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14. Februar 2020
von chris
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Die Reise eines Eisbergs

Vor zweieinhalb Jahren habe ich Bilder von der Entstehung eines großen Eisberges an der Ostküste der antarktischen Halbinsel gezeigt, welcher mehr als hundert Kilometer lang ist. Dieser Eisberg hat sich seit dem langsam von seiner ursprünglichen Position un nördliche Richtung weg bewegt, der allgemeinen Richtung der Eisbewegung im Weddell-Meer folgend und ist jetzt dabei, den Bereich des ganzjährigen Treibeises zu verlassen und in den offenen Ozean zu schwimmen. Vor ein paar Tagen wurden bei gutem Wetter die folgenden Ansichten von Satelliten aufgenommen, welche diese recht eindrucksvolle Situation zeigen.

Zunächst eine großräumige Ansicht auf Grundlage von Sentinel-3A-Daten, welche die enorme Größe des Eisberges zeigt, welche die kleineren Inseln um die antarktische Halbinsel herum in den Schatten stellt.

Eisberg A-68 im Februar 2020

Das zweite Bild ist detaillierter und wurde von Sentinel-2B aufgenommen und bietet einen guten Eindruck der Details des Eisberges selbst.

Eisberg A-68 Nahansicht

Wenngleich dies auf der Oberfläche des Eisberges in seiner Gesamtheit – welche von eine dicken Schneeschicht bedeckt ist – noch nicht zu sehen ist, schmilzt das Eis auf dem Weg nach Norden jetzt im Sommer sowohl von der Unterseite als auch von der Oberseite des Eisberges recht stark. Man kann dies an einem kleinen Bereich von Meereis erkennen, welcher am südöstlichen Ende am Eisberg hängt – wie auf dem folgenden Ausschnitt zu sehen.

Eisberg A-68 Detail

Obwohl das Eis schnell schmilzt und sich dieser Prozess weiter beschleunigen wird, wenn der Eisberg weiter nach Norden driftet, kann es viele Jahre dauern, bis der Eisberg sich vollständig aufgelöst hat. Wenn das Eis dünner wird, wird es vermutlich irgendwann in mehrere kleinere Teile zerbrechen, welche recht weit nach Norden gelangen können – ich habe 2017 zum Beispiel ein ziemlich großes Stück eines solchen Eisberges nördlich von Südgeorgien bei 54 Grad Breite gezeigt. Der hier diskutierte Eisberg wird sich vermutlich in eine ähnliche Richtung bewegen.

18. Januar 2020
von chris
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Risiken und Widerstandsfähigkeit gegen solche im OpenStreetMap-Projekt

Es findet derzeit gerade eine Ideen-Sammlung im OpenStreetMap-Wiki statt in Form einer SWOT-Analyse, initiiert von Allan Mustard, neugewähltem Vorstandsmitglied der OpenStreetMap-Foundation. Herausgekommen ist bereits eine interessante und weiter wachsende Sammlung von Ansichten, Ideen, Wünschen und auch Beschwerden über das Projekt aus verschiedenen Perspektiven und ich empfehle jedem, sich das durchzulesen und ggf. auch eigene Ideen beizutragen.

Die gewählte Form, die SWOT-Analyse, ist ein für verschiedene Zwecke im Management von Unternehmen verbreitetes und beliebtes Instrument. Ich halte von den meisten dieser Anwendungen nicht viel, insbesondere wenn man sie im nicht unternehmerischen Bereich anwendet. Als Grundlage einer ersten Ideensammlung ist dies jedoch völlig in Ordnung. Man muss aber sehr aufpassen, wie man diese Ideen dann analysiert und interpretiert, denn es ist sehr einfach, dabei eigene Präferenzen und Wünsche hineinzulesen.

Was ich hier machen möchte ist, diesen Ansatz dazu zu verwenden, einen Blick auf das OpenStreetMap-Projekt zu werfen in Bezug auf die Risiken, die ihm gegenüber stehen und wie widerstandsfähig das Projekt gegenüber Bedrohungen ist, denen es sich in Zukunft möglicherweise gegenüber sieht. Die OSMF hat es in der Vergangenheit weitgehend versäumt, einen systematischen Blick auf dieses Thema zu werfen und es ist wirklich Zeit, dass sich dies ändert. Ich bin mir natürlich nicht sicher, ob es tatsächlich vom OSMF-Vorstand geplant ist, so etwas auf dieser Ideensammlung aufzubauen oder ob da eher klassische Ideen der unternehmerischen Optimierung drauf aufbauen sollen – das wird man sehen müssen.

