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15. April 2021
von chris
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Über Kommunikationskanäle für Gruppen

Was ich hier ein bisschen diskutieren möchte sind die verschiedenen Kanäle und Plattformen der Kommunikation in Gruppen (d.h. Kommunikation zwischen mehr als zwei Leuten) im Kontext von sozialen Projekten wie OpenStreetMap. Seit vielen Jahren tauchen auf OSM-Kommunikationskanälen immer mal wieder Leute auf, die ihre Unzufriedenheit entweder über den spezifischen Kommunikationskanal oder mit der Kommunikation in der OSM-Community im Allgemeinen ausdrücken – oft in Verbindung mit dem Vorschlag, dass doch bitte alle wechseln mögen zu [man ergänze hier seine bevorzugte momentan gerade gehypte Plattform]. Ich möchte hier meine persönlichen Kriterien dafür erläutern, was in meinen Augen einen Kommunikationskanal oder eine Plattform für eine produktive, konstruktive und inklusive Gruppen-Kommunikation im Kontext eines globalen, multikulturellen sozialen Projektes wie OpenStreetMap qualifiziert.

Ein paar Vorbemerkungen: Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass es in dieser Analyse nur um Gruppen-Kommunikation im Sinne von Symmetrischer Kommunikation zwischen mehr als zwei Personen auf Augenhöhe geht. Für eins-zu-eins-Kommunikation oder Asymmetrische Kommunikation (Eine-zu-Vielen ohne symmetrischen Rück-Kanal) gelten andere Kriterien. Zum zweiten: eine vielfältige globale Gemeinschaft wie OpenStreetMap braucht vielfältige Kommunikationskanäle. Alle Kommunikation auf wenigen Kanälen und Plattformen zu konzentrieren wäre für sich genommen schon ein Problem. OpenStreetMap kann nur dann nachhaltig funktionieren, wenn es nicht von einem zentralen Kommunikationskanal abhängt, den alle nutzen, Die Kernidee von OpenStreetMap ist es schließlich, dass die gemeinsam bearbeitete Datenbank das Element ist, welches das Projekt sozial zusammenhält und dies durch andere Mittel zu ersetzen würde das Projekt fundamental schwächen.

Die Kriterien

  1. Asynchrone Kommunikation: In einer globalen, mehrsprachigen Gemeinschaft wie OSM gibt es unvermeidbar große Unterschiede darin, wie flüssig Leute in der jeweiligen Sprache eines Kommunikationskanals kommunizieren können. Asynchrone Kommunikation (das ist Kommunikation, bei der es keine Erwartung, keine technische Notwendigkeit und keinen sozialen Druck gibt hinsichtlich der unmittelbaren zeitlichen Nähe zwischen einer Nachricht und einer Antwort darauf) kann enorm helfen, in dieser Hinsicht faire Bedingungen zu schaffen. Ganz zu schweigen von unterschiedlichen Zeitzonen. Asynchrone Kommunikation hilft auch Leuten mit nur sporadischem Internet-Zugang.
  2. Textbasierte Kommunikation: Aus ähnlichen Gründen ist textbasierte Kommunikation gegenüber Audio- und Video-Kommunikation von Vorteil. Gruppen-Kommunikation auf Audio- und Video-Basis ist natürlich auch fast immer synchron. Zusätzlich reduziert textbasierte Kommunikation den Bandbreitenbedarf für die Teilnehmer, erleichtert massiv jegliche Art der Filterung und insbesondere senkt sie die Hürde für die Teilnahme an der Kommunikation, denn sie gibt Teilnehmern eine bessere Kontrolle darüber, was sie in der Kommunikation von sich preisgeben und über die Offenlegung privater Informationen.
  3. Strukturierte Kommunikation: Ein ziemlich essentieller Aspekt der Kommunikation in Gruppen mit einer größeren Anzahl von Teilnehmern ist die Transparenz darüber, wer in der Kommunikation auf wen antwortet. Der klassische Weg, das zu visualisieren, ist in einer Baumstruktur. Meinungen dazu gehen stark auseinander – einige verachten die verzweigte Darstellung von Kommunikation während andere der Meinung sind, dass dies notwendig ist für eine funktionierende Kommunikation in größeren Gruppen. Dies hat viel damit zu tun, wie Leute in der digitalen Kommunikation sozialisiert wurden. Diejenigen, die beim Einstieg in die digitale Kommunikation nicht mit dem Konzept der verzweigten Kommunikations-Darstellung konfrontiert wurden, entwickeln oft eine Abneigung dagegen. Und mit der weiten Verbreitung von Werkzeugen und Plattformen zur email-Kommunikation (Microsoft, Google), welche standardmäßig die Verzweigung in der Kommunikation nicht sichtbar machen, im letzten Jahrzehnt und darüber hinaus betrifft dies eine recht große Anzahl von Leuten. Es ist jedoch recht eindeutig, dass wenn eine große Anzahl von Leuten sich aktiv auf einem Kommunikationskanal beteiligen, ohne dass die Kommunikation in Zweige strukturiert wird, sich die Kommunikation mehr und mehr in eine synchrone Kommunikation wandelt, da asynchrone Antworten auf ältere Kommunikation von den sehr aktiven Teilnehmern als störend wahrgenommen wird. Und eine solche Entwicklung bringt dann die Probleme mit sich, die ich oben im Zusammenhang mit asynchroner Kommunikation erwähnt habe.
  4. Verfügbarkeit eines verlinkbaren, unveränderlichen und dauerhaften öffentlichen Archivs der Kommunikation: Dies ist einer der wichtigsten Punkte. Damit Gruppen-Kommunikation praktisch für eine größere Gemeinschaft Bedeutung entfaltet, ist es absolut essentiell, dass man auf vergangene Kommunikation in einer für Alle nachvollziehbaren Art und Weise Bezug nehmen kann und dass man Erinnerungs-Unterschiede zum genauen Inhalt vergangener Kommunikation transparent auflösen kann. Dies geht am einfachsten durch ein vollständiges, verlässliches, nicht manipulierbares, durchsuchbares und verlinkbares Archiv der gesamten historischen Kommunikation auf dem jeweiligen Kanal.
  5. Offene Plattformen und Kommunikations-Protokolle: Für eine langfristige Verfügbarkeit und um die Abhängigkeit von Anbietern proprietärer Technologien zu vermeiden. Dies bedeutet insbesondere, dass die technischen Schnittstellen, über welche die Kommunikation stattfindet, dokumentiert sind und diese sowohl rechtlich als auch technisch offen dafür sind, von allen ohne Bindung an eine bestimmte Software genutzt zu werden.
  6. Praktische Vielfalt in Kommunikations-Werkzeugen und Schnittstellen: Verbunden mit dem vorherigen Punkt. Es ist von großem Vorteil, wenn nicht nur die Kommunikations-Protokolle im Prinzip offen sind, sondern auch praktisch verschiedene Programme und Schnittstellen existieren, aus denen der Nutzer nach eigenen Bedürfnissen und Wünschen auswählen kann. Außer für persönliche Vorlieben und Bequemlichkeit ist dies auch eine Frage der Zugänglichkeit, insbesondere auch für Menschen mit Behinderungen.
  7. Praktisch nutzbare Wege zur flexiblen und robusten Filterung der Kommunikation durch den einzelnen Nutzer: Dies steht eng in Verbindung mit den vorherigen zwei Punkten. Falls die Kommunikationsprotokolle offen sind und eine Auswahl an Programmen existieren, diese zu nutzen, besteht eines der wichtigsten Distintionsmerkmale solcher Programme meist in den Filter-Möglichkeiten für die Kommunikation. Dies ist auf zwei Ebene von Bedeutung. Zum einen erlaubt es den Kommunikationsteilnehmern, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die Ihnen wichtig sind und die für sie von Interesse sind, und nicht auf das was andere für wichtig erachten. Zum anderen hat dies auch einen enorm zivilisierenden Einfluss auf die Teilnehmer auf einem Kommunikationskanal. Wenn jeder weiß, dass alle anderen auf dem Kanal die Möglichkeit haben, sich zu entscheiden, die eigene Kommunikation zu ignorieren, neigen die meisten dazu, gewissenhafter abzuwägen, was sie schreiben und berücksichtigen dabei mehr, ob das was sie schreiben von anderen als wertvoll erachtet wird. Um es ganz platt auszudrücken: Man unterschätze niemals den befriedenden Einfluss eines Killfiles.
  8. Der Kanal ist offen für alle und man benötigt weder eine explizite Einladung noch existieren andere Hürden oder Abschreckungen zur Teilnahme. Wie zum Beispiel die Anforderung, Verhaltensregeln zustimmen zu müssen, die von anderen aufgestellt wurden als von denen, die den Kommunikationskanal selbst aktiv nutzen. Dies ist wiederum essentiell für eine Vielfalt in der Beteiligung an der Kommunikation. Für viele ist die psychologische Barriere, an einer offenen Gruppen-Kommunikation aktiv teilzunehmen, recht hoch Es ist deshalb wichtig, hier nicht noch zusätzliche Hürden aufzubauen. Natürlich nehmen sich am Ende fast alle, auch nicht kommerzielle Betreiber von Kommunikationsplattformen das Recht heraus, letztendlich den Zugang zu ihrer Infrastruktur zu kontrollieren, falls sie dies als notwendig erachten. Entscheidend ist, ob dies praktisch tatsächlich stattfindet, oder ob es lediglich eine prinzipielle Möglichkeit ist.
  9. Dezentralisierte Protokolle. Dies ist die ideale Lösung für den vorherigen Punkt, praktisch arbeiten jedoch nur sehr wenige Gruppen-Kommunikationskanäle vollständig dezentral. Historisch was Usenet das Musterbeispiel für dezentrale Gruppen-Kommunikation und seit dessen Niedergang hat es bis jetzt niemals mehr einen dezentralen Ansatz hierfür gegeben, der vergleichbare Bedeutung erreicht hat.

Und wie sehen die verschiedenen Kanäle im Vergleich aus?

Hier ist eine Abschätzung, wie die verschiedenen Kommunikationskanäle, welche in der OSM-Community verbreitet genutzt werden, sich in Bezug auf die diskutierten Kriterien schlagen. Ich habe Usenet/NNTP da einbezogen auch wenn dies weder in der OSM-Community noch außerhalb noch nennenswerte Bedeutung hat, da es von erheblicher Bedeutung für die Entwicklung digitaler Gruppen-Kommunikationskultur im Internet ist. Und wie man sehen kann liegt dieses auch in Bezug auf meine Kriterien weit vorne. Die Gründe für den Abstieg von Usenet und NNTP sind eine andere Geschichte (eine sehr interessante natürlich – aber auch eine, wo schon viele Leute drüber geschrieben haben, deshalb werde ich das hier nicht vertiefen).

Die Informationen zu Facebook, Telegram und Whatsapp basieren auf Hörensagen und sind deshalb nicht sehr belastbar – ich habe diese Plattformen nie verwendet, so dass ich hier keine Erfahrungen aus erster Hand bieten kann.

Kommunikationskanäle und Plattformen in OpenStreetMap

Kommunikationskanäle und Plattformen in OpenStreetMap

Fußnoten zu der Tabelle:

  1. help.openstreetmap.org hat begrenzte Unterstützung für strukturierte Kommunikation
  2. Das OSM-Wiki erlaubt im Prinzip strukturierte Kommunikation auf den Diskussions-Seiten und es ist etablierte Praxis, Diskussionen entsprechend zu strukturieren. Allerdings ist dies komplett Handarbeit und funktioniert nur, wenn alle dies gewissenhaft tun. Es gibt keine eingebaute Unterstützung dafür.
  3. Im Usenet haben Server-Betrieber Nachrichten routinemäßig nach einiger Zeit gelöscht, so dass es im Grunde kein permanentes Archiv im System selbst gab. Allerdings konnte jeder Betreiber eines Usenet-Servers ein solches erzeugen und gegen Ende der Usenet-Ära hat Google praktisch als Referenz-Archiv fungiert.
  4. Im Forum ist sichtbar, wenn Beiträge nachträglich geändert wurden, allerdings existiert kein Archiv der Original-Inhalte vor der Änderung. Daneben können Administratoren im Forum auch Nachrichten vollständig löschen und tun dies praktisch auch (unterschiedlich oft, je nach Unterforum).
  5. Die Benutzer-Blogs (diaries) selbst können ohne sichtbare Editier-Historie nachträglich bearbeitet werden, die Kommentare darunter jedoch nicht.
  6. Im Wiki ist die Editier-Historie öffentlich sichtbar, was als unveränderliches Archiv fungiert (wenngleich dies manchmal schwierig als solches zu nutzen ist).
  7. Github hat ein recht raffiniertes System entwickelt, nachträgliche Änderungen der Kommunikation zu erlauben, diese jedoch transparent sichtbar zu machen. Github erlaubt es jedoch auch in manchen Fällen, Nachrichten komplett aus dem Archiv zu entfernen (wenngleich so weit ich weiß zumindest angezeigt wird, wo dies erfolgt ist).
  8. Obwohl es keine Alternativen Möglichkeiten gibt, Changeset-Kommentare zu schreiben, gibt es zum Lesen die beliebten Werkzeuge von Pascal Neis.
  9. Offenheit für die Teilnahme gibt es bei den meisten Mailinglisten und Foren mit OSM-Bezug. Es gibt ein paar Ausnahmen, insbesondere ist osmf-talk zum Schreiben nur für OSMF-Mitglieder offen. Es gibt thematische und regionale Listen und Foren mit Kulturspezifischen Regeln, die man akzeptieren muss, um sich aktiv zu beteiligen, welche jedoch meist durch Konsens der aktiven Teilnehmer auf dem Kanal festgelegt werden (wie diversity-talk, regionale Foren).

