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OpenStreetMap-Carto – an update on the project

20. Mai 2022
von chris
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OpenStreetMap-Carto – Ein Update zum Projekt

Es ist jetzt mehr als viereinhalb Jahre her, dass ich ausführlicher über OpenStreetMap-Carto geschrieben habe, den Kartenstil, welcher hinter der Karte auf openstreetmap.org steht und in vielerlei Hinsicht das öffentliche Bild von OpenStreetMap prägt.

Ich habe jetzt einige neue Betrachtungen zu dem Projekt geschrieben, welche man auf Englisch lesen kann.

30. März 2022
von chris
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Gruppen-Kommunikationskanäle im OSM-Umfeld – ein erneuter Blick

Die OpenStreetMap-Foundation hat ihre neue Web-basierte Kommunikations-Plattform vorgestellt – was lange erwartet worden ist und was ich bereits in meinem jährlichen Bericht über die OSMF erwähnt hatte.

Ich nutze diese Gelegenheit als Anlass, meine vorherigen Einschätzungen zu den Kanälen zur Gruppen-Kommunikation in OpenStreetMap zu aktualisieren – mit einigen subjektiven Eindrücken und Kommentaren im Anschluss – zu lesen auf Englisch.

25. März 2022
von chris
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Das „Comprehensive Optical Mosaic of the Antarctic“ (COMA)

Ich freue mich, hier mein neustes Satellitenbild-Produkt vorzustellen – das „Comprehensive Optical Mosaic of the Antarctic“ (COMA).

The Comprehensive Optical Mosaic of the Antarctic (COMA)

The Comprehensive Optical Mosaic of the Antarctic (COMA) – die größere Darstellung zeigt die Version mit Überblendung zur Ozean-Darstellung auf Grundlage der Green Marble 2.1 (Sentinel-3-Daten)

Das COMA ist Ergebnis einer Evolution der Techniken zur Produktion von Satellitenbild-Zusammenstellungen, welche ich seit mehr als einem Jahrzehnt entwickle und verbessere. Ich habe über die Jahre verschiedene Bilder im Auflösungs-Bereich zwischen 10m und 15m veröffentlicht und viele davon bieten nach wie vor die beste Qualität von Bildern, die für die jeweilige Region verfügbar ist. Für dieses Bild habe ich insbesondere die Skalierbarkeit des gesamten Prozesses verbessert, um eine größere Zahl von Bildern zusammenstellen und ein größeres kontinuierliches Gesamtbild produzieren zu können.

Ich habe das Attribut comprehensive gewählt, um zu verdeutlichen, dass das Bild nicht nur alle Landflächen und permanentes Eis in der Antarktis darstellt, sondern auch einen großen Teil aller jüngeren als offene Daten verfügbaren Bilder verwendet, um eine einheitliche und qualitativ hochwertige Abdeckung des Inneren der Antarktis zu bieten. Die meisten Bilder der Antarktis, die man in Kartendiensten und anderswo heute sehen kann, basieren nach wie vor auf dem mehr als 20 Jahre alten LIMA, welches aufgrund der Einschränkungen der Landsat-7-Daten (auf welchen das LIMA basiert), aufgrund des geringen Volumens an Ausgangsdaten und durch den verwendeten Zusammenstellungs-Prozess nicht wirklich für qualitativ hochwertige Visualisierungen geeignet ist. Einige Nutzer des Bildes haben es lokal mit neueren Bildern ergänzt, was jedoch üblicherweise zu farblichen Inkonsistenzen führt.

Antarktische Halbinsel

Antarktische Halbinsel

Koettlitz Glacier und Royal Society Range

Koettlitz Glacier und Royal Society Range

Das COMA ist das erste komplett neue Mosaik in sichtbaren Farben und vom gesamten Kontinent, welches nach dem LIMA produziert wurde und ist in jeder Hinsicht qualitativ ein großer Fortschritt. Es basiert hauptsächlich auf Landsat-8-Daten, ergänzt durch ASTER und MODIS-Bilder. Und im Grunde ist es erst jetzt, 8 Jahre nach dem Start von Landsat 8, wirklich möglich, durch eine ausreichende Menge von Daten ein Mosaik des gesamten Kontinents einheitlich in dieser Qualität zu produzieren.