Ich bin natürlich hierbei auch geprägt durch meine persönliche Sichtweise auf die Dinge, werde aber versuchen, auch zu erklären, warum ich die Dinge so sehe, wie ich das tue und viele der im Folgenden dargelegten Zusammenhänge habe ich auch bereits früher detaillierter erläutert und dazu argumentiert.

Die Subjektivität bei der Einordnung in negativ und positiv

Was SWOT macht ist, ein Projekt oder ein Unternehmen in Bezug auf dessen Chancen und Risiken zu analysieren und zwar in vier Kategorien über zwei Dimensionen, nämlich innere Faktoren (strengths and weaknesses) und äußere Faktoren (opportunities and threats) bzw. positive Faktoren (strengths and opportunities) und negative Faktoren (weaknesses and threats). Der häufigste Fehler, der dabei gemacht wird, ist es, innere und äußere Faktoren zu vermischen. Das schwierigere Problem ist jedoch die Unterscheidung zwischen positiven und negativen Faktoren. Diese Unterscheidung hängt maßgeblich vom Standpunkt des Betrachters und von den angenommenen Zielen ab. Ich möchte dafür zwei Beispiel geben.

  • Falls vor 15 Jahren, als OpenStreetMap gerade begann, irgendein Manager eine SWOT-Analyse vom Projekt gemacht hätte, hätte man vermutlich das Fehlen von Leuten mit formeller Qualifikation oder Training im Bereich Kartographie oder Geodaten-Verarbeitung als eine der großen Schwächen identifiziert. Später hat sich jedoch herausgestellt, dass dies eine der großen Stärken war, denn es hat verhindert, dass OpenStreetMap all die veralteten und nicht nachhaltigen Prinzipien der Welt der professionellen Kartographie zu der damaligen Zeit übernimmt und es hat OpenStreetMap erlaubt, schnell eine große Zahl an freiwilligen Mappern mit fundiertem lokalen Wissen zu rekrutieren.
  • Wie ich vielfach schon dargelegt habe, halte ich das Prinzip der Überprüfbarkeit bei OpenStreetMap für eine der grundlegenden Regeln und Werte des Projektes, welches die gleichbereichtigte Zusammenarbeit im Projekt über kulturelle Grenzen hinweg ohne einseitige kulturelle Dominanz ermöglicht. Gleichzeitig betrachte ich die Tatsache, dass die OSM-Datenbank eine ganze Menge nicht überprüfbare Daten beinhaltet, als eine erhebliche Schwäche. Viele Datennutzer jedoch, welche in ihren Karten Bedarf an nicht überprüfbaren Daten haben, wie zum Beispiel Gebietsansprüchen von Staaten, hätten es gerne, wenn OpenStreetMap mehr solche nicht überprüfbaren Daten mit einbeziehen würde und betrachten deshalb ihr Fehlen als eine Schwäche.

Lange Geschichte kurzer Sinn – was jemand auf der positiv- und auf der negativ-Seite einer SWOT-Analyse auflistet, ist recht subjektiv und hängt sowohl von der Tiefe des Verständnisses für das Projekt und sein Umfeld bei der Person, welche die Analyse durchführt, ab, als auch von den Zielen, für welche die Analyse durchgeführt wird.

Zum Zwecke dieses Beitrags werde ich als das Ziel des OpenStreetMap-Projektes die Sammlung von überprüfbarem lokalem geographischem Wissen durch gleichberechtigte und selbstbestimmte Zusammenarbeit von Individuen in einer global einheitlichen offenen Datenbank annehmen.

Innere und äußere Faktoren

Obwohl die korrekte Identifikation innerer und äußerer Faktoren am Ende nicht so schwierig sein sollte, versagt eine solche binäre Klassifikation bei OpenStreetMap, da sie nicht die Komplexität der Situation berücksichtigt, insbesondere wenn man die Dinge aus der Perspektive der OpenStreetMap Foundation betrachtet.

Außenstehenden fällt es oft schwer, diese Zusammenhänge zu erkennen, denn sie nehmen in Analogie zu anderen Projekten OpenStreetMap oft als eine eigene Organisation wahr. Das ist jedoch nicht richtig. OpenStreetMap ist ein recht lose zusammenhängendes soziales Projekt, in dem Leute mit dem Ziel zusammenarbeiten, gemeinsam die Welt zu kartieren auf Grundlage von lokalem Wissen und das Ergebnis in einer offenen Datenbank zu speichern und zu pflegen. Die OpenStreetMap Foundation ist eine Organisation, welche gegründet wurde, um dieses soziale Projekt durch Infrastruktur und andere Mittel zu unterstützen. Die OSMF hat jedoch kein Mandat, das Projekt zu führen oder zu kontrollieren.