Schlussfolgerungen

Die Schlussfolgerung ist: Mailinglisten führen immer noch mit großem Abstand vor allem, was in der OSM-Community derzeit verbreitet verwendet wird. Aber natürlich sind die von mir angelegten Kriterien meine persönlichen Präferenzen und wenngleich ich dargelegt habe, weshalb ich diese für wichtig halte, gibt es andere, die das was ich als Vorteile betrachte für Nachteile halten. Und das ist auch in Ordnung – wie ich bereits Anfangs erläutert habe, ist Vielfalt in der Kommunikation essentiell für eine vielfältige globale Gemeinschaft wie OpenStreetMap. Es gibt manche in OpenStreetMap, welchen dies missfällt und die die OSM-Community kulturell homogenisieren möchten und dafür möglichst alle dazu drängen möchten, die selben Kommunikations-Plattformen zu verwenden. Das wird allerdings nicht funktionieren. Wenn es einen Bereich gibt, wo man absolut sicher sein kann, dass letztendlich die Menschen mit ihren Füßen abstimmen, dann sind das Gruppen-Kommunikationskanäle.

Ausblick

Interessant ist natürlich ein Blick darauf, wohin die Reise in der Zukunft weitergehen könnte. Wird es Plattformen und Kanäle geben, welche an traditionelle Techniken (NNTP und Mailiglisten) herankommen, welche aus meiner Analyse als Gewinner hervorgehen? Im Moment sehe ich in diese Richtung nichts konkretes. Der Schwerpunkt bei der Entwicklung von Gruppen-Kommunikations-Technologie scheint seit einer ganzen Reihe von Jahren bei synchroner Echtzeit-Kommunikation zu liegen. Wie ich jedoch versucht habe, zu erläutern, ist dies für hochgradig multikulturelle Anwendungsfälle wie in OpenStreetMap nur von geringer Bedeutung. Der Trend in asynchroner Kommunikation geht schon seit längerer Zeit in Richtung monolithischer Plattformen, wo der Klient und die Benutzer-Schnittstelle eng mit dem eigentlichen Kommunikationsprotokoll verwoben sind (oder anders gesagt: Kram, der um ein schickes Web-Interface herum entwickelt wurde, welches die Mode des Tages im Bereich UI-Design widerspiegelt). Dies ist schade, denn meist braucht es in einer hochgradig nicht homogenen Community wie OpenStreetMap viele Jahre, bis ein neuer Kommunikationskanal wirklich in der Breite akzeptiert wird. Und dann habe die meistem auf Tagesmoden aufbauenden Plattformen schon das Ende ihres kurzen Lebens erreicht und werden nicht mehr weiter entwickelt.

22. März 2021
von chris
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Satellitenbild-Erfassungen – Bericht für 2020

Ich bin dieses Jahr ein bisschen spät dran, aber ich möchte mit meiner Tradition fortfahren, eine jährliche Analyse der Aufnahmen durchzuführen von den derzeit im Betrieb befindlichen höher auflösenden Erdbeobachtungs-Satelliten-Systeme mit Aufnahmen in natürlichen Farben, deren Aufnahmen als offene Daten veröffentlicht werden – konkret sind das Landsat und Sentinel-2.

Oberflächlich betrachtet ähnliche Analysen gibt es gelegentlich natürlich auch von den Satellitenbetreibern, diese sind jedoch in den meisten Fällen nicht sehr detailliert und manchmal sogar grob verzerrend, zum Beispiel wenn die Redundanzen zwischen den veröffentlichten Datenpaketen fälschlich als unabhängige Aufnahmen interpretiert werden. Hier finden Sie die genauste derzeit verfügbare Analyse der räumlichen Verteilung der Aufnahmen von Landsat und Sentinel-2 auf Grundlage tatsächlich zum Download verfügbarer Daten.

Entwicklung des veröffentlichten Bild-Volumen in Quadratkilometer

Die Entwicklung der aufgenommenen Flächenabdeckung zeigt bereits, dass USGS und ESA im Groben 2020 nach dem selben Muster aufgenommen haben wie in den Jahren davor. Die größte Anomalie in jüngerer Zeit war, dass der USGS anscheinend aus unbekannten Gründen etwa für ein Jahr die off-nadir-Aufnahmen von den Polarregionen ausgesetzt hat (2019 im nordhemisphärischen Sommer und 2019/2020 im südhemisphärischen Sommer). In 2020 ist man jedoch im Wesentlichen zum vorherigen Aufnahme-Muster zurückgekehrt.

Landsat 8 2020

Die Sentinel-2-Aufnahmen sind mit den Änderungen aus 2019 (also der Ausweitung der Aufnahmen im hohen Norden bei niedrigem Sonnenstand mit Sentinel-2B sowie der Abdeckung einiger zusätzlicher kleiner Inseln) in 2020 fortgesetzt worden.

Sentinel-2 2020

Bedeutender ist allerdings das, was sich nicht geändert hat – und das sind die Bereiche, wo ich bereits letztes Jahr Änderungen vorgeschlagen habe, die ich hier folglich noch mal wiederhole:

Für sowohl den USGS als auch die ESA:

  • Nutzt die zur Verfügung stehenden Aufnahme-Kapazitäten im nordhemisphärischen Winter, um mehr als nur sporadische Aufnahmen der Antarktis zu produzieren.

Zusätzlich an den USGS:

  • Schließt endlich die letzte fehlende Insel (Jonas-Insel) in die Aufnahme-Pläne mit ein.
  • Macht regelmäßig off-nadir-Aufnahmen von Nordgrönland und der zentralen Antarktis, bevorzugt unter Nutzung der zur Verfügung stehenden Flexibilität zur Minimierung der Wolken-Abdeckung.

Und an die ESA:

  • Beendet die unprofessionelle und kurzsichtige Bedienung irgendwelcher Spezialinteressen und plant die Aufnahmen generell nach klaren, einheitlichen und transparenten Kriterien.
  • In Verbindung dazu: Überdenkt die Strategie, ausgedehnte Meeresflächen um einige Inseln herum zu erfassen, während andere deutlich größere Inseln (Südliche Orkneyinseln) überhaupt nicht aufgenommen werden.
  • Betreibt Sentinel-2A und Sentinel-2B nach dem selben Plan oder erklärt nachvollziehbar, warum Ihr das nicht macht.

Hier noch wie in den letzten Jahren alle Karten-Darstellungen der Aufnahme-Abdeckungen zusammen:

Jahr Tag Nacht Aufnahme-Zahl Tag
2014 LS8, LS7 LS8 LS8
2015 LS8, LS7 LS8 LS8
2016 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A
2017 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A, S2B, S2 (beide)
2018 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A, S2B, S2 (beide)
2019 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A, S2B, S2 (beide)
2020 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A, S2B, S2 (beide)

16. März 2021
von chris
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OpenStreetMap-Tags erfinden 2021

Ich habe auf Englisch einen neuen Leitfaden entwickelt, was man im Jahr 2021 beachten sollte, wenn man neue Tags (Attribute) für OpenStreetMap entwickeln möchte. Dieser Leitfaden knüpft an an das, was Jochen 2010 in How to invent new tags geschrieben hat, und beleuchtet unter den geänderten Rahmenbedingungen mehr als zehn Jahre später insbesondere die sozialen, kulturellen und geographischen Aspekte des Taggings in OpenStreetMap.

28. Januar 2021
von chris
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Schnee in Europa

Im Vergleich zu den letzten Jahren scheint dieser Winter sich in weiten Teilen Europas als relative schneereich zu entwickeln, aus diesem Anlass hier ein paar aktuelle Satellitenbild-Impressionen davon.

Schnee in England am 25. Januar

Zunächst eine Ansicht mit Schnee in weiten Teilen Englands auch in niedrigen Lagen – was nicht wirklich selten ist aber auch keine weit verbreitete Situation.

Schnee in Spanien am 12. Januar

Was wirklich ungewöhnlich war ist hingegen die umfassende Schneebedeckung weiter Teile Zentral- und Nordspaniens einschließlich der Stadt Madrid wie hier im zweiten Bild zu sehen.

Schnee in Griechenland am 20. Januar

Wesentlich häufiger als in Spanien ist Schnee in der östlichen Mittelmeer-Region. Ich habe schon früher mal eine Ansicht von Kreta im Winter mit schneebedeckten Bergen gezeigt.

Das Bild oberhalb zeigt einen aktuellen Blick auf Griechenland und die Ägäis – mit Schnee in vielen Gebirgen einschließlich verschiedener Inseln, und in einigen Fällen reicht dieser sogar bis auf Meereshöhe hinab wie auf der Insel Limnos – hier eine detailliertere Ansicht davon.

Limnos mit Schnee am 20. Januar

Die ersten drei Bilder sind auf Grundlage von Sentinel-3-Daten produziert, das letzte auf Basis von Sentinel-2-Daten.

16. Dezember 2020
von chris
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Eisberg A-68 trifft Südgeorgien

Der große Eisberg, welcher sich 2017 von der Antarktischen Halbinsel gelöst hat, und welcher im Verlauf des letzten Jahres langsam über die Drakestraße gedriftet ist – ich hatte vom Anfang dieser Reise schon einige Bilder gezeigt – hat nun die Insel Südgeorgien erreicht, was uns beeindruckende Bilder liefert, welche die enorme Größe des Eisbergs noch einmal besonders deutlich illustrieren. Wie diese Ansicht, aufgenommen von Sentinel-3B am 14. Dezember 2020:

A-68 trifft Südgeorgien im Dezember 2020

Hier die Karte zur Illustration, wo das ist:

Der Eisberg könnte im flacheren Wasser um die Insel auf Grund laufen, was das Ökosystem in der Gegend massiv beeinflussen würde. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass obwohl Eisberge dieser Größe recht selten auftreten, kleinere, aber dennoch massive Eisberge in der Umgebung von Südgeorgien sehr häufig sind, denn die Meeresströmungen und Winde in der Gegend bewirken, dass ein großer Anteil der Eisberge des Weddell-Meeres irgendwann entlang einer ähnlichen Route wie A-68 nach Norden driften. Von einer langfristigen historischen Warte aus haben solche Besuche von sehr großen Eisbergen von mehr als hundert Kilometern Länge in der Nähe von Südgeorgien also vermutlich auch schon früher stattgefunden, wenngleich solche früheren Ereignisse natürlich nicht so wie jetzt detailliert von Erdbeobachtungs-Satelliten aufgezeichnet wurden.

14. November 2020
von chris
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Die OSMF – Entwicklungen im vergangenen Jahr und Ausblick auf die nächsten Jahre – Teil 2

Deutsche Version auf Grundlage von automatischer Übersetzung durch deepl – nachbearbeitet zur Korrektur von groben Fehlern.

In dem ersten Teil dieses Blogeintrags habe ich die wichtigsten Entwicklungen in der OpenStreetMap Foundation (OSMF) im vergangenen Jahr aus meiner Sicht zusammengefasst. In diesem zweiten Teil werde ich – ausgehend von den Beobachtungen des vergangenen Jahres und den sich abzeichnenden jüngsten Trends – einen Ausblick darauf geben, wie sich das OSMF in den kommenden Jahren entwickeln könnte.

