einen bestimmten Punkt auf der Erde sucht, findet man dies eher im Sentinel-2-Archiv als bei Landsat 8 – trotz der Verzögerungen in der Verarbeitung der Daten, fehlenden Aufnahmen oder nicht erfolgter Veröffentlichung, welche sich bei Sentinel-2 negativ auswirken.

Und noch etwas positives zu Sentinel-2 – die Verfügbarkeit der Download-Infrastruktur ist in der letzten Zeit deutlich besser geworden. Längere ungeplante Ausfälle, bei denen über längere Zeiträume überhaupt kein Download möglich ist, kommen kaum mehr vor.

Hier zum Nachschlagen alle Visualisierungen der Aufzeichnungen von diesem und den vergangenen Jahren:

Jahr Tag Nacht Pixel-Abdeckung Tag
2014 LS8, LS7 LS8 LS8
2015 LS8, LS7 LS8 LS8
2016 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A
2017 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A, S2B, S2 (beide)

Auch zu erwähnen sind die detaillierten Abdeckungen für jede Umlauf-Periode und die täglichen Erfassungs-Zahlen.

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29. Oktober 2017
von chris
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Inseln im Frühling und Herbst

Hier ein paar Satellienbild-Eindrücke von den letzten Wochen von Inseln im Frühling und Herbst. Zunächst eine Ansicht vom Südwesten Islands von vor ein paar Tagen:

Dann ein Blick bei gutem Wetter auf Südgeorgien im Frühling – mit einem großen Eisberg im Nordosten:

Und schließlich ein Bild von Onekotan im Norden der Kurilen:

Die ersten beiden Bilder basieren auf Copernicus Sentinel-2-Daten, das letzte ist auf Grundlage von Landsat-Bildern produziert.

carto-path_980

26. Oktober 2017
von chris
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Linien zeichnen

Nachdem ich das, was ich ursprünglich für das letzte Hack-Weekend in Karlsruhe geplant hatte, bereits vorher erledigt hatte, hab ich am letzten Wochenende dann an etwas anderem gearbeitet – was allerdings durchaus im Zusammenhang dazu steht.

Die Darstellung von Linien in Karten ist etwas, was auf den ersten Blick ziemlich einfach erscheint. In der Realität jedoch muss man dabei eine ganze Menge Dinge berücksichtigen, damit die Karte am Ende gut lesbar ist. Eine wichtige Erkenntnis ist insbesondere, dass gestrichelte oder gepunktete Linien meist deutlich schwieriger zu handhaben sind als durchgezogene.

Der OSM-Standardstil verwendet verschiedene Strichelungen, um Feld- und Waldwege (tracks) nach tracktype zu differenzieren sowie Fuß- und Radwege nach Oberflächen-Material (surface). Das funktioniert bei den hohen Zoomstufen ganz leidlich, aber es versagt, wenn man weiter herauszoomt bis zu dem Punkt, dass die Linien oft komplett unleserlich werden, insbesondere in Gebieten mit einem dichten Wege-Netz. Hier einige Beispiele:

Man kann nun versuchen, an der Gestaltung herumzudoktern indem man helle Umrahmungen verwendet, den Kontrast verstärkt oder die Linienbreite ändert aber am Ende muss man einfach erkennen, dass die Strichelung es immer schwierig macht, die Wege in Gebieten mit viel Details als durchgehende Linien zu erkennen. Eine grundsätzlich andere und möglicherweise bessere Lösung wäre, bei diesen Maßstäben nur die wichtigeren Wege einzuzeichnen. Hierfür bräuchte man jedoch einen passende Bewertung, die die Daten nicht unbedingt hergeben und die letztendlich recht subjektiv und vermutlich oft nicht sehr intuitiv wäre. Für manche Kartennutzer wäre es zum Beispiel vielleicht nützlich, wenn man nur die Wege einzeichnet, die Bestandteil von Fern-Wanderwegen sind. Ein lokaler Kartennutzer jedoch hält vielleicht einen anderen Weg für wichtiger, weil er die Kürzeste, bequemste und meistgenutzte Verbindung zwischen zwei Orten in der Gegend darstellt.