Ich möchte insbesondere betonen, dass das Bild den selben hohen Qualitätsmaßstäben hinsichtlich der Wolkenfreiheit genügt wie meine anderen Zusammenstellungen in dieser Auflösungs-Klasse, welche – konservativ geschätzt – weniger als einen in 10k bis einen in 100k Pixeln aufweisen, die erheblich von Wolken beeinträchtigt sind. Dies ist viel besser als beim LIMA und allen anderen Bildern aus der Antarktis, welche derzeit verfügbar sind. Die Antarktis ist zwar keine besonders wolkenreiche Region, jedoch ist sie in dieser Hinsicht dennoch ziemlich schwierig aufgrund der Art der Wolken und weil Wolken über Schnee ganz allgemein notorisch schwierig zu erkennen sind.

Snow drift and thin clouds on the polar plateau in a strongly contrast emphasized depiction

Vom Wind verwehter Schnee und dünne Wolken auf dem polaren Plateau in einer stark kontrastverstärkten Darstellung – aus Original-Daten, nicht im Mosaik

Es ist außerdem erwähnenswert, dass Wolken nicht das einzige vorübergehende atmosphärische Phänomen sind, welches in der Antarktis die Qualität von Satellitenbildern beeinträchtigt. Vom Wind aufgewirbelter und verwehter Schnee ist auch ein verbreitetes Problem. Man kann im Grunde sagen, dass auf dem polaren Plateau der Antarktis die Grenze zwischen Atmosphäre und Erdoberfläche etwas verschwimmt und dies macht die Aufnahme eines konsistenten Bildes der Oberfläche zu einer Herausforderung. Bei der Produktion des COMA wurde deshalb besonderes Augenmerk auf die Analyse der Bilder gelegt, um sicher zu stellen, dass bevorzugt Bilder verwendet werden, welche eine klare Sicht auf die Oberfläche frei von Wolken und verwehtem Schnee bieten.

Feine Strukturen auf dem Eis, sichtbar nach Verstärkung der Kontraste

Feine Strukturen auf dem Eis, sichtbar nach Verstärkung der Kontraste

Einige wundern sich vielleicht, weshalb ich in diesem Mosaik keine Sentinel-2-Daten verwendet habe. Der Grund dafür besteht darin, dass die Sentinel-2-Abdeckung der Antarktis räumlich sehr unvollständig ist und auch dort, wo Bilder aufgenommen werden, erfolgt die Aufnahme fast überall recht sporadisch. Bei der Verwendung dieser recht begrenzten Daten stünde man zwangsläufig oft vor der Frage, zwischen Sentinel-2-Daten (aufgrund der geringfügig höheren Auflösung) und Landsat-Daten (für die bessere Qualität und einen neueren Datenstand) zu wählen.

Sie können auf services.imagico.de einen Blick auf die detaillierte Produkt-Beschreibung und die Beispiel-Bilder werfen. Diejenigen, die Interesse an einer Verwendung des Mosaiks haben, können mich gerne für Details dazu kontaktieren.

Das Sør Rondane Gebirge

Das Sør Rondane Gebirge

Denman Glacier, Darstellung mit hohem Kontrast

Denman Glacier, Darstellung mit hohem Kontrast

James Ross Island und Prince Gustav Channel

James Ross Island und Prince Gustav Channel, lokal kontrastverstärkte Darstellung

12. März 2022
von chris
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FOSSGIS 2022 – ein paar Notizen

Diese Woche hat die FOSSGIS-Konferenz 2022 stattgefunden und ich möchte – diesmal wirklich sehr kompakt – ein paar Eindrücke teilen.

Zunächst einmal hat die Konferenz erneut rein virtuell stattgefunden, obwohl dies eigentlich anders geplant war. Schade finde ich daran vor allem, dass auch nach zwei Jahren Pandemie das Gros der Besucher und Organisatoren relativ klar erkennbar weiter mit dem virtuellen Format fremdeln und so schnell wie möglich zurück zur Präsenz-Veranstaltung wollen. So nachvollziehbar das auch sein mag, sehe ich hierin eine enorme verpasste Chance, ernsthaft die Idee virtuelle Konferenz mit ihren Vorteilen an Inklusivität und Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln. Der FOSSGIS steht da natürlich nicht alleine da. Schade ist es trotzdem.