Nach meinem vorherigen Beitrag über das OSMF und die Perspektive für die kommende Generalversammlung hat Severin Menard einen interessanten und ebenso kritischen Blick auf die aktuelle Situation des OSMF veröffentlicht. Ich stimme den meisten seiner Ausführungen zu, und seine kulturell etwas andere Sicht der Dinge ist sehr wertvoll. Definitiv für jedermann zum Lesen empfohlen.

Übernahme durch Unternehmen – sie hat bereits stattgefunden

In einem Punkt stimme ich jedoch nicht mit ihm überein – in der Beurteilung einer Übernahme durch Unternehmen als Zukunftsrisiko. In den letzten Wochen gab es auch einige halbgare Initiativen (wie üblich in letzter Minute vor der Generalversammlung) aus dem OSMF-Vorstand zu Beschlüssen, welche die OSMF vor externen Übernahmen schützen sollen. Ich bin der Meinung, dass diese Maßnahmen und die Konzentration auf eine Abwehrstrategie gegen einen Angriff von außen mit dem Ziel, die OSMF zu kontrollieren, inzwischen die falschen Prioritäten setzen, weil die Firmenübernahme im Wesentlichen bereits hinter den Kulissen stattgefunden hat, ohne dass dies nach außen hin deutlich sichtbar war.

Große Konzerne, welche OSM-Daten nutzen, sind nicht wirklich so sehr daran interessiert, einen Putsch in der OSMF zu inszenieren die OSMF selbst zu leiten. Das wäre kostspielig und mit einem breiten Spektrum ziemlich großer Risiken verbunden und würde – wenn es erfolgreich durchgeführt würde – auch sofort zu einem Kampf um die Kontrolle zwischen den großen Konzernakteuren führen. Das Hauptziel der Unternehmens-Akteure mit dem OSMF war und ist es seit einiger Zeit, eine wirkungsvolle Regulierung der Unternehmens-Aktivitäten im Bereich OSM und der Nutzung von OSM-Daten auf der Grundlage des OdbL zu verhindern. Wenn dieses Ziel gesichert ist, wäre es ein sekundäres Ziel, die OSMF als gemeinsame neutrale Vermittlungsplattform zwischen den verschiedenen Unternehmen zu nutzen, um unabhängige freiwillige Aktivitäten in der OSM-Gemeinschaft im kollektiven Interesse der Unternehmen zu steuern.

Die Teile des OSMF-Vorstands, die nicht mit unternehmerischen oder organisierten Interessen verbunden sind, scheinen in den letzten Jahren die Idee entwickelt zu haben, dass diese Interessen verhandelbar sind und dass die Zukunft von OpenStreetMap in einem Kompromiss zwischen den Konzern-Interessen und den Kernideen und Werten des Projekts liegt. Dies ist ganz klar eine Illusion. Von einem großen Unternehmen wie Facebook zu erwarten, dass es Kompromisse mit einem unbedeutenden Akteur wie der OSMF eingeht, ist bestenfalls naiv.

Wenn das Ziel, eine sinnvolle Regulierung von Unternehmensaktivitäten durch die OSMF zu verhindern, dauerhaft erreicht ist, haben Unternehmen keinen Grund, sich einer wirksamen Übernahmeprävention der OSMF zu widersetzen – denn das würde dazu beitragen, ihre Position in der OSMF vor dem Einfluss Dritter zu schützen. Und eine wirksame Verhinderung einer sinnvollen Regulierung hängt nicht einmal davon ab, dass es eine unternehmensfreundliche Mehrheit unter den OSMF-Mitgliedern gibt, da die Konzerne jetzt über andere bedeutende Einflusskanäle in der OSMF verfügen (durch ihre Finanz-Situation, durch ihre Teilnahme an den Arbeitsgruppen und durch Lobbyarbeit gegenüber dem Vorstands auf nicht öffentlichen Kanälen).

Wir werden in naher Zukunft einen recht guten Testfall dafür haben, wie robust die Fähigkeit der Unternehmensinteressen im OSMF ist, eine sinnvolle Regulierung in Form der in den letzten Jahren erarbeiteten Zuweisungsrichtlinie zu verhindern. Es gibt im Wesentlichen drei Szenarien, was passieren könnte:

  • Der OSMF-Vorstand beschliesst, eine Richtlinie zu verabschieden, die grob auf der Wunschliste der Unternehmen aus der LWG basiert, mit einigen kleineren Anpassungen für die Optik, um den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass es nicht direkt das ist, was Unternehmenslobbyisten geschrieben haben. Das scheint im Moment das wahrscheinlichste Szenario zu sein, aber es birgt die große Gefahr, dass sich die Gemeinschaft der Hobby-Mapper offen gegen diese Interpretation der ODbL stellt, was die Position der OSMF in der OSM-Gemeinschaft grundlegend gefährden würde.
  • Der OSMF-Vorstand nimmt eine Richtlinie an, die den Konsens der Gemeinschaft zum ODbL widerspiegelt (wahrscheinlich ähnlich wie was ich verfasst habe), die bedingungslos eine Quellen-Angabe verlangt, die dem Benutzer praktisch die Herkunft der Daten bewusst macht. Das würde den Unternehmensinteressen stark zuwiderlaufen, und Unternehmen würden sicherlich alles in ihrer Macht Stehende tun, um dies zu verhindern (einschließlich des Abzugs von Geldern, welcher die OSMF in finanzielle Schwierigkeiten bringen würden, weil die stark gestiegenen Kosten sie von regelmäßigen Unternehmensbeiträgen abhängig machen).
  • Eine Entscheidung in dieser Angelegenheit wird vermieden, indem der Prozess auf unbestimmte Zeit hinausgezögert wird. Auch wenn dies nicht ideal ist, weil es eine Art instabile Situation wäre, wäre dies für die Unternehmen akzeptabel, weil es den Status quo des OSMF aufrechterhalten würde, nicht gegen Datennutzer mit unzureichender Attributierung aktiv zu werden. Es würde auch einen offenen Bruch mit der OSM-Gemeinschaft vermeiden, obwohl der Druck der OSM-Gemeinschaft auf das OSMF wahrscheinlich zunehmen würde, in Fällen unzureichender Attributierung durch die Finanzspender des OSMF aktiv zu werden.

Einige werden wahrscheinlich meine Idee ablehnen, dass die Firmenübernahme des OSMF bereits stattgefunden hat. Sie werden argumentieren, dass, wenn das wahr wäre, die Konzerne viel aggressiver für ihre Interessen eintreten würden. Ich glaube jedoch nicht, dass dies der Fall ist. Wie bereits erläutert, besteht das Hauptinteresse der Großunternehmen an der OSMF nicht darin, etwas Positives zu erreichen, sondern zu verhindern, dass etwas Negatives für ihre Interessen geschieht. Dies zu erreichen ist für sie viel wertvoller als alles, was sie proaktiv in der OSMF zu erreichen versuchen könnten.

Was wir in den kommenden Jahren sicherlich erleben werden, ist, dass Unternehmen versuchen werden, ihren Einfluss auf die OSMF zu konsolidieren, insbesondere dadurch, dass immer mehr Mitarbeiter von Unternehmen ermutigt werden, sich freiwillig zu engagieren oder für ihre Arbeit in der OSMF in den Arbeitsgruppen, im Vorstand, in Ausschüssen und auf andere Weise bezahlt werden. Dies wird wahrscheinlich in den meisten Arbeitsgruppen ziemlich schnell geschehen, unterstützt durch die Tendenz der OSMF, sich eher wie ein Unternehmens-Akteur zu positionieren, was sich, wie ich bereits erläutert habe, negativ auf die Motivation von Freiwilligen ohne Karriereinteressen in der OSMF auswirken dürfte. Meiner Einschätzung nach wird in 1-2 Jahren unter denen, die sich auf die eine oder andere Weise aktiv in der OSMF engagieren, eine solide Mehrheit derjenigen Personen geben, die entweder in irgendeiner Form in einem OSM-bezogenen Job beschäftigt sein oder anderweitig ein Karriere-Interesse haben, das ihr Engagement in der OSMF zumindest teilweise motiviert. Die meisten von ihnen werden bei Unternehmen, welche OSM-Daten nutzen oder Organisationen rund um OSM wie HOT beschäftigt sein. Gegenwärtig haben wir beispielsweise im OSMF-Vorstand bereits mindestens drei Mitglieder, auf die dies zutrifft, zwei Mitarbeiter von Großkonzernen (Mikel und Paul), ein Mitarbeiter von Kleinunternehmen (Rory).

Zentralisierung des OSMF

Der andere große kommende Trend im OSMF, den ich beobachten kann, ist eine zunehmende Zentralisierung der Macht auf dem Vorstand. Die OSM-Gemeinschaft insgesamt ist stark dezentralisiert, und das OSMF war mit seiner hierarchischen Struktur schon immer eine Art Anomalie innerhalb dieser Gemeinschaft. Aber traditionell wurde in der OSMF die meiste Arbeit in den Arbeitsgruppen geleistet – einschließlich der Entwicklung von Richtlinien – und die Arbeitsgruppen hatten ein hohes Maß an Unabhängigkeit, angefangen von der Gründung durch Basisinitiativen innerhalb der Gemeinschaft, über die Möglichkeit der Teilnahme auch von Nicht-OSMF-Mitgliedern bis hin zur Konvention, die es den Vorstandsmitgliedern zwar erlaubt ist, sich zu beteiligen, aber nicht, eine führende Rolle zu übernehmen. In jüngerer Zeit sehen wir jedoch einen Trend, dass immer mehr Richtlinien-Entscheidungen entweder aktiv vom Vorstand beeinflusst oder von Anfang an vom Vorstand selbst entwickelt werden. Frühe Manifestationen dieses Trends waren die bereits erwähnte Krim-Entscheidung (bei der sich der Vorstand über die von den Arbeitsgruppen entwickelte Regelung hinwegsetzte) und die Regeln zum organisierten Mappen (bei der der Vorstand den ersten Entwurf der DWG rundweg ablehnte und eine nachgiebigere Regulierung forderte). In diesem Jahr sahen wir eine große Anzahl von Fällen, in denen der Vorstand interne Richtlinien aufstellte und die Ergebnisse oft als beschlossene Sache präsentierte, ohne eine offene Diskussion zu führen – wie im Fall des Diversity-Statements – was diesen Trend noch verstärkte.

Darüber hinaus haben wir, wie ich im ersten Teil besprochen habe, im vergangenen Jahr die Einrichtung mehrerer Ausschüsse gesehen (ein Konzept, das es zuvor in der OSMF nicht gab) – die vom Vorstand zusammengestellt wurden und unter seiner direkten Kontrolle standen. Und für die diesjährige Generalversammlung wurde eine AoA-Änderung vorgeschlagen , die die Einrichtung von Ausschüssen, die aus Vorstandsmitgliedern und OSMF-Mitgliedern bestehen, und die Delegierung jeglicher Befugnisse des OSMF-Vorstands an diese erlaubt. Mit anderen Worten: Sie würde es dem OSMF-Vorstand erlauben, Freiwillige oder bezahlte Mitarbeiter (die entweder von der OSMF oder von Dritten bezahlt werden) zu rekrutieren und ihnen jede Art von Funktion des Vorstands zu übertragen. Natürlich stünden solche Ausschüsse unter der unmittelbaren und absoluten Kontrolle des Vorstandes, Personen könnten nur durch Ernennung durch den Vorstand Mitglieder solcher Ausschüsse werden, und der Vorstand könnte einen solchen Ausschuss jederzeit auflösen oder ihm seine Befugnisse entziehen. Aber im Gegensatz zu den Arbeitsgruppen – die keine formellen Befugnisse haben und wirkungsvolle Entscheidungen auf die Bestätigung durch den Vorstand angewiesen sind – könnten die Ausschüsse mit allen formellen Befugnissen und Rechten ausgestattet werden, die der Vorstand innerhalb der OSMF hat.

Die Einrichtung solcher Ausschüsse hätte eine massive Machtverschiebung innerhalb der OSMF von den Arbeitsgruppen hin zum Vorstand zur Folge. Gegenwärtig ist der Vorstand im Wesentlichen durch seine Anzahl in seinen Möglichkeiten eingeschränkt. Die Vorstandsmitglieder sind nicht in der Lage, ihre formalen Befugnisse an andere zu delegieren. Arbeiten, die mehr Hände erfordern, können nur von den Arbeitsgruppen erledigt werden, die über ein hohes Maß an Unabhängigkeit verfügen. Sollte der erwähnte Beschluss angenommen werden, wäre der Vorstand im Wesentlichen nicht mehr von den Arbeitsgruppen der OSMF abhängig – sie könnten alle Aufgaben, die bisher in den Zuständigkeitsbereich der Arbeitsgruppen fielen, uneingeschränkt den von ihnen eingesetzten und kontrollierten Ausschüssen übertragen.