Eine Lösung für die Zoomstufen z13 und z14, die ich bereits vor einiger Zeit mal getestet hatte, besteht darin, die Strichelung aufzugeben und die Wege bei diesen Maßstäben als durchgezogene Linien zu zeichnen. Das schränkt die Möglichkeiten stark ein, verschiedene Klassen von Wegen zu unterscheiden – denn man kann dann letztendlich nur noch die Farbe und die Linienbreite variieren und die Farbe ist bei sehr schmalen Linien nur schwer zu differenzieren, denn alle Pixel bestehen am Ende aus einer Mischung zwischen Linienfarbe und Hintergrundfarbe.

Was die Umsetzung dieser Idee bisher verhindert hat ist die Tatsache, dass Radwege im Standardstil traditionell in blauer Farbe dargestellt werden und eine durchgehende blaue Linie einfach intuitiv zu sehr nach einem Wasserlauf aussieht. Die Verwendung von Blau für die Radwege war immer schon ein wunder Punkt aber Versuche das zu ändern sind in der Vergangenheit an den begrenzten Möglichkeiten für die Farben gescheitert. Insbesondere begrenzt die Verwendung von Purpur für die administrativen Grenzen die farblichen Möglichkeiten enorm. Da ich die Purpur-farbenen Grenzen jedoch losgeworden bin, hab ich da jetzt etwas mehr Freiraum.

Die richtige Balance zu finden mit Farben, Linienbreiten und – bei den höheren Zoomstufen – der Strichelung der Linien, ist schwierig aber ich denke, dass das Ergebnis ganz akzeptabel ist. Die Änderung gibt den Fußwegen und Radwegen eine stärkere Gewichtung in der Karte, was in meinen Augen jedoch im Wesentlichen eine Kompensation für die Unter-Gewichtung ist, die sie im Standardstil im Moment haben.

Bei z13 sind alle Linien durchgezogen und variieren in der Breite leicht in Abhängigkeit vom tracktype. Wenngleich diese Unterschiede wohl im Allgemeinen nicht zuverlässig differenzierbar sind kann man wohl zumindest grade1 von grade4 unterscheiden. Fuß- und Radwege sind beide in Rot dargestellt, was man in jedem Fall vom Braun der Fahrwege unterscheiden können sollte.

(die selben Stellen im Standardstil: hier, hier und hier)

Insgesamt ist die Karte damit wesentlich klarer und weniger unruhig. Man kann die einzelnen Wege und ihre Verläufe und Verbindungen deutlich besser identifizieren, insbesondere in dicht erfassten Gebieten. Man verliert dafür allerdings zum Teil die Möglichkeit in weniger dicht erfassten Gebieten die unterschiedlichen Typen von Wegen zu unterscheiden.

Bei z14 ist die Darstellung recht ähnlich, die Unterschiede in der Linienbreite bei Fahrwegen sind etwas stärker und ich verwende eine Strichelung für Wege ohne tracktype – was dem Mapper zeigt, dass hier wichtige Informationen fehlen.

(die selben Stellen im Standardstil: hier, hier und hier)

Bei z15 kommt dann der helle Rahmen hinzu, wie man ihn aus dem Standardstil kennt. Fahrspuren sehen damit genauso aus wie im Standardstil, Radwege sind jetzt jedoch in Purpur gezeichnet und sowohl Rad- als auch Fußwege sind kräftiger und werden deutlicher nach Oberflächen-Material unterschieden – mit langer Strichelung für gepflasterte/asphaltierte Wege, kurzer Strichelung für nicht asphaltierte Wege und abwechselnd langer/kurzer Strichelung für Wege ohne Oberflächen-Information.

(die selben Stellen im Standardstil: hier und hier)

Ich habe auch überlegt, eine dritte Klasse von Wegen zu differenzieren. Der Standardstil hat dies vor einiger Zeit abgeschafft, was zu der etwas merkwürdigen Situation geführt hat, dass highway=path + foot=designated + bicycle=designated in Radweg-Farbe dargestellt wird, highway=path ohne foot/bicycle-Tags jedoch als Fußweg. Aber leider ist die Erfassung in diesem Bereich oft recht inkonsistent so dass eine solche Differenzierung den Nutzen nicht unbedingt verbessert. Die Bedeutung der Farben ist jetzt im Wesentlichen:

  • Purpur: für Radfahrer, üblicherweise auch für Fußgänger geeignet
  • Rot: für Fußgänger, möglicherweise auch für Radfahrer

Bei den höheren Zoomstufen wird dann die Linienbreite der Fuß- und Radwege wie bei den Fahrwegen langsam vergrößert und auch die Strichelung entsprechend verlängert, was die Lesbarkeit weiter verbessern soll.