Wie auch in den vergangenen Jahren fand ich mit das Wertvollste an der Konferenz die Chance, Einblick in die Sicht- und Arbeitsweisen von Leuten und Organisationen zu bekommen, die mir ansonsten eher fremd sind. Die Themenfelder Institutionelle Geodaten-Verarbeitung und professionelle Software-Entwicklung sind Bereiche, mit denen ich zwar bei meiner Arbeit immer wieder in Berührung komme, jedoch ohne tiefere Einblicke. Vor diesem Hintergrund finde ich es immer wieder erhellend, In Vorträgen und Diskussionen zumindest punktuell solche Einblicke zu bekommen.

Schade ist, dass der Austausch zwischen den Arbeits-Kulturen meist jedoch oberflächlich bleibt. Insbesondere da Freie Software und Offene Daten ja eigentlich einen wichtigen Nutzen darin haben, Barrieren zu überwinden und breiteren Kreisen einen Zugang zu Daten und Methoden zu ermöglichen und vor allem auch dadurch einen gesellschaftlichen Mehrwert produzieren. In der Podiums-Diskussion zum Abschluss, an der ich teilgenommen habe, habe ich versucht, dieses Thema ein bisschen einzubringen. Aber auch diese ist am Ende eher oberflächlich geblieben. Aber vielleicht sind meine Ansprüche da auch etwas hoch – kulturelle Veränderungen sind schließlich meist ein recht langsamer Prozess.

Auf dem OSM-Samstag habe ich spontan auf Nachfrage eine Diskussionsrunde zu TagDoc veranstaltet. Eigentlich hatte ich nicht vor, das auf der FOSSGIS zu thematisieren, da ich das gerade erst vor ein paar Tagen vorgestellt hatte. Es gab viele interessante Anmerkungen und Anregungen und erfreulich viel positives Feedback. Das Format mit einer Stunde Dauer bietet, wenn man sich als Leiter einer solchen Session bei der Einleitung begrenzt, deutlich mehr Raum für Diskussionen.

Womit ich mich bei solchen Veranstaltungen immer schwer tue ist die Frage, ob und wie sehr ich mich in Frage-Runden und Diskussionen einbringen soll. Insbesondere, wenn meine Sichtweise auf ein Thema sich deutlich von der vorherrschenden Perspektive unterscheidet. Mit anderen Worten: Wenn ich in der umgekehrten Situation zu der oben geschilderten bin, also nicht ich interessante Einblicke in die Arbeits- und Sichtweise anderer aufnehme, sondern ich andere Perspektiven auf ein Thema habe, die für Vortragende/Diskussionsveranstalter interessant sein könnten und eine Anregung, mal über den Tellerrand zu blicken. Ich hab da verschiedene Ansätze:

  • Einfach sozusagen mit der Tür ins Haus fallen – das führt oft zu einer Abwehrhaltung nach dem Motto Was will der denn jetzt, hat doch gar nichts mit dem Thema zu tun.
  • Sich auf einen kurzen Text-Kommentar beschränken, in dem man eine Idee anreißt und dann schaut, ob das aufgegriffen wird. Manchmal funktioniert das, oft fällt das aber hinten runter. Gerade wenn andere Fragen aus der jeweiligen Filterblase die Diskussion füllen.
  • Eine (rhetorische) Frage stellen, die auf ein Diskussionsthema hindeutet. Das kann funktionieren, wird aber gelegentlich auch als passiv-aggressiv wahrgenommen.

Wenn Ihr andere Ideen habt, wie man als Außenseiter in Diskussionen auf einer solchen Veranstaltung erfolgreich Fragen und Kommentare mit dem Ziel einer Horizont-Erweiterung einbringen kann, ohne dass das eher kontraproduktiv wirkt, lasst es mich wissen.

Mein Idealbild einer virtuellen Konferenz bleibt die Idee einer zeitlich entzerrten Veranstaltung, wo die vor-aufgezeichneten Vorträge über einen längeren Zeitraum den Besuchern zum Anschauen zur Verfügung stehen um dann in einer live-Veranstaltung mit den Vortragenden diskutiert zu werden und der/die Vortragende anschließend im Nachgang noch die Gelegenheit hat, wiederum asynchron auf die Diskussion einzugehen und sie zu reflektieren.

2. Januar 2022
von chris
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Die Eruption auf La Palma – davor und danach

Die vulkanischer Eruption, welche seit September 2021 die Insel La Palma deutlich umgestaltet hat, scheint in den letzten Tagen des letzten Jahres zu einem Ende gekommen zu sein. Hier ist ein vorher-nachher-Vergleich auf Grundlage von Sentinel-2-Daten mit einem Bild vom 29. Dezember 2021 im Vergleich zu einem Bild vom Januar – also ungefähr ein Jahr zuvor und mit ähnlichen Beleuchtungsbedingungen und jahreszeitlichem Erscheinungsbild.