Wir können schon jetzt feststellen, dass der Vorstand zunehmend versucht, direkten Einfluss darauf zu nehmen, was die Arbeitsgruppen tun und wie sie arbeiten. In der öffentlichen Kommunikation haben sie ihr Interesse an einer Neufestlegung des Aufgabenbereichs der CWG und an einer Reaktivierung der EWG bekundet (was – da die EWG im Moment außerhalb des Google-Sommers des Code-Managements völlig inaktiv ist – nichts weniger bedeutet, als das Bootstrapping einer neuen Arbeitsgruppe, was der derzeitige Vorstand zu Beginn der laufenden Amtszeit noch als unangemessen erachtete).

Ein interessanter Testfall für die Tendenz des Vorstands, direkte Kontrolle über die Geschehnisse in der OSMF anzustreben, ist die Einrichtung des geplanten Software-Streitschlichtungsgremiums. Die DWG hat ihr Interesse an dieser Aufgabe bekundet, aber es scheint wahrscheinlich, dass der Vorstand es vorziehen wird, die Zusammensetzung dieses Gremiums direkt zu kontrollieren.

Nicht erkennbar hingegen sind irgendwelche Hinweise darauf, dass dieser Trend zur Zentralisierung der Macht in der OSMF in irgendeiner Weise durch eine unabhängigere Aufsicht über Entscheidungen und Prozesse innerhalb der OSMF ausgeglichen wird. Nicht in Sicht ist zum Beispiel die Idee, dass die lokalen Sektionen eine Art sinnvolle Macht in der Struktur und den Prozessen des OSMF gewinnen könnten oder dass das OSMF die Kontrolle über Schlüsselelemente der OSMF-Infrastruktur (Datenbankrechte und die Datenbank der Beitragszahler) mit den lokalen Sektionen teilen könnte. Angesichts der Tatsache, wie sehr der derzeitige Vorstand darauf bedacht zu sein scheint, mehr unmittelbare Kontrolle über alles innerhalb der OSMF zu erlangen, scheint es unwahrscheinlich, dass der Vorstand bereit sein wird, in absehbarer Zeit freiwillig auf Macht zu verzichten.

Rückgang der Vielfalt und Braindrain

Ein weiterer Trend, der sich bereits seit einigen Jahren abzeichnet, ist die zunehmende Schwierigkeit für die OSMF, kompetente und engagierte Freiwillige zu gewinnen. Wie ich bereits im Zusammenhang mit den Plänen der OSMF, Menschen für die Arbeit zu bezahlen, dargelegt habe, wird sich dies wahrscheinlich zusätzlich negativ auf die Motivation der Freiwilligen auswirken.

Wenn dieses Problem nur als ein Zahlenspiel betrachtet wird, ist es nicht unwahrscheinlich, dass es möglich ist, dieses Defizit mit bezahlten Personen (die entweder von der OSMF oder von externen Interessengruppen bezahlt werden) oder mit Personen, die die Freiwilligenarbeit in der OSMF als Karriereförderer betrachten, auszugleichen. Wie bereits erwähnt, ist diese Entwicklung bereits im Gange. Es gibt eine Reihe von Auswirkungen, die dies haben wird:

  • Teile des OSMF (Arbeitsgruppen, Komitees) werden zunehmend von kulturell engen Kreisen von Menschen mit gemeinsamen Interessen (wie ihrer Karriere oder gemeinsamen Interessen von externen Organisationen, denen sie angehören) dominiert werden – Interessen, die sich von den funadamentalen Zielen und Werten von OpenStreetMap unterscheiden. Dieser Prozess wird selbstverstärkend sein, denn sobald dies geschieht, wird die betreffende Arbeitsgruppe oder das Komitee für jeden außerhalb dieses engen Spektrums, der die Interessen der Gruppe nicht teilt, zunehmend unattraktiv – selbst wenn diese Personengruppe sich selbst als offen und einladend gegenüber anderen betrachtet.
  • Es werden wahrscheinlich insbesondere die sehr engagierten Mitglieder der OSM-Gemeinschaft mit langjähriger Erfahrung im Projekt sein, für die eine freiwillige Mitarbeit in der OSMF zunehmend unattraktiv wird und die wahrscheinlich stattdessen versuchen werden, in Funktionen außerhalb der OSMF mitzuwirken. Das bedeutet, dass es wahrscheinlich zu einem beträchtlichen Brain Drain von Kompetenz und Erfahrung kommen wird.
  • Die De-facto-Ziele des OSMF werden sich zunehmend von den Zielen und Werten des OpenStreetMap-Projekts entfernen und sich den besonderen Interessen und kulturspezifischen Werten derjenigen zuwenden, die die Organisation zufällig dominieren. Von innerhalb der OSMF und ihrer kommunikativen Echokammer aus wird es möglicherweise nicht so sichtbar sein – die vorherrschende Meinung im OSMF-Vorstand scheint oft jetzt schon zu sein, dass die Ziele von OSMF und OpenStreetMap notwendigerweise identisch sind, ein bisschen nach dem Motto L’état, c’est moi.

Einflussnahme auf OpenStreetMap

Als Ergebnis dessen, was ich in den vorhergehenden Abschnitten geschrieben habe, scheint es wahrscheinlich, und es gibt bereits Anzeichen dafür, dass die OSMF zunehmend versuchen wird, Einfluss auf das OpenStreetMap-Projekt selbst zu nehmen, wodurch sie in Konflikt mit der Grundprämisse der OSMF gerät, das Projekt zu unterstützen, es aber nicht zu kontrollieren. Die Bereiche, in denen dies wahrscheinlich geschehen wird, sind im Besonderen:

  • Kommunikationskanäle der Gemeinschaft: Eine in jüngster Zeit in der OSMF vorherrschende Erzählung ist, dass “Fragmentierung der Kommunikation” in der OSMF-Gemeinschaft ein großes Problem ist, das angegangen werden muss. Diese Terminologie ist übrigens an sich schon interessant – die selbe Sache wird, positiv betrachtet, Diversität genannt, negativ betrachtet, Fragmentierung. Aber das nur als Randbemerkung. Es ist damit zu rechnen, dass es innerhalb der OSMF starke Bestrebungen geben wird, die Kommunikationskanäle, die die OSMF bereitstellt, durch die Einführung von Verhaltensregeln strenger zu kontrollieren. Ob diese Versuche erfolgreich sein werden, wird sich zeigen müssen. Was mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass es, wenn dies geschieht, den gegenteiligen Effekt hätte, nämlich die Kommunikation innerhalb der OSMF-Gemeinschaft stärker zu fragmentieren, indem diejenigen, die sich nicht von vornherein einem engen kulturspezifischen Kommunikationsregelwerk unterwerfen wollen, im Wesentlichen verdrängt werden und die auf Kommunikationskanäle außerhalb der Kontrolle der OSMF ausweichen würden.
  • Die OpenStreetMap-Website: Traditionell hat das OSMF kein Mitspracherecht bei der Gestaltung von der OpenStreetMap-Website – sie wird in der klassischen OSM-Tradition von Do-okratie und Konsens entwickelt. Aber es gibt immer mehr Stimmen innerhalb der OSMF, die den Wunsch zum Ausdruck bringen, die Karte als Symbol und Hauptinstrument der interkulturellen Zusammenarbeit in der OSMF-Gemeinschaft dort weniger prominent zu präsentieren und sie mehr wie eine Firmenwebsite zu gestalten und die Interessen der OSMF dem Besucher proaktiver zu vermitteln. Wir werden im kommenden Jahr wahrscheinlich eine Initiative in diese Richtung sehen – ob das erfolgreich sein wird, ist in meinen Augen allerdings nicht sicher.
  • Mapping und Tagging: Der OSMF-Vorstand hat bereits im letzten Jahr einen Schritt unternommen, der dazu führen könnte, Einfluss auf das Mapping und Tagging in OpenStreetmap zu nehmen, was durch das Mission Statement der OSMF prinzipiell verboten ist, und zwar durch die Pläne für ein Software Dispute Resolution Panel. Der Hauptzweck des Gremiums ist die Lösung von Konflikten mit Entwicklungsentscheidungen des iD-Editors, die primär Konflikte über Tagging-Voreinstellungen und Validierungsregeln sind. Die Entscheidung über solche Konflikte (welche ein solches Gremium treffen müsste) würde unweigerlich darauf hinauslaufen, Tagging-Entscheidungen zu treffen. Das OSMF verfügt natürlich nicht über die Mittel, solche Entscheidungen über die Einflussnahme auf die Entwicklung von iD hunaus durchzusetzen, aber dennoch ist das Potenzial von Versuchen in dieser Richtung durchaus vorhanden. Wie ich oben erläutert habe, besteht ein sekundäres Interesse der Geldgeber der OSMF darin, die Gemeinschaft der Mapper in eine Richtung zu lenken, die für ihre Datennutzung vorteilhaft ist. Mitglieder des derzeitigen OSMF-Vorstands haben bereits zum Ausdruck gebracht, dass sie die Nützlichkeit der in OpenStreetMap gesammelten Geodaten als primäres Ziel des Projekts betrachten – im Gegensatz zu den traditionellen Zielen und Werten des Projekts, die den Zusammenhalt der Gemeinschaft in den Vordergrund stellen. Und wenn man davon ausgeht, dass die Nützlichkeit der Daten primär am Nutzrn für die wirtschaftlich wichtigen Unternehmens-Nutzer bedeutet, scheinen hier die Interessen der Unternehmen und die Ziele des OSMF-Vorstands in Einklang zu stehen. Doch im Gegensatz zu den beiden vorhergehenden Punkten, bei denen es klare Trends gab und die bereits sichtbar waren, würde ich in dieser Frage keine klare Prognose abgeben.

Schlussfolgerungen

Nun ist dieser Ausblick auf die nächsten Jahre offensichtlich ziemlich bedrückend, und in der Tat ist meine Sicht auf die nahe Zukunft des OSMF ziemlich düster. Für OpenStreetMap im Allgemeinen sehe ich dies jedoch als eine wertvolle Chance, sich ein wenig mehr von der OSMF zu emanzipieren – was, egal wohin die OSMF steuert, eine gesunde Sache wäre. Und ich möchte auch auf einige Chancen hinweisen, die ich in naher Zukunft für das OSMF sehe. Wie ich erläutern werde, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese tatsächlich wahrgenommen werden, recht gering – dennoch halte ich es für wichtig zu zeigen, dass das OSMF nicht zwangsläufig dem Untergang geweiht ist, sondern dass das, was geschieht, immer noch davon abhängt, dass die Menschen in den Machtpositionen verantwortungsvolle Entscheidungen treffen, und dass es immer noch eine Möglichkeit gibt, dass sich Dinge in eine viel positivere Richtung entwickeln. Zwei Beispiele:

  • Mit dem Brexit und der Möglichkeit, dass ein Umzug der OSMF von Großbritannien in die EU ratsam ist, besteht im Zusammenhang mit einem solchen Umzug eine reelle Chance, die OSMF von der stark hierarchischen und zentralisierten Form, die im Wesentlichen durch das britische Unternehmens-Recht vorgeschrieben ist, in eine föderale Organisationsstruktur mit checks and balances und sinnvollen Subsidaritäts-Regeln umzustrukturieren, wie es für eine Organisation innerhalb der stark dezentralisierten OSM-Gemeinschaft angemessen wäre. Leider ist dies selbst bei einem Umzug der OSMF höchst unwahrscheinlich, da dies im Wesentlichen bedeuten würde, dass der OSMF-Vorstand beschließen müsste, einen Großteil seiner Macht an föderalere Gremien in einer neuen Organisationsstruktur abzugeben. Aber die Möglichkeit besteht – es gibt keine sinnvollen prinzipiellen Hürden gegen die Umsetzung einer solchen Veränderung, die über die allgemeine Schwierigkeit eines Umzugs der Organisation hinausgehen.
  • Das OSMF hat aufgrund der in den letzten Jahren stark gestiegenen öffentlichen Sichtbarkeit die Chance, die notwendigen Mittel zu sammeln (und ich meine dies unabhängig von Beiträgen größerer Unternehmensfinanzierer mit entweder expliziten oder impliziten Bedingungen), um zu der OSMF-Gemeinschaft zurückzukehren und sich darauf zu konzentrieren, sich als neutraler Infrastrukturanbieter für die OSM-Gemeinschaft zu positionieren. Damit meine ich – wie ein Staat, der seinen Bürgern Straßen und andere Infrastruktur zur Verfügung stellt – eine neutrale Infrastruktur, die von allen ohne Diskriminierung genutzt werden kann. Diese Idee ist nicht dasselbe wie der Wunsch nach einer sehr kleinen OSMF. Infrastruktur kann umfangreich und teuer sein. Wenn die OSMF jeder lokalen Gemeinschaft auf der ganzen Welt beispielsweise die Infrastruktur anbieten würde, um ihre eigene in Echtzeit aktualisierte Karte zu entwerfen und zu betreiben, wären die Kosten dafür ziemlich massiv, aber gleichzeitig könnte dies für die Unterstützung der kulturellen Vielfalt in der OSM-Gemeinschaft von großem Nutzen sein. Der Schlüssel dazu wären Neutralität und Nichtdiskriminierung. Für vieles von dem, was das OSMF derzeit bei der Ausgabe neuer Gelder tut, trifft dies nicht zu – die bereits zitierte Idee, Menschen finanziell zu unterstützen whose work we know and enjoy, ist mit dieser Idee grundsätzlich unvereinbar. Unglücklicherweise würde diese Vision, wie im vorherigen Punkt, eine Zurückhaltung des OSMF-Vorstands erfordern, um jedem Drang zu widerstehen, OpernStreetMap zu regieren und aktiv in eine Richtung zu lenken, die sie für wünschenswert halten – etwas, das meiner Meinung nach mit dem derzeitigen Vorstand nicht passieren dürfte.