Die gezeigten Änderungen finden sich hier.

Ich hoffe, dass diese Erläuterungen einen kleinen Einblick darin geben, wie Kartenstil-Entwicklung auf Grundlage systematischer Analyse und Lösung der Probleme funktioniert. Die eigentliche Implementierung der Änderungen ist im Grunde nicht sehr viel Arbeit, aber die Analyse der bestehenden Situation, herauszufinden woran es liegt, dass gewisse Dinge schlecht lesbar sind und die anschließende Justierung der Parameter und die Beobachtung und Analyse, welchen Einfluss diese auf die Lesbarkeit der Karte haben und wie die verschiedenen Farben und Darstellungformen miteinander wechselwirken – und das in unterschiedlichen Gegenden bei unterschiedlichen geographischen Breiten und damit Maßstäben – das ist das, was wirklich Arbeit macht.

Wer sich fragt, was man als Mapper tun kann, um eine besser lesbare Darstellung von Wegen zu fördern:

  • man sollte tracktype und surface erfassen, so weit man davon Kenntnis hat.
  • Nutzungsbeschränkungen, insbesondere foot=* and bicycle=* sind wichtig.
  • auch wenn die derzeit in Karten kaum verwendet wird ist die Erfassung zusätzlicher Informationen, insbesondere width=*, smoothness=* und sac_scale=* für eine bessere Differenzierung in der Zukunft ebenfalls ratsam.

Fahrwege, Fußwege und Radwege sind nicht die einzigen Bereiche, wo im Standardstil gestrichelte Linien verwendet werden und auch anderswo führt dies teils zu Problemen. Dies betrifft insbesondere administrative Grenzen und teilweise trockene Wasserläufe. Es gibt im alternative-colors-Stil auch dafür schon einige Verbesserungen. Vielleicht ein Thema für einen zukünftigen Beitrag.

nz_980

19. Oktober 2017
von chris
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Neuseeland-Mosaik und 3d-Ansichten

Ich möchte hier ein neues Satellitenbild-Mosaik von Neuseeland vorstellen.

Dieses ist produziert auf Grundlage von Sentinel-2-Daten von 2015 bis 2017 und ähnelt in vielerlei Hinsicht meinen zuvor produzierten Zusammenstellungen, insbesondere was den hohen Grad an Wolken-Freiheit, die nahtlose Darstellung des Meeres und die Optimierung auf die Darstellung des Schnee-Minimums und des Vegetations-Maximums angeht.

Neu sind einige deutliche Verbesserungen im Verfahren zur Atmosphären-Korrektur, welche ich hier erstmals für ein größeres Projekt eingesetzt habe. Diese führen zu einer gleichmäßigeren und ausgeglicheneren Farbdarstellung. Und es ist das erste Mal, dass ich die passende Vegetations-Karte in der Sentinel-2-Auflösung von 10m erzeugt habe.

Hier einige Beispielausschnitte, mehr Beispiele findet man auf der Seite des Mosaiks auf services.imagico.de.



Ich hab auch ein paar neue 3D-Ansichten auf Grundlage dieser Bildzusammenstellung produziert, hier zwei davon:


Weitere 3d-Ansichten finden sich im Katalog auf services.imagico.de.

osm-name_980

12. Oktober 2017
von chris
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Den Dingen einen Namen geben – wie man geographische Vielfalt bei Namen abbilden kann

Es hat vor Kurzem ein bisschen Diskussion in OpenStreetMap zum Thema Namen und Beschriftungen gegeben, da einige Leute den Wunsch geäußert haben, die geographisch neutrale Beschriftung im OpenStreetMap-Standardstil abzuschaffen. Eines der Dinge, die die Diskussion mal wieder gezeigt hat ist, dass die Art und Weise, wie in OpenStreetMap Namen erfasst werden, einige grundsätzliche Probleme mit sich bringt und ich möchte dies hier mal kurz erläutern.

Das System der Namens-Erfassung in OpenStreetMap basiert auf der Idee, dass die Elemente in der Datenbank jeweils einen lokalen Namen haben können, das ist der Name, welcher am häufigsten lokal für das Objekt verwendet wird. Zusätzlich gibt es dann noch eine beliebige Zahl von weiteren Namen in verschiedenen Sprachen. Der lokale Name wird im name-Tag erfasst, die übrigen Namen in name:<language>-Tags wo <language> meist der Zwei-Buchstaben-Code der Sprache des Namens ist. Es gibt daneben noch andere Namens-Attribute wie alt_name (ein anderer lokaler Name, welcher auch verwendet wird) oder old_name (ein historischer Name, welcher nicht mehr in aktiver Verwendung ist).