La Palma 2021 (In groß: vorher/nachher)

Abgesehen von dem Gebiet, welches direkt vom Lavastrom beeinflusst wurde, kann man auch die Farbveränderungen über ein größeres Gebiet erkennen, welche vor Allem von vulkanischer Asche verursacht wurden. Insbesondere gut erkennbar ist, dass große Teile des Kiefernwaldes in den Bergen um die Eruption ihre Farbe von Grün zu Gelb geändert haben.


La Palma 2021 Detail (In groß: vorher/nachher)

Hier als Bezugspunkt ein Bild vom Boden aus, welches ich 2011 in der Gegend direkt oberhalb der neuen Eruption aufgenommen habe.

La Palma 2011

Der Boden auf diesem Bild ist mit vulkanischer Asche von ähnlicher Farbe und Struktur bedeckt, wie sie von der neuen Eruption über erhebliche Bereiche in der Gegend verteilt wurde. Dies könnte also ein bisschen darauf hindeuten, wie sich solche Gebiete über die nächsten Jahrzehnte entwickeln könnten.

24. Dezember 2021
von chris
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Schnee im Westen Nordamerikas

Umfangreicher Schneefall ist im Winter recht weit verbreitet auf den Plateaus im Westen Nordamerikas. Das Weiß des Schnees bildet mit den rötlichen Farben der Felsen in dieser Region und dem Grau-grün der winterlichen Nadelwälder eine bemerkenswerte Farbkombination, wie man sie in dem folgenden Sentinel-2-Bild von Mitte Dezember diesen Jahres beobachten kann.

Schnee im Westen Nordamerikas

Das gezeigte Gebiet erstreckt sich vom südwesten Utahs zum nördlichen Arizona und enthält drei recht bekannte Nationalparks der Region, welche ich in den folgenden Ausschnitten detaillierter zeige.

Zion Canyon

Zion Canyon

Bryce Canyon

Bryce Canyon

Grand Canyon

Grand Canyon

20. Dezember 2021
von chris
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Warum es für die OpenStreetMap-Community essentiell ist, aktiv und innovativ Kartengestaltung zu betreiben

Dies ist ein bisschen eine Vorbemerkung zum allgemeinem Thema der Kartengestaltung für OpenStreetMap-basierte Karten vor dem Hintergrund einer weiteren Diskussion konkreterer Kartengestaltungs-Themen, welche im folgenden Beitrag geplant ist. Wie in verschiedenen früheren Beiträgen werde ich dort etwas zu neuen Ideen und kartographischen Techniken schreiben zur Darstellung der Informationen, welche Mapper in OpenStreetMap erfassen, in einer reichhaltigen – jedoch hoffentlich auch intuitiv lesbaren – Karte, geeignet für eine große Bandbreite von geographischen Umgebungen. Leider bin ich jedoch recht allein darin, öffentlich über diese Thema im Zusammenhang mit automatisch regelbasiert berechneten interaktiven Karten auf OpenStreetMap-Basis für die globale Anwendung zu schreiben. Selbst außerhalb der OpenStreetMap-Welt ist eine vertiefende Diskussion über regelbasierte Kartographie selten und das meiste, was zu dem weiteren Themengebiet geschrieben wird, konzentriert sich auf rein technische Aspekte wie die Verbesserung der Berechnungs-Effizienz.