Wie ich in Teil 1 dieses Beitrags geschrieben habe, präsentiere ich meine Vorhersage für die Richtung, in die die OSMF sich entwickelt, um durch das, was tatsächlich geschehen wird, entweder bestätigt oder widerlegt zu werden. Und ich würde mich freuen, wenn sie sich als falsch herausstellt – entweder durch das, was die Zukunft tatsächlich bringen wird, oder vorher durch überzeugende Argumente, die von denjenigen vorgebracht werden, die eine andere Entwicklung kommen sehen. Mit anderen Worten: Ich fordere jeden, der mit meiner Analyse nicht einverstanden ist, offen heraus, seine eigenen Vorhersagen in der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu argumentieren.

Etwas, das der OSMF-Vorstand im letzten Jahr verloren zu haben scheint, ist die Bereitschaft, seine Vision und seine Pläne und Ideen einer offenen Diskussion auszusetzen und zu versuchen, die OSMF-Gemeinschaft im offenen Diskurs von den Vorzügen seiner Ideen zu überzeugen. Wahrscheinlich zumindest teilweise, weil es mit dem Geld, das der OSMF zur Verfügung steht, einfacher geworden zu sein scheint, sich die Umsetzung ihrer Pläne einfach zu erkaufen, anstatt sich mit der Gemeinschaft auseinanderzusetzen und sie davon zu überzeugen, sie zu unterstützen.

Und ich appelliere an alle in der OSM-Gemeinschaft, dies nicht zu akzeptieren. Ob Sie das Gefühl haben, dass die OSMF in die richtige Richtung geht oder nicht, ob Sie meiner Analyse hier zustimmen oder nicht: Sie sollten von den Leuten in der OSMF verlangen, Argumente und Begründungen vorzubringen, die Sie von den Vorzügen und von der Solidität ihrer Pläne und ihrer Aktionen überzeugen, und von ihnen verlangen, dass sie eine substantielle Vision und Erwartungen für den Erfolg und das Ergebnis ihrer Aktionen vorlegen, die genau wie meine Vorhersagen an der tatsächlichen zukünftigen Entwicklung gemessen werden können. Was für OpenStreetMap am besten ist, ist nicht der Mittelwert aller artikulierten Interessen, gewichtet mit dem dahinter stehenden finanziellen Vermögen. Was das Beste für das Projekt ist, kann nur durch Argumente und Vernunft entschieden werden.

13. November 2020
von chris
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Die OSMF – Entwicklungen im vergangenen Jahr und Ausblick auf die nächsten Jahre – Teil 1

Deutsche Version auf Grundlage von automatischer Übersetzung durch deepl – nachbearbeitet zur Korrektur von groben Fehlern.

In meinem früheren Blog-Eintrag bezüglich der OpenStreetMap Foundation (OSMF) deutete ich an, dass ich ein wenig über die einschneidenden Veränderungen schreiben werde, die sich im vergangenen Jahr in und um die OSMF herum ereignet haben und welche Auswirkungen sie für die kommenden Jahre haben werden – sowohl auf die OSMF intern als auch auf die Beziehung zur größeren OpenStreetMap-Gemeinschaft.

Bei einigen der Änderungen, die ich im Folgenden aufliste, herrscht wahrscheinlich Einigkeit darüber, dass sie erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft der OSMF und des OpenStreetMap-Projekts haben werden, während es sich bei anderen wahrscheinlich um Änderungen handelt, die als unbedeutende Verfahrensänderungen angesehen werden – einige davon sind möglicherweise sogar Änderungen, von denen sich der Vorstand und die Arbeitsgruppen der OSMF nicht bewusst sind, dass sie geschehen sind. Offensichtlich kann man zu solchen Dingen unterschiedliche Meinungen haben – die Bedeutung von Änderungen ist offensichtlich eine subjektive Einschätzung. Der Grund, warum ich sie hier aufliste, ist, dass sie eine Rolle bei den Vorhersagen über die zukünftige Entwicklung der OSMF spielen, auf die ich später eingehen werde.

Kommunikationsgewohnheiten und -stil

Eine der einschneidendsten Veränderungen im vergangenen Jahr – aber wahrscheinlich auch eine der subtileren, insbesondere für diejenigen, die mit der Organisationskultur der OSMF in den vergangenen Jahren nicht so vertraut waren – ist die Veränderung der Kommunikationsgewohnheiten und des Kommunikationsstils innerhalb der OSMF, insbesondere in Bezug auf den Vorstand. Ich erwähnte bereits, dass das vergangene Jahr innerhalb der OSMF durch einen ziemlich massiven Rückgang der Transparenz und einen Rückgang der offenen und öffentlichen Beratung von Entscheidungen gekennzeichnet war. Identifizierbare Komponenten innerhalb dieses Bereichs sind insbesondere

  • Der OSMF-Vorstand hat die Hälfte seiner Sitzungen für die OSMF-Mitglieder geschlossen. Die geschlossenen Sitzungen werden nicht offiziell als Vorstandssitzungen bezeichnet und sie werden zusätzlich zu den monatlichen offiziellen Sitzungen eingerichtet, so dass der Vorstand so tun kann, als ob die Transparenz nicht abgenommen hätte, sondern für alle, die in den vergangenen Jahren bei den Vorstandssitzungen zugehört haben und nun feststellen können, dass sich der Charakter der öffentlichen Sitzungen grundlegend geändert hat: Es wird fast nicht mehr über Entscheidungen beraten, die meisten Entscheidungen sind unumstritten – was bedeutet, dass die Entscheidung oft im Wesentlichen bereits in nichtöffentlicher Kommunikation getroffen wurde und die Abstimmung in der öffentlichen Sitzung nur pro forma erfolgt.
  • Das Volumen der nicht-öffentlichen internen Kommunikation des OSMF-Vorstands hat im Vergleich zu früheren Vorständen massiv zugenommen – wahrscheinlich um mindestens eine Größenordnung. Dies ist nicht direkt öffentlich sichtbar, lässt sich aber aus öffentlichen Stellungnahmen ableiten und wird durch nichtöffentliche Stellungnahmen einzelner Vorstandsmitglieder bestätigt. Gleichzeitig hat der Umfang der öffentlichen Zwei-Wege-Kommunikation der Vorstandsmitglieder mit der größeren OSM-Gemeinschaft auf öffentlich aufgezeichneten Kanälen abgenommen. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass mehrere recht kommunikative Vorstandsmitglieder aus dem Vorstand ausgeschieden sind (insbesondere Frederik, aber in gewissem Umfang auch Heather). Zusätzlich lässt sich dies auch damit erklären, dass die derzeitigen Vorstandsmitglieder mit einer spärlichen und asymmetrischen Kommunikation im Top-down-Stil in der Öffentlichkeit vertrauter sind und sich wohler fühlen und Öffentlichkeit in der Kommunikation als Belastung empfinden.
  • Der OSMF-Vorstand begann auch, geschlossene Sitzungen mit externen Interessen durchzuführen, in einigen Fällen regelmässig. Dies war zuvor extrem selten. Wir haben nur begrenzte Einblicke in solche Treffen in einigen Fällen auf der Grundlage veröffentlichter Protokolle, aber sie offenbaren ein beunruhigendes Maß an Rücksichtslosigkeit bei der Lobbyarbeit dieser externen Interessengruppen, das die Frage aufwirft, ob es klug ist, solche Treffen ohne öffentliche Aufsicht abzuhalten.
  • Die meiste öffentliche Kommunikation des Vorstands hat nun den Charakter einer nachträglichen Präsentation ihrer Ansichten zu Angelegenheiten, zu denen sie sich bereits entschieden haben, anstatt einer öffentlichen Beratung in der frühen Phase eines Entscheidungsfindungsprozesses, die dazu dient, den Blick von außen einzuholen, bevor sich die Vorstandsmitglieder eine Meinung gebildet haben. In einigen Fällen ging dies zu extremen Formen über, bei denen der Vorstand bestimmte hochwichtige Informationen nur wenige Minuten vor einer öffentlichen Sitzung veröffentlicht hat.
  • Öffentliche Äußerungen von Vorstandsmitgliedern deuten auch darauf hin, dass sie die größere OSM-Gemeinschaft – oder zumindest kritische Ansichten aus ihrer Mitte – mit Feindseligkeit betrachten (Beispiel).

Einige unerwartete positive Entwicklungen während dieses Jahres in den Kommunikationsgewohnheiten der OSMF verdanken wir der COVID19-Pandemie. Diese erzwang im Wesentlichen Änderungen, die zuvor bereits vorgeschlagen, aber abgelehnt worden waren:

Die Frage ist natürlich, wie nachhaltig diese positiven Entwicklungen sein werden oder ob die Entscheidungsträger trotz ihrer Nachteile der Exklusivität und der Umweltauswirkungen darauf drängen werden, frühere Gewohnheiten wiederherzustellen.

Sozialstruktur und Vielfalt innerhalb der OSMF

Eines der ersten Dinge, die der aktuelle OSMF-Vorstand während seiner Amtszeit tat, war die Einführung einer der so genannten Diversity-Erklärung – die ich kommentiert und ausführlich analysiert habe und die, wie erläutert, im Wesentlichen die englische Sprache und die anglo-amerikanische kulturelle Dominanz in der OSMF kodifiziert. Die praktischen Auswirkungen davon waren bisher relativ subtil, aber es werden einige Tendenzen sichtbar, was die Vielfalt in der OSMF betrifft.

Was als sehr positiver Schritt im letzten Jahr geschehen ist, ist, dass der Vorstand kostenlose Mitgliedschaft für aktive OSM-Mitarbeiter auf den Weg gebracht hat – als von den Mitgliedern in der letzten Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit beauftragt wurde. Sehr spät im Laufe des Jahres, im Wesentlichen in letzter Minute, damit die Bewerber bei der bevorstehenden Generalversammlung noch abstimmen konnten, aber dennoch geschah es, und es war anscheinend recht erfolgreich. Es ist unklar, ob und inwieweit sich dadurch die Mitgliederstruktur der OSMF verändert hat – es wurden bisher nur Gesamtstatistiken und keine separaten Zahlen über die nicht zahlenden Mitglieder veröffentlicht. Die Tatsache, dass das Antragsformular nur in englischer Sprache vorliegt (obwohl inzwischen separate Übersetzungen existieren), ist jedoch kein gutes Zeichen. Auf jeden Fall besteht einer der Hauptmängel des neu eingerichteten Systems darin, dass bei den Aktiven ohne ausreichende Mapping-Aktivitäten der Vorstand praktisch ohne externe Aufsicht darüber entscheidet, wer OSMF-Mitglied werden kann oder nicht, ohne einen Mitgliedsbeitrag zu zahlen, und wer infolgedessen unter anderem über die Zusammensetzung des Vorstands entscheiden kann.