Der OpenStreetMap-Standardstil stellt den Inhalt des name-Tags dar in der Absicht, den lokal verwendeten Namen darzustellen. Das ist eine der charakteristischen und herausragendsten Eigenschaften der Karte und demonstriert deutlich sichtbar die Verwurzelung von OpenStreetMap in lokalem Wissen und die Wertschätzung für die geographische und kulturelle Vielfalt. Dass es natürlich eine Menge Leute gibt, die mehr Wert darauf legen, dass es noch eine weitere Karte gibt (neben den hunderten kommerziellen Karten auf OSM-Basis, die man finden kann), wo sie die Namen alle lesen können, als darauf, dass es zumindest eine einzige Karte gibt, die für jeden lokalen Mapper auf der Welt im jeweiligen lokalen Gebiet lesbar ist, ist selbstverständlich – das ist aber nicht mein Thema hier.

Das Problem damit, den angezeigten Namen aus einem einzelnen Namens-Attribut für den lokalen Namen abzuleiten, liegt darin, dass es den lokalen Mapper oft in einen Konflikt stürzt zwischen dem Wunsch, tatsächlich den lokal dominierenden Namen einzutragen und dem Wusch, eine bestimmte Beschriftung in der Karte sehen zu wollen. Dies kann beeinflusst werden zum Beispiel von dem Wunsch nach einer Beschriftung in einheitlicher Form oder dem Ziel, die Karte besser für Fremde lesbar zu machen. Als Ergebnis dieses Konfliktes enthält das name-Tag oft zusammengesetzte Zeichenketten aus mehreren Namen in verschiedenen Sprachen, insbesondere in Regionen, wo lokal mehrere Sprachen verwendet werden und es eventuell gar keinen einzelnen lokal dominierenden Namen gibt.

Beschriftungen in mehreren Sprachen in Marokko

Beschriftungen in mehreren Sprachen in Korea

Die Lösung für dieses Problem besteht darin, die Illusion aufzugeben, dass es immer einen einzelnen lokalen Namen gibt, der überprüfbar erfasst werden kann. Stattdessen könnte man einfach wie jetzt auch schon die Namen in den verschiedenen Sprachen erfassen und daneben eine Formatierungs-Formel (format string), welche die lokal übliche Form der Namens-Darstellung wiedergibt. Der Schlüssel ist hier die mehrsprachige Erfassung der Namen von der Information über die lokal übliche Namens-Darstellung zu trennen.

Die Formatierungs-Formel müsste man dabei meist gar nicht für jedes einzelne Objekt angeben, denn meist werden ja die verschiedenen Namen in einem Gebiet alle gleich dargestellt. Die einzelnen Elemente würden also zweckmäßigerweise ihre Formatierungs-Formel von der administrativen Einheit, in der sie sich befinden, erben, es sei denn, es ist eine abweichende individuelle Formel erfasst.

Im Fall von Deutschland würde zum Beispiel die Grenzrelation für admin_level 2 (51477) so etwas wie language_format=$de erhalten – und es gäbe im Wesentlichen keine Notwendigkeit, in Deutschland weitere Objekte mit einer Formatierungs-Formel zu versehen – mit Ausnahme vielleicht einiger kleinerer Gebiete mit abweichender Sprache und einigen einzelnen Objekten, die ausschließlich in anderen Sprachen einen Namen haben. Die Schweiz (51701) bekäme language_format=$de/$fr/$it/$rm und für die verschiedenen Kantone gäbe es unterschiedliche Formeln je nach lokal verwendeten Sprachen.

Der Schlüssel-Wert und die Form der Formatierungs-Formel sind hierbei lediglich Beispiele, um die grundsätzliche Idee zu illustrieren – man könnte diese auch anders wählen.