Man erhält ein bisschen einen Eindruck davon, wie schädlich der Mangel an Innovation im Bereich Kartengestaltung in der OpenStreetMap-Community für das Projekt und sein Bild in der Öffentlichkeit ist, wenn man sich einen kürzlich in Cartographic Perspectives veröffentlichten Artikel anschaut. Kurz zusammengefasst scheitert der Artikel daran, dass er OpenStreetMap mit den mittelmäßigen Versuchen eines kommerziellen Kartendienst-Betreibers, OpenStreetMap-basierte Karten ohne jegliche Ambition hinsichtlich Qualität und Informations-Gehalt mit maximaler Kosten-Effizienz anzubieten, gleichsetzt. Das dies zunächst erst einmal ein Versagen des Peer Reviews bei dem Artikel ist, ist offensichtlich. Das ist jedoch nicht mein Thema hier. Was dies jedoch auch illustriert ist, dass der weit überwiegende Anteil OSM-basierter Karten weder Ambition noch Fähigkeiten zeigt, ein Ergebnis anzustreben, welches qualitativ besser ist als die Produkte von Google, Bing usw. hinsichtlich Innovation und Qualität der Darstellung. Grob geschätzt 80 Prozent der Karten auf OSM-Basis sind einfache, durchschnittliche Stile, welche die grundlegende Darstellung von Straßen, Gebäuden, statischen Punktsymbolen und Beschriftungen kombinieren, gelegentlich ergänzt durch eine rein dekorative Landbedeckungs-Darstellung. Die übrigen 20 Prozent sind Spezialkarten mit sehr engen Anwendungsfeldern – gelegentlich mit durchaus innovativen Gestaltungs-Ansetzen, jedoch jeweils auf einem sehr engem thematischen Feld. Mit diesem Hintergrund ist es durchaus verständlich wenn konservative Kartographen, welche mit OpenStreetMap wenig vertraut sind, davon ausgehen, dass OpenStreetMap von den Daten her im Wesentlichen genau dem entspricht, was die schlechten Google-Maps-Imitationen kommerzieller Kartenanbieter auf Grundlage von OSM-Daten anbieten.

Wenn die OpenStreetMap-Community was die Produktion einer kartographischen Datensammlung angeht Avantgarde bleiben möchte und die Zukunft in diesem Bereich aktiv mitgestalten möchte, anstatt einfach mit dem Strom zu schwimmen und ein reiner Auftrags-Datenproduzent für die Bedürfnisse von Daten-Nutzern mit tiefen Taschen zu werden, dann muss sie auch in der Lage sein, die Kartengestaltung zur Darstellung und Präsentation der Daten, die die Community erfasst, aktiv zu formen. Die wenigen Versuche, die es in der OSM-Community in diese Richtung noch gibt, sind zusätzlich durch die verfügbaren Werkzeuge zur Gestaltung und zum Rendering von automatisch-regelbasierter Kartographie eingeschränkt – Werkzeuge, welche jetzt seit vielen Jahren fast ausschließlich auf die Anforderungen und Bedürfnisse der zuvor erwähnten kommerzieller Kartendienst-Anbieter ausgerichtet werden. Die Herausforderung für die OSM-Community ist also zweiseitig – zum einen besteht die Notwendigkeit, innovative Kartengestaltung aus der Community heraus und inspiriert von den Werten des Projektes anstatt von kurzfristigen externen wirtschaftlichen Interessen zu fördern und wertzuschätzen, zum anderen besteht ein dringender Bedarf an der Entwicklung und der Unterstützung der für diese Arbeit benötigten Software.

Wenn ich mir Kommentare und Beiträge auf dem OSM-Carto Issue-Tracker und Diskussionen zum Thema Karten-Darstellung anderswo in der OSM-Community anschaue, bin ich vielfach ziemlich entsetzt darüber, wie wenig Ambition und wie wenig tieferes Interesse an dem Thema dort kommuniziert wird. Um es etwas überspitzt auszudrücken – die Einstellung der meisten Mitglieder der OSM-Community lässt sich auf zwei Arten zusammenfassen: (a) Die Ansicht, dass Karten auf Grundlage von OSM-Daten einfach irgendwo entstehen und sich quasi selbst entwickeln auf Grundlage von Bedarf und Gelegenheiten, ohne dass dafür spezielle Talente, Erfahrungen oder Bildung erforderlich wären oder (b) dass Kartenstil-Entwicklung im Grunde nichts anderes ist als gelegentlich Unterstützung für ein neues Tag hinzuzufügen, mit einer Linien-Signatur oder Flächenfüllung in einer zufällig ausgewählten neuen Farbe oder mit noch einem weiteren neuen statischen Punktsymbol-Typ unter Verwendung eines Symbols, welches mehr oder weniger im Zusammenhang mit dem jeweiligen Tag steht.

Dies muss sich ändern – in erheblichem Umfang und ziemlich dringend, Ich hab darauf in verschiedener Form schon seit langem immer mal wieder hingewiesen und ich tue dies hier erneut und mit Nachdruck. Was ich hier verschiedentlich in meinen Blog-Einträgen zur OSM-Karten-Gestaltung diskutiere, ist nur einer von vielen möglichen Ansätzen zur Innovation in der Gestaltung von Karten auf OSM-Basis. Alle diese Ansätze und Versuche verdienen mehr und mehr ambitioniertes Interesse und mehr Unterstützung aus der OSM-Community.