Wenn ich über die Mitgliedschaft hinausblicke, ist die OSMF im vergangenen Jahr meist weniger vielfältig geworden. Das gilt für die Zusammensetzung des Vorstandes, der Arbeitsgruppen und der Personen, die Einfluss auf das Geschehen in der Organisation haben, ebenso wie für die Vielfalt im Arbeitsstil und in der Arbeitskultur. Der Vorstand ist jetzt ein rein männlicher Vorstand mit ausschließlich Mitgliedern aus Westeuropa und Nordamerika – vier englische Muttersprachler und drei Westeuropäer (aus Deutschland, Belgien und Luxemburg), die alle fließend Englisch sprechen. Keiner von ihnen hat einen kulturellen Hintergrund außerhalb Europas oder Nordamerikas.

In den Arbeitsgruppen können wir eine zunehmende Schwierigkeit bei der Rekrutierung qualifizierter Hobbyisten mit unterschiedlichem Hintergrund beobachten. Als Folge davon sahen wir einerseits, dass einige zunehmend von Firmenangestellten dominiert werden. Am deutlichsten wird dies in der Licensing Working Group, in der die beiden verbleibenden Mitglieder, die keine Firmenangestellten waren, im Laufe des letzten Jahres ausgetreten sind (Simon und Nuno) und die jetzt eine reine Firmenlobbygruppe ist (mit Ausnahme von Guillaume, der als Verbindung zum Vorstand fungiert).

Auf der anderen Seite beobachten wir auch einen Trend, dass Arbeitsgruppen innerhalb der OSMF zunehmend geschlossene und kulturell enge Ökosysteme bilden, die relativ enge und spezielle Interessen vertreten, diese aber so verfolgen, als wären sie die Interessen des gesamten OpenStreetMap-Projekts. Abgesehen von der LWG ist die Local Chapters and Communities Working Group hier das wichtigste Beispiel. Sie wurde im letzten Jahr gegründet und verfolgt im Wesentlichen die erwähnte Erklärung zur Vielfalt, jedoch ohne Verpflichtung auf die traditionellen Werte und Ziele des OpenStreetMap-Projekts oder mit dem glaubwürdigen Ziel, die volle Vielfalt der lokalen Gemeinschaften in OpenStreetMap zu repräsentieren (was in einem nur englischsprachigen Rahmen offensichtlich unmöglich ist).

Ein ziemlich massiver Trend, den wir im vergangenen Jahr beobachten konnten, war die Einrichtung zusätzlicher Ad-hoc-Komitees in der OSMF durch den Vorstand. Das erste dieser Komitees war der Diversity-Ausschuss. Der Vorstand wollte dafür zunächst eine neue Arbeitsgruppe einrichten, erkannte dann aber, dass es gegen die gängige Praxis des Vorstands verstößt, Arbeitsgruppen zu gründen. Also schufen sie einen so genannten Ausschuss – eine Art Arbeitsgruppe unter direkter Kontrolle des Vorstands. Später kamen das Microgrants-Komitee (Links zu Details zu den Mitgliedern) und der FOSS-Richtlinienausschuss hinzu. Die Anwerbung von Mitgliedern für diese nach außen erfolgte auf der Grundlage eines öffentlichen Aufrufs für Freiwillige, aber die tatsächliche Auswahl wurde vom Vorstand intransparent durchgeführt. Obwohl es den Anschein hat, als stünden diese Ausschüsse jedem offen, der sich daran beteiligen möchte, ist der Vorstand hier tatsächlich der aktive Torwächter, der sicherstellen kann, dass die Ausschüsse nach seinem Geschmack zusammengesetzt sind. Jenseits der politischen Präferenzen des Vorstandes (das Zitat von Guillaume aus einem anderen Kontext: People “whose work we know and enjoy” charakterisiert dies recht gut), scheint die Zusammensetzung der Ausschüsse in etwa auf der oben erwähnten Diversity-Erklärung zu basieren – es wurden strikt Personen ausgewählt, die nachweislich über gute Kommunikationsfähigkeiten in englischer Sprache verfügen, es wurde ein gewisser Aufwand in die weibliche Repräsentation gesteckt und ein gewisser exotischer Geschmack in Form von geographischer Vielfalt – aber streng genommen niemand mit irgendeiner Art kritischer Haltung gegenüber der vorherrschenden Organisationskultur in der OSMF. Ob dies auf die Auswahl durch den Vorstand oder auf den Mangel an Bewerbern zurückzuführen ist, weiß ich nicht – aber es spielt keine Rolle. Wenn sich der Vorstand das Recht vorbehält, die Zusammensetzung der Komitees nach eigenem Gutdünken und ohne Transparenz oder Aufsicht auszuwählen, macht dies die Komitees offensichtlich für Menschen mit einer weniger angepassten Kultur und Meinung unattraktiv.

Bislang hatten die Ausschüsse nicht viel Einfluss, selbst das Microgrants-Komitee wurde in seiner Auswahl im Wesentlichen vom Vorstand überstimmt, der mehrere nicht vom Ausschuss für eine separate finanzielle Unterstützung ausgewählte Eingaben von Hand auswählte. Es ist jedoch klar, dass der Vorstand hier mit Ideen experimentiert, wie zentral gesteuerte Strukturen innerhalb der OSMF eingerichtet werden können (im Gegensatz zu den Arbeitsgruppen, die traditionell einen hohen Grad an Unabhängigkeit haben). Für die bevorstehende Mitgliederversammlung liegt ein weiterer Vorschlag zur Abstimmung durch die Mitglieder vor, eine andere Art von Ausschuss einzurichten, der noch stärker vom Vorstand kontrolliert wird und an den der Vorstand tatsächlich wesentliche Entscheidungsbefugnisse delegieren könnte.

Eine bedeutende positive Veränderung in diesem Bereich, die wir im vergangenen Jahr sahen, war eine zunehmende Anzahl neuer lokaler Gemeinschaften, die vom OSMF offiziell anerkannt wurden. Dies ist definitiv eine positive Entwicklung. Der OSMF-Vorstand hat jedoch nicht den logischen Schritt unternommen, den lokalen Gemeinschaften ein substantielles Mitspracherecht und formelle Macht in der OSMF einzuräumen. Stattdessen haben sie eine Reihe ziemlich sprunghafter Schritte unternommen: De facto haben sie den Beirat aufgelöst, den lokalen Gemeinschaften einen etwa einmal im Jahr stattfindenden zehnminütigen Redezeitraum von zehn Minuten in öffentlichen Vorstandssitzungen – de facto in englischer Sprache gefordert – und zuletzt eine ziemlich ad hoc getroffene Entscheidung, ein Audio-Meeting mit Vertretern der lokalen Gemeinschaften abzuhalten – das offensichtlich ebenfalls in Englisch stattfand und daher hauptsächlich von englischen Muttersprachlern besucht wurde. Es scheint, dass der Vorstand hier im Wesentlichen im Engagement für die englische Sprache und die anglo-amerikanische kulturelle Dominanz in der OSMF feststeckt, verbunden mit der faktischen Unmöglichkeit, einen sinnvollen Diskurs mit den lokalen OSM-Gemeinschaften weltweit zu führen, ohne sich anderen Kulturen und Sprachen zu öffnen.

Checks and Balances innerhalb der OSMF, Befolgen von Regeln

Wir hatten in der Vergangenheit prominente Versäumnisse der OSMF bei der Befolgung ihrer eigenen Entscheidungen und ihrer Richtlinien – insbesondere die Krim-Entscheidung, bei der der Vorstand die gültigen Regeln der OSMF ignorierte, um eine politisch opportune Entscheidung zu treffen. In diesem Jahr hatten wir – in meiner Erinnerung – eine noch nie dagewesene Anzahl von Fällen, in denen der Vorstand bei seinen Entscheidungen und Handlungen die eigenen Regeln einfach ignorierte. Einige der prominenteren Fälle habe ich bereits in meinem früheren OSMF-bezogenen Blog-Post erwähnt.

Was wir im letzten Jahr ebenfalls gesehen haben, war das vollständige und auffällige Versagen der OSMF bei der Umsetzung wirksamer Maßnahmen zur Korruptionsprävention. Ich schrieb über das Problem der Korruption in und um die OSMF separat. Wie dort besprochen, hat der Vorstand im letzten Jahr den grob unzureichenden Status quo im Umgang mit Interessenkonflikten kodifiziert, obwohl es sowohl davor als auch danach Fälle gab, in denen er selbst diesen sehr schwachen Anforderungen nicht gerecht wurde. Als sie in jüngerer Zeit einen besonders offensichtlichen Fall von mangelndem Umgang mit Interessenkonflikten diskutierten, haben sie nicht nur keine sinnvollen Konsequenzen aus der nachgewiesenen Tatsache gezogen, dass sie nicht in der Lage sind, selbst ihre offensichtlichsten CoIs zuverlässig zu erkennen, sondern sie haben während des Treffens auch Witze darüber gemacht und damit ausdrücklich gezeigt, dass sie das Risiko der Korruption im OSMF-Vorstand nicht ernst nehmen.

All diese Dinge scheinen Symptome eines größeren Problems zu sein, nämlich des Fehlens einer sinnvollen Aufsicht und Kontrolle in der OSMF. Obwohl die OSMF-Mitglieder im Prinzip berechtigt sind, den Vorstand zu kontrollieren und sogar einzelne Vorstandsmitglieder mit einfacher Mehrheit zu entlassen, wird dieses Recht praktisch nie ausgeübt. Auch die Möglichkeit der Mitglieder, Beschlüsse in den Mitgliederversammlungen zu initiieren und zu beschließen, zwingt den Vorstand nicht dazu, bestimmte Dinge zu tun – etwa eine eigene Politik zu verfolgen. In den letzten Jahren war ich – oft zum (mitunter) stark artikulierten Unmut des Vorstands – die mit Abstand stärkste kritische Stimme innerhalb der OSMF, und ich war damit ziemlich allein – allerdings hatte ich in Einzelgesprächen mit anderen viel differenziertere Rückmeldungen sowohl von Leuten, die meiner Kritik zustimmten, als auch von denen, die ihr nicht zustimmten. Der Vorstand hat im Grunde genommen kurzfristig fast keinen praktischen Anreiz, seinen eigenen Regeln und Richtlinien zu folgen. Aber auf lange Sicht leidet darunter die allgemeine Glaubwürdigkeit der Organisation und ihre Fähigkeit, das OpenStreetMap-Projekt positiv zu beeinflussen, enorm.

Ökonomische Veränderungen

Die wohl einschneidendste Änderung, die der OSMF-Vorstand im vergangenen Jahr vorgenommen hat, ist die massive Erhöhung der geplanten Ausgaben der OSMF. Traditionell entfällt der größte Teil der Ausgaben der OSMF auf die Computerinfrastruktur. Kleinere Geldbeträge flossen unter anderem in Warenzeichen, persönliche Treffen der Vorstandsmitglieder und andere Dinge. Die SotM-Konferenz war ebenfalls ein größerer Kostenfaktor, brachte aber in der Regel auch mindestens so viel Geld ein, wie sie kostete. Fast die gesamte Arbeit in der OSMF, mit Ausnahme von Teilzeit-Administrationshilfe und spezialisierter Arbeit wie Buchhaltung, wurde von Freiwilligen geleistet. Die Kosten dafür wurden weitgehend durch Routinespenden, Einnahmen durch die SotM, individuelle Mitgliedsbeiträge und gezielte Spendenaktionen nach Bedarf gedeckt.

Durch das vor einigen Jahren eingeführte gestaffelte System der Firmenmitgliedschaft und mehrere große Bicoin-Spenden war die OSMF gegen Ende des letzten Jahres im Verhältnis zu den typischen jährlichen Ausgaben recht wohlhabend geworden, und vor diesem Hintergrund hat der Vorstand nun beschlossen, ziemlich beträchtliche Geldbeträge für bezahlte Arbeit verschiedener Art auszugeben. Diese Entscheidung kam innerhalb des Vorstandes – möglicherweise unter Einbeziehung externer Beratung, aber wenn dies der Fall war, wurde dies den Mitgliedern nicht mitgeteilt. Öffentliche Konsultationen zu dieser Angelegenheit fanden – entsprechend dem oben beschriebenen allgemeinen Muster – nur zu Teilen der Angelegenheit statt (insbesondere nicht zu den Projektausgaben) und erst nachdem sich die Vorstandsmitglieder bereits zu dem Thema entschieden hatten.