Ich denke, dass dieses Konzept eine Reihe offensichtlicher Vorteile hätte:

  • Die Regeln für die Attribute der Namen in den einzelnen Sprachen sind deutlich klarer und besser definiert, so dass es weniger Raum für Willkür gibt und folglich die Daten verlässlicher für den Datennutzer werden, als wenn man das name-Tag interpretiert.
  • Der Wunsch lokaler Mapper nach einer bestimmten Darstellungsform in der Karte würde sich ausschließlich in der Formatierungs-Formel artikulieren und würde nicht auf die eigentlichen Namens-Daten abfärben.
  • Die Formatierungs-Formel bietet dem Daten-Nutzer eine deutlich größere Flexibilität – man kann sie komplett ignorieren, modifizieren oder durch eine eigene und global einheitliche Formel oder eine komplexere Funktion mit Fallbacks oder Transliteration ersetzen. Oder der Datennutzer kann sich entscheiden, entweder die individuellen Formatierungs-Formeln zu verwenden oder auschließlich jene, welche von den administrativen Einheiten geerbt wurden.
  • Das Problem mit den verschiedenen Schrift-Varianten für die selben Unicode-Zeichen in verschiedenen Sprachen (zum Beispiel bei Chinesisch/Japanisch/Koreanisch) würde ganz nebenbei hierdurch gelöst.
  • Die Namen in den einzelnen Sprachen als Datenquelle für die Beschriftung zu verwenden anstatt eines separat erfassten Beschriftungs-Attributes hat den Vorteil, für diese Namen eine Qualitätskontrolle über die Karte zu ermöglichen – was letztendlich zu weniger Fehlern und Inkonsistenzen in den Namens-Daten führen würde.
  • Man hätte eine einfache Fallback-Lösung für den Übergang: Wenn es entweder keine gültige Formatierungs-Formel gibt oder irgendeine der Sprachen in der Formel nicht verfügbar ist, könnte man auf das klassische name-Tag zurückgreifen.

Aber ich möchte auch die wichtigsten Nachteile dieses Ansatzes erwähnen:

  • Die Datennutzer erhalten keine bereits vom Mapper quasi handgemalte Beschriftung, die sie direkt verwenden können, sondern sie müssen stärker strukturierte Informationen in Form der Namen in verschiedenen Sprachen und der Formatierungs-Formel auswerten.
  • Damit die einzelnen Elemente ihre Formatierungs-Formel von den administrativen Einheiten erben können, muss man die räumlichen Beziehungen ermitteln und das ist zu aufwändig, um es jeweils bei Bedarf ad hoc zu machen. Man bräuchte folglich Unterstützung dafür bei den Daten-Konvertierungs-Werkzeugen, insbesondere denen für die Kartendarstellung (wie osm2pgsql, Imposm). Dies ist nicht trivial, insbesondere wenn man berücksichtigen möchte, dass eine Änderung der Formatierungs-Formel einer administrativen Einheit alle Elemente mit Namen innerhalb dieser Einheit potentiell beeinflusst.

Ein anderer möglicher Kritikpunkt wäre, dass die Formatierungs-Formel nicht überprüfbar ist. Aber es sollte recht offensichtlich sein, dass wenn das derzeitige name-Tag diese Anforderung erfüllt, dieses auch für die Formatierungs-Formel gilt, welche ja nur das selbe in abstrakter Form beschreibt.

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5. Oktober 2017
von chris
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Herbstfarben 2017

Es ist Herbst und das Laub beginnt sich zu verfärben – hier dazu passend ein paar Eindrücke vom Herbst im hohen Norden aus der Satelliten-Perspektive.

Das erste Bild zeigt den Yukon River an der Grenze zwischen Alaska und Yukon:

Hier zwei vergrößerte Ausschnitte daraus:

Das zweite Bild zeigt den südlichen Teil des Werchojansker Gebirge in Sibirien um den Tompo mit frischem Schnee in den Bergen. Die Gegend ist übrigens auch in meinem Herbstfarben-Mosaik vom letzten Jahr enthalten.

Auch hier zwei vergrößerte Ausschnitte:

Diese beiden Bilder sind auf Grundlage von Sentinel-2-Daten produziert. Das nächste Bild zeigt eine spät-herbstliche Ansicht vom Westen Spitzbergens um den Isfjord, aufgenommen von Landsat 8. Trotz der nördlichen Lage hält sich das warme Wetter dort teils noch bis recht spät in den Herbst so dass der Mitte September schon gefallene Schnee in dieser Ansicht vom 2. Oktober schon wieder fast weg getaut ist.

Und zum Abschluss eine großräumigere Ansicht vom Nordwesten Kanadas auf Basis von Sentinel-3-OLCI-Daten:

Die ersten drei Ansichten mit höherer Auflösung sind jetzt im Katalog auf services.imagico.de verfügbar: Alaska/Yukon, Sibirien und Spitzbergen.