Und auch wenn dieser Beitrag vielleicht in einigen Teilen einen anderen Eindruck erweckt – es geht mir hier nicht um Schuldzuweisungen oder darum, wer für die Entwicklungen in der Vergangenheit verantwortlich ist. Wichtig ist die Erkenntnis, dass es hier Handlungsbedarf gibt und dass eigene innovative Kartenentwicklung in der OSM-Community, die sich nicht einfach nur an Arbeiten Dritter außerhalb des Projektes anhängt, sondern in der Lage und willens ist, eigene gestalterische Schwerpunkte zu setzen, für den langfristigen Erfolg von OpenStreetMap essentiell ist. Und dass die technischen Grundlagen hierfür in Form von Software, welche derartige innovative Kartengestaltung ermöglicht und flexibel unterstützt, gleichermaßen aus dem Projekt heraus entwickelt und gestaltet werden müssen und ebenso wenig einfach an externe Projekte angehängt werden können, welche völlig andere wirtschaftliche Ziele verfolgen.

Falls dies nicht geschieht, würde OpenStreetMap recht schnell in Schwierigkeiten geraten und an Bedeutung verlieren. Die Idee, dass OpenStreetMap in Bezug auf Metriken, wie sie der verlinkte Artikel in Cartographic Perspectives verwendet, mit proprietären kartographischen Datenquellen konkurrieren könnte, ist unrealistisch. Diese werden nämlich auf Grundlage von Maschinen-generierten Daten für eine Maschinen-generierte Darstellung massiv expandieren und OpenStreetMap wird in diesem Bereich niemals mithalten können. Worin OpenStreetMap gut ist und wo die proprietäre Konkurrenz keine Chance hat das ist die Produktion von Karten auf Grundlage von lokalem Wissen, durch Menschen und für Menschen – und zwar sowohl bei der Daten-Erfassung als auch bei der eigentlichen Karten-Gestaltung und Produktion.

14. Dezember 2021
von chris
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Antarktischer Frühling 2021

Die Satellitenbild-Beobachtungs-Saison in der Antarktis hat bereits vor ein paar Monaten begonnen. Hier sind – etwas verspätet – zwei Eindrücke vom Beginn des Antarktischen Sommers 2021/2022. Das erste Bild ist eine seltene Sonnenaufgangs-Aufnahme vom McMurdo-Sund, aufgenommen von Landsat 8 im September diesen Jahres – etwas ähnlich dem Sonnenaufgangs-Bild von der antarktischen Halbinsel, welches ich 2015 gezeigt habe.

Antarktischer Sonnenaufgang 2021

Antarktischer Sonnenaufgang 2021

Die genaue Beleuchtung hängt bei dieser Art von Bild stark von den jeweiligen Atmophären-Bedingungen ab, was solche Bilder von einer fotografischen Perspektive sehr interessant und individuell einzigartig macht, gleichzeitig jedoch ihren Nutzen für klassische Satellitenbild-Interpretation stark einschränkt.

Das zweite Bild ist ein Mosaik der selben Region, jedoch mit größerem Ausschnitt, zusammengesetzt aus mehreren Sentinel-2-Aufnahmen. Diese stammen von etwa einem Moant später als beim ersten Bild und sind damit bei konventionelleren Beleuchtungs-Bedingungen aufgenommen – jedoch immer noch mit recht niedrigem Sonnenstand und dadurch langen Schatten.

Antarktischer Frühling 2021

Antarktischer Frühling 2021

An der Küste kann man sehen, dass der McMurdo-Sund noch weitgehend mit Küsteneis bedeckt ist und das Ross-Meer auch größtenteils eisbedeckt ist. Im Landesinneren hängen die Bedingungen weniger von der Jahreszeit ab – die Schneebedeckung hängt eher mit dem lokalen Schneefall und den Wind-Bedingungen zusammen als mit sommerlicher Schneeschmelze. Dies gilt nicht nur für die McMurdo-Trockentäler, sondern auch für erhebliche Bereiche im transantarktischen Gebirge weiter südlich, welche im wesentlichen ganzjährig schneefrei sind, weil dort nicht viel Schnee fällt. Gletscher erscheinen in solchen Bereichen durch das schneefreie Eis blau auf den Bildern.

Beide Bilder finden sich im Katalog auf services.imagico.de zur Lizenzierung.