Ich habe bereits zu den wahrscheinlichen sozialen Auswirkungen dieses Wechsels zu mehr bezahlter Arbeit in der OSMF Stellung genommen. Die andere wichtige Auswirkung dieser Entwicklung ist, dass sie die wirtschaftliche Abhängigkeit der OSMF von Unternehmensgeldern massiv erhöht. Zuvor befand sich die OSMF in einer finanziell tragfähigen Lage, unabhängig von regelmäßigen Unternehmensbeiträgen, da die notwendigen Ausgaben durch Spendenaktionen und regelmäßige Spenden finanziert werden konnten. Dies ist derzeit nicht mehr nachhaltig, und dies wird sich in Zukunft noch verschärfen, da die massiven Personalausgaben wahrscheinlich zusätzliche, noch nicht eingeplante Verwaltungskosten verursachen werden.

Die Auswirkungen davon sind für den aufmerksamen Beobachter bereits sichtbar – große Unternehmen, die der OSMF finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, insbesondere Facebook, haben in den letzten 1-2 Jahren die Zuweisungsanforderungen der ODbL immer kühner ignoriert, und die OSMF hat es im vergangenen Jahr sorgfältig vermieden, in diesem Bereich irgendwelche substanziellen Maßnahmen zu ergreifen. Natürlich wird der OSMF-Vorstand die Idee, dass es einen Zusammenhang zwischen ihrem Nichthandeln in der Frage der Zuschreibung und der Bedeutung von Unternehmensbeiträgen für die finanzielle Gesundheit der OSMF auf lange Sicht gibt, entschieden zurückweisen. Aber die enorme wirtschaftliche Bedeutung, die der gute Wille der Konzerne für die OSMF jetzt hat, ist schwer zu leugnen. Die massenhafte Lobbyarbeit von Unternehmensvertretern in der LWG und in nichtöffentlichen Sitzungen und die Kommunikation von Unternehmensvertretern mit dem OSMF-Vorstand spricht für sich selbst.

Das Wichtige an der wichtigen strategischen Wende in der OSMF von der reinen ehrenamtlichen Arbeit hin zu einer zumindest teilweise bezahlten Arbeit ist, dass nicht dafür argumentiert wurde, dass die Vorteile dieser Arbeit die Nachteile und Risiken überwiegen – eine wirkliche Risikoanalyse wurde anscheinend nie durchgeführt. Das Hauptargument war im Wesentlichen, dass es sich um einen Wechsel ohne Alternativen handelt. Angesichts der wahrscheinlichen Auswirkungen auf die Motivation der Freiwilligen ist die Notwendigkeit dieser Änderung natürlich eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Legislative Änderungen

Ein Bereich, in dem im vergangenen Jahr relativ wenig Wirkung erzielt wurde, ist der Bereich der Legislative. Der Vorstand beschloss und veröffentlichte eine recht große Anzahl von internen Grundsatzdokumenten, aber angesichts der lockeren Praxis des Vorstands, seinen eigenen Regeln zu folgen, sind diese nicht viel mehr als momentane Absichtsbekundungen und nicht etwas, auf das man sich langfristig verlassen kann.

Die einzige größere legislative Entwicklung im letzten Jahr war die weitere Ausarbeitung einer offiziellen Richtlinie über die Quellennennung bei der Nutzung von OSM-Daten. Die LWG (die, wie ich bereits erwähnt habe, von Mitarbeitern von Datennutzern in Unternehmen dominiert wird) hat im Wesentlichen eine Wunschliste entworfen, wie sie sich die OSMF vorstellen, die Lizenz kurzfristig am vorteilhaftesten für sie auszulegen. Der Vorstand hat einige sehr geringfügige Änderungen daran vorgenommen, die von den korporativen Personen in der LWG sofort stark abgelehnt wurden.

Die Hobby-Mapper-Gemeinschaft hat sowohl die LWG als auch den Board-Entwurf als völlig unzureichend abgelehnt, insbesondere die Tatsache, dass sie – ohne jegliche Grundlage in der ODbL – beabsichtigen, den Datennutzern die Möglichkeit einzuräumen, die Attribution für die Nutzung von OSM-Daten nicht anzuzeigen, wenn dies für sie unbequem ist. Ich habe versucht, die Ansichten der Kartierungsgemeinschaft in einem unabhängigen Entwurf für eine Anleitung zur Attribution zusammenzufassen – der, genau wie die kritischen Anmerkungen anderer in der Gemeinschaft, von der LWG und dem Vorstand weitgehend ignoriert worden zu sein scheint.

Im Moment ist nicht klar, was an dieser Front geschehen wird – ob der Vorstand gegen die Hände, die das OSMF sozusagen füttern, Stellung beziehen wird oder ob er den Interessen der Nutzer von Unternehmensdaten entgegenkommt und die Möglichkeit eines offenen Bruchs mit der Craft Mapping Community akzeptiert.

Was an der politischen Front ebenfalls nicht geschehen ist, ist, dass der Vorstand – obwohl die Notwendigkeit von Entscheidungen und Maßnahmen seit mehr als einem Jahr ziemlich klar ist und von der LWG seit geraumer Zeit gefordert wird – keine Schritte bezüglich des bevorstehenden Brexit und der daraus resultierenden rechtlichen und praktischen operationellen Risiken für die OSMF unternommen hat (als formelle britische Organisation, deren Hauptfunktion jedoch eng mit der EU-Gesetzgebung zum Schutz von Datenbanken verbunden ist). Es ist beunruhigend, dass der Vorstand viel Zeit und Geld in andere Bereiche investiert, während er an der Brexit-Front nichts Wesentliches unternimmt (zumindest nichts, was für die Mitglieder oder die Öffentlichkeit sichtbar ist, insbesondere haben sie bisher offenbar weder beschlossen, sich auf einen Umzug vorzubereiten, noch haben sie beschlossen, definitiv im Vereinigten Königreich zu bleiben).

Schlussfolgerungen

Insgesamt erscheint dieser Rückblick auf das vergangene Jahr wahrscheinlich wie eine ziemlich massive Liste von Beschwerden in Bezug auf die Arbeit der OSMF in diesem Zeitraum mit nur wenigen hellen Lichtern dazwischen. Ich möchte daher betonen, dass diese Entwicklungen zum größten Teil nicht das Ergebnis böswilliger Absichten sind. Soweit ich sehen kann, hat der OSMF-Vorstand mit vielen der Veränderungen, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurden, die ich oben aufgelistet habe, gute Absichten, indem er versucht, Themen anzugehen, die er aus seiner eigenen Perspektive und aufgrund der Stimmen innerhalb der OSM-Gemeinschaft, auf die er hört, als dringend erachtet. Doch leider scheinen sie sich der problematischen Konsequenzen und Risiken nicht bewusst zu sein, die viele dieser Veränderungen haben werden – aufgrund ihrer eigenen Unfähigkeit, sie zu erkennen, und der mangelnden Bereitschaft, sich mit den Argumenten und Überlegungen derjenigen auseinanderzusetzen, die eine kritischere Sichtweise haben. Wie ich bereits früher zum Ausdruck gebracht habe, scheint der derzeitige Vorstand seine öffentliche Kommunikation hauptsächlich als eine Verhandlung verschiedener Interessen zu betrachten, so dass kritische Argumente bezüglich der Änderungen, die der Vorstand plant vorwiegend als konservative Interessen wahrgenommen werden, die die Dinge rein aus Konservatismus so belassen wollen, wie sie sind, und als solche abgewiesen werden. Die Möglichkeit, dass die volle Vielfalt der Perspektiven in dem Projekt (die viele von uns sowohl als Herausforderung als auch als höchst lohnenden Aspekt von OpenStreetMap ansehen) nicht nur wertvoll, sondern auch wesentlich ist, um die Lücken im Verständnis der sozialen Mechanismen innerhalb des Projekts zu füllen, die jeder von uns (einschließlich der Vorstandsmitglieder) hat, scheint nicht auf dem Radar der Vorstandsmitglieder zu liegen. Da es sich um eine Gruppe von sieben Personen handelt, die sich oft intensiv mit der internen Kommunikation untereinander beschäftigen und oft wochenlang mit den gleichen Angelegenheiten befasst sind, hat der Vorstand ein viel höheres Risiko, den falschen Eindruck zu bekommen, dass ihre kollektive Wahrnehmung des Projekts ausreicht, um gute Entscheidungen zu treffen, ohne sich auf eine offene Diskussion mit anderen Ansichten einzulassen.

Im zweiten Teil werde ich auf der Grundlage dessen, was wir in diesem Jahr gesehen haben, einen Ausblick auf die wahrscheinlichen Entwicklungen für die kommenden Jahre in der OSMF geben. Dies soll konkreter veranschaulichen, warum ich viele der Entwicklungen des vergangenen Jahres kritisch sehe. Es soll aber auch eine Art öffentlicher Testfall für meine Argumentation sein – wenn ich in meinen Vorhersagen falsch liege, würde mich das freuen und ich gebe dann gerne zu, dass ich die Situation falsch eingeschätzt habe. Wenn ich aber Recht habe, kann im Nachhinein niemand sagen, dass er von den Entwicklungen überrascht wurde.

12. Oktober 2020
von chris
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Neue Bilder zum Mappen

Nach mehr als einem Jahr ohne Änderungen habe ich jetzt eine Reihe neuer Bilder in meiner Sammlung von Bildern zum Mappen in OpenStreetMap bereitgestellt. Der Grund für die Pause war, dass ich einige Änderungen am System zur Bereitstellung der Bilder durchführen musste, damit das ganze besser skaliert, nachdem die Kachel-Datenbank auf mehr als 10GB angewachsen war.

Was ich jetzt hinzugefügt habe ist folgendes:

Ein neues Sentinel-2-Bild der Uschakow-Insel – der letzten größeren auf der Erde 1935 entdeckten Insel – welche durch sich verändernde Eisränder eine Aktualisierung der Küstenlinien in OSM vertragen könnte.

Zwei neue Landsat-Bilder von Nordgrönland von diesem Jahr – das erste von Anfang Juli und das zweite von Ende Juli. Beide weisen einen ganz erheblichen Wolkenanteil auf, weshalb man schauen muss, welches in der Gegend, wo man mappen möchte, besser ist. Die älteren Bilder der Gegend sind daneben auch immer noch verfügbar.

Ein Herbstfarben-Bild von Sentinel-2 von 2019 von den östlichen Alpen, welches das entsprechende Bild der Westalpen, welches schon länger verfügbar ist, ergänzt. Dies ist nützlich für die Erfassung von leaf_cycle von Wäldern und in einigen Gegenden auch für die Aktualisierung der Gletscher-Ausdehnungen. Aber Vorsicht dabei – im Oktober gibt es natürlich auch teilweise schon Neuschnee auf dem Bild.

Ein aktualisiertes Bild des Vostochny-Cosmodroms und Umgebung im Osten Russlands vom September diesen Jahres mit Herbstfarben zusätzlich zum aktuellen Stand der Bauarbeiten.

Alle neuen Bilder sind vermutlich bald in den Editoren verfügbar – wer nicht warten kann, kann die Bilder auch manuell einbinden mit Hilfe der Links, welche auf meiner Voransichts-Karte zu sehen sind.

2. Oktober 2020
von chris
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Herbstfarben 2020

Ein paar Eindrücke von Herbstfarben diesen Jahres aus der Satelliten-Perspektive.

Östliches Franz-Josef-Land im Herbst 2020

Das erste Bild ist ein Eindruck vom Osten von Franz-Josef-Land (mit der Graham-Bell-Insel und Wilczek-Land in der Mitte) mit einer Mischung von den letzten Spuren der Schnee- und Eisschmelze des Sommers in Form der bläulichen Färbung des Gletschereises und ersten Anzeichen von Schnee und Frost auf den nicht eisbedeckten Bereichen.

Das zweite Bild ist ein Blick auf die Gegend südlich des Suntar-Chajata-Gebirges im fernen Osten Russlands.

Südlich des Suntar-Chajata-Gebirges in Herbst 2020

In dieser Gegend heben die Herbstfarben sehr gut die Unterschiede zwischen den zwei am weitesten verbreiteten Baumarten im nordöstlichen Sibirien hervor – Larix gmelinii (Dahurische Lärche) and Pinus pumila (Zwerg-Kiefer). Die Lärchen zeigen im Herbst eine gelb-orangene Färbung, während die Kiefern grün bleiben.

Die Lärchen dominieren oft in den Tälern um die Flüsse herum, während die Kiefern an den höheren Hängen nahe der Baumgrenze verbreitet sind.

Was sich auch sehr schön in diesem Bild beobachten lässt, ist Aufeis oder naled in den Tälern in größerer Höhe, wo das Wasser der Flüsse, wenn es im Winter bei Frost Landflächen überschwemmt, dicke Eisschichten bilden kann, welches, wie man hier sehen kann, teils nicht vollständig über den Sommer auftauen und somit kontrastreich in Weiß auf Bildern zu sehen sind.

Weiter in Richtung Süden werden die Baumarten vielfältiger und die Interpretation der Farben somit schwieriger. Auch ist hier die Herbstfärbung noch nicht so weit fortgeschritten.

Das dritte und letzte Bild ist von der Kamtschatka-Halbinsel und zeigt in hellem Weiß den frisch schneebedeckten Kegel des Kronotsky inmitten der dunkleren und bunten Herbstfarben der Gegend.

Kronotsky, Kamtschatka im Herbst 2020

Alle Bilder auf Grundlage von Copernicus-Sentinel-2-Daten. Zur Orientierung: Die Orte aller gezeigten Ansichten finden sich hier:

14. September 2020
von chris
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OSMF-Jahreshauptversammlung und Vorstandswahlen

Deutsche Version auf Grundlage von automatischer Übersetzung durch deepl – nachbearbeitet zur Korrektur von groben Fehlern.

Das Datum für die diesjährige Jahreshauptversammlung des OSMF mit der Wahl von drei Vorstandsmitgliedern wurde vor einigen Tagen bekannt gegeben. Da ich in den vergangenen Jahren recht ausführlich über die Vorstandswahlen der OSMF berichtet habe, werden einige wahrscheinlich erwarten, dass ich dies dieses Jahr wieder tun werde. Ich habe mich jedoch entschieden, dies nicht zu tun. Es wird voraussichtlich keinen detaillierten Kommentar zu den Kandidaten, zur Mitgliederstruktur der OSMF oder zur Analyse der Wahlergebnisse von mir geben. Ich möchte ein wenig den Hintergrund erklären, der mich dazu veranlasst hat.

Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal in der Geschichte meines Engagements in OpenStreetMap eine konkrete Abstimmungsempfehlung für die OSMF-Vorstandswahlen gegeben. Im Rückblick muss ich jedoch sagen, dass sich diese Empfehlung als falsch herausgestellt hat. Nicht in dem Sinne, dass sich die empfohlenen Kandidaten eindeutig als schlechtere Wahl herausstellten als andere, die kandidierten, sondern in dem Sinne, dass meine Empfehlungen auf Erwartungen beruhten, die sich als falsch erwiesen. Oder mit anderen Worten: Selbst wenn die Empfehlungen, die ich ausgesprochen habe, unter Berücksichtigung der Alternativen richtig waren, habe ich sie aus den falschen Gründen gemacht.

Es gibt eine große Anzahl von Beobachtungen, die mich zusammen genommen zu dieser kritischen Beurteilung geführt haben, aber die offensichtlichste und am leichtesten zu verstehende ist wahrscheinlich die folgende: Die vom Vorstand 2016 eingeführten öffentlichen Vorstandssitzungen wurden weithin als ein höchst bedeutsamer Schritt in Richtung einer besseren Transparenz der OSMF und als grundlegend für eine bessere Aufsicht und Kontrolle über den OSMF-Vorstand durch die OSMF-Mitglieder angesehen. Im Laufe der Jahre hatten viele der öffentlichen Diskussionen über die OSMF-Politik in der OSMF-Gemeinschaft ihren Ursprung in diesen Sitzungen, und sie haben sich zu einer entscheidenden Komponente der OSMF-Mitglieder entwickelt, ihre Rolle als Aufsichtsorgan über den Vorstand auszuüben. Als daher im Wahlkampf vor den letzten Vorstandswahlen einer der Kandidaten (Steve Coast) den Wunsch äußerte, die Sitzungen wieder zu schließen, wurde dies weithin als eine schlecht beratene, revisionistische Idee betrachtet, die auf einer elitären Haltung und der Nichtbeachtung der sozialen Dynamik zwischen der OSMF und der OSM-Gemeinschaft beruhte. Dennoch begann der neue Vorstand im Mai damit, die Hälfte der Sitzungen für die Öffentlichkeit zu schließen, und stellte im Wesentlichen jegliche substantielle Beratung über Entscheidungen während der öffentlichen Sitzungen ein – oder anders ausgedrückt: Sie haben beschlossen, den neuen, mehr parlamentarischeren Charakter des Vorstands, wie ich ihn in meiner letzten Analyse nach der Wahl erklärt habe, ausdrücklich nicht anzunehmen. Das Ganze wurde etwas verschleiert, indem man die nicht-öffentlichen Vorstandssitzungen als “Vorstands-Gepräche” bezeichnete, aber es ist klar ersichtlich, dass es sich dabei in Wirklichkeit um Vorstandssitzungen handelt – wahrscheinlich mehr noch als bei den eigentlichen öffentlichen Vorstandssitzungen, die mehr und mehr zu einem Theaterstück degradieren, das der Öffentlichkeit als Fassade präsentiert wird, während die eigentliche Entscheidungsfindung jetzt vollständig nicht-öffentlich geschieht.

Ein weiteres Beispiel für eine überraschende Entwicklung war, dass bei der praktischen Umsetzung des Microgrants-Programms, das schließlich nach mehreren Jahren Planung und Diskussion Ende letzten Jahres auf den Weg gebracht wurde, der Rahmen, den der vorherige Vorstand festgelegt hatte, mit dem Segen und in Teilen sogar auf Initiative des Vorstands – aber ohne den Rahmen selbst tatsächlich zu revidieren, fast vollständig ignoriert wurde.

Lange Rede, kurzer Sinn – vieles von dem, was der derzeitige Vorstand tut, scheint nicht sehr gut durchdacht oder erratisch zu sein, oder scheint schlicht und einfach aus der Außenperspektive nicht viel Sinn zu machen. Und dies ist nicht nur mein persönlicher Eindruck. Verwirrung und Besorgnis über viele der neueren Vorstandsentscheidungen sind unter erfahrenen Aktiven ziemlich weit verbreitet. Viele artikulieren das sorgfältiger und weniger pointiert als ich, aber die allgemeine Stimmung ist oft ähnlich. Und die faktische Weigerung der Vorstandsmitglieder, sich auf eine kritische, argumentative Diskussion in der Öffentlichkeit einzulassen, hilft dabei nicht weiter.

Das soll nicht heißen, dass alles, was der Vorstand im vergangenen Jahr getan hat, schlecht ist oder auf fehlgeleiteten Beweggründen beruht. Ganz und gar nicht. Der Vorstand hat versucht, sich mit einer Reihe von sehr wichtigen Angelegenheiten auseinanderzusetzen, auch mit solchen, mit denen sich frühere Vorstände viele Jahre lang nicht befasst haben. Dabei haben sie sich jedoch zu sehr auf ihren engen persönlichen Horizont und die Echokammer ihrer internen Kommunikation konzentriert und es infolgedessen versäumt, Aspekte der von ihnen behandelten Angelegenheiten zu sehen oder richtig anzugehen, was zu der erwähnten Verwirrung und Besorgnis geführt hat.

Das soll auch nicht heißen, dass das, was der derzeitige Vorstand seit der letzten Wahl getan hat, generell unpopulär war. Ganz im Gegenteil. Insbesondere die Entscheidung, im Vergleich zu den Vorjahren in relativ großem Umfang Geld auszugeben (wobei bisher, soweit ich es sehe, zwischen einer viertel und einer drittel Million Euro zum Jahresbudget hinzukamen), hat viel Interesse und Unterstützung erhalten, insbesondere von Personen und Organisationen, die hoffen, dass ein Teil dieses Geldes zur Unterstützung ihrer spezifischen Interessen verwendet werden könnte oder dass die OSMF zu einer aktiveren Rolle übergehen könnte, um die OSMF-Gemeinschaft in eine Richtung zu lenken, die im Interesse der OSMF-Mitglieder oder der Geldgeber der Organisation liegt.

Wie ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe, werden diese ziemlich massiven Veränderungen dazu führen, dass immer mehr Menschen beginnen, die OSMF als einen kommerziellen Akteur zu betrachten, der spezifische Interessen vertritt, und nicht als einen selbstlosen Verfechter und Unterstützer der Werte des Projekts und seiner Kerninteressen und Ziele. Ich beobachte mich selbst dabei, die OSMF zunehmend in dieser Weise zu betrachten. Im Allgemeinen versuche ich, meine Freizeit in Bereiche zu investieren, in denen ich etwas Positives bewirken kann, in denen die Menschen offen sind für die Argumente und Überlegungen, die ich liefern kann, und in denen die Menschen bereit sind, sich an einer offenen Diskussion zu beteiligen, die ihnen und mir neue Einsichten bringt. Im letzten halben Jahr ist dies im OSMF immer weniger der Fall. Daher ist meine Motivation, zu den politischen Prozessen innerhalb des OSMF beizutragen, nicht mehr sehr groß.

Was Sie zwischen den Zeilen im obigen Text lesen können, ist auch, dass ich glaube, dass die bevorstehenden Wahlen wahrscheinlich nichts Wesentliches in Richtung des OSMF ändern werden. Diese Richtung der OSMF hat sich im vergangenen Jahr massiv verändert, und auch wenn die anstehenden Wahlen drei neue Vorstandsmitglieder hervorbringen sollten, die massiv in eine andere Richtung steuern wollen, würde das – in Kombination mit vier verbleibenden Vorstandsmitgliedern und ihren im vergangenen Jahr gefestigten politischen Überzeugungen – nur das Potential haben, weitere Veränderungen zu blockieren. Sie würde jedoch die im vergangenen Jahr vorgenommenen Änderungen nicht revidieren, die daher zwangsläufig weiterhin ihren Einfluss auf die soziale Dynamik innerhalb des Projekts und innerhalb des OSMF haben werden. Damit soll nicht gesagt werden, dass es keine Rolle spielt, ob und wen man bei der bevorstehenden Wahl wählt. Natürlich gibt es Charaktereigenschaften und Qualifikationen, die bei Vorstandsmitgliedern hilfreich sein könnten, um die genannten Probleme anzugehen (wie die nachgewiesene Fähigkeit, die eigenen Handlungen und Entscheidungen kritisch zu bewerten sowie die Fähigkeit, Dinge jenseits des eigenen Horizonts zu erkennen und zu würdigen – ganz zu schweigen davon, dass ein paar Frauen oder Menschen mit kulturellem Hintergrund von außerhalb Europas und Nordamerikas hier offensichtlich helfen könnten), aber ich habe kein Vertrauen, dass ein bestimmter Kandidat letztlich einen bedeutenden Unterschied machen könnte und vor allem nicht, dass ich in der Lage wäre, einen solchen Kandidaten zu identifizieren.

Was ich wahrscheinlich vor den Wahlen tun werde, ist ein Rückblick auf die wichtigsten Veränderungen, die im vergangenen Jahr in der OSMF vorgenommen wurden, und eine Prognose, in welche Richtung sich die OSMF in den nächsten Jahren auf der Grundlage dieser Veränderungen entwickeln wird. Viele der jüngsten Entscheidungen mit weitreichenden Auswirkungen haben sich noch nicht in praktischen, für alle deutlich sichtbaren Veränderungen manifestiert, aber viele von ihnen erlauben eine ziemlich klare Prognose dessen, was auf der Grundlage des wirtschaftlichen und sozialen Kontextes, in dem sie stattfinden, geschehen wird. Die OSM-Gemeinschaft wird sich in Zukunft wahrscheinlich öfter als in der Vergangenheit mit einer feindlichen OSMF auseinandersetzen müssen – nicht so sehr aufgrund von Entscheidungen, die bewusst gegen die Interessen und Ziele des Projekts getroffen wurden, sondern vielmehr aufgrund von Nachlässigkeiten bei der Abwägung der Konsequenzen und des Hörens auf schlechte Ratschläge, die von Partikularinteressen geleitet werden. Um damit umzugehen, wird es nützlich sein, im Voraus eine Vorstellung von den bevorstehenden Entwicklungen zu haben.

28. August 2020
von chris
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Winteransicht südliche Sandwichinseln

Ich habe hier zuvor schon sowohl Sommer– als auch Winteransichten der Südlichen Sandwichinseln gezeigt, ein kürzliches Fenster mit klarem Wetter hat jedoch die Gelegenheit geboten, eine deutlich besseres Winterbild auf Grundlage von Sentinel-2-Daten zu produzieren.

South Sandwich Islands in Winter 2020

Die Meereis-Bedeckung reicht dieses Jahr ziemlich weit nach Norden, oft endet das Eis im Winter irgendwo zwischen den Inseln, dieses Jahr reicht es jedoch bis 55 Grad Breite nach Norden – weiter nördlich also als Kap Hoorn.


Das Bild findet sich wie üblich im Katalog auf services.imagico.de.