Aufgrund dieser Struktur würde ein Blick auf OpenStreetMap mittels SWOT es im Grunde erfordern, OpenStreetMap und die OSMF in eine einheitliche, hypothetische virtuelle Organisation zusammenzufassen und deren Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zu analysieren. Dies würde jedoch ein unvollständiges und verzerrtes Bild ergeben, denn diese Entität aus OpenStreetMap und der OSMF zusammen existiert ja im Grunde gar nicht. Deshalb möchte ich hier den Blick auf das System aus dem sozialen Projekt OpenStreetmap und der OSMF etwas umfassender gestalten.

Dafür werde ich zunächst getrennt eine Blick auf die Stärken und Schwächen von OpenStreetMap und der OSMF werfen. Im folgenden gezeigt ist, was ich zusammengefasst als deren Stärken und Schwächen identifiziert habe, und zwar auf Grundlage des oben formulierten Ziels und natürlich aus meiner persönlichen Perspektive. Dies soll kein Ersatz sein für die umfassendere Ideensammlung im Wiki, die ich oben verlinkt habe, sondern wie dargelegt explizit die Unterschiede zwischen OpenStreetMap als sozialem Projekt und der OSMF herausarbeiten.

Stärken von OpenStreetMap

  • Das Projekt ist erfolgreich darin, im Sinne seiner Ziele Menschen über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg die Zusammenarbeit zu ermöglichen und man kann davon ausgehen, dass dies auch in einem sich verändernden technischen und wirtschaftlichen Umfeld in der Zukunft weiter funktionieren kann. OpenStreetMap ist in dieser Hinsicht einzigartig, kein anderes Projekt versucht derzeit in einer vergleichbaren Art und Weise, Menschen aus verschiedenen Kulturen in völlig gleichberechtigter Arbeitsweise die Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel zu ermöglichen.
  • Die Organisation des Projektes ist sowohl in sozialer als auch in technischer Hinsicht recht stark verteilt und dezentral und benötigt nur sehr wenig zentrale Infrastruktur und Management.
  • Das Projekt verwendet ein flexibles und generisches Datenmodell, welches angepasst werden kann, um verschiedenste geographische Elemente in unterschiedlicher Form abzubilden.
  • Die Datenbasis des Projektes ist sowohl in der räumlichen Breite als auch in der Tiefe im Detail in vielen Gegenden von hohem Interesse recht gut und in vielen Aspekten konkurrenzfähig mit alternativen Datenquellen.
  • Die Offenheit zur Bearbeitung durch jeden erlaubt es OSM, sich verändernde geographische Gegebenheiten schnell abzubilden und eine sehr stark diversifizierte Sammlung von Informationen zu produzieren.
  • Es gibt eine recht großes Umfeld von Software- und Karten-Entwicklung um das Projekt herum.
  • Werkzeuge für Mapper sind größtenteils in einem breiten Spektrum von Sprachen verfügbar, was es einer großen Zahl von Leuten erlaubt, mir geringen sprachlichen Barrieren am Projekt beteiligt zu sein.
  • Es gibt in vielen Teilen der Welt aktive lokale Mapper-Gemeinschaften.
  • Die OSM-Community hat eine recht gut funktionierende Kultur der internationalen Kommunikation zwischen Mappern entwickelt und etabliert, welche meist in der Lage ist, Konflikte nach dem Prinzip der Hoheit der lokalen Gemeinschaft über ihre Region und der Überprüfbarkeit vor Ort zu lösen.
  • Die Lizenz der Daten hat bis jetzt weitgehend erfolgreich die Entstehung nicht offener abgeleitete Datensätze verhindert und stellt eine Quellennennung sicher (oder legt sie zumindest nahe).

Schwächen von OpenStreetMap

  • Die Zahl der aktiven Community-Mitglieder, die sich stark mit den Zielen des Projektes identifizieren und die sich am Diskurs in der Community beteiligen, ist recht klein, während eine große Zahl von Leuten OpenStreetMap als eine Plattform für ihre individuellen Interessen nutzen ohne sich mit den Zielen und Werten des Projektes zu identifizieren.
  • Ein recht großes Volumen von Daten wird in OpenStreetMap hinzugefügt, ohne dass es ein nachhaltiges, organisches Wachstum einer lokalen Community mit Verantwortung für die Pflege der Daten in ihrem Gebiet gibt.
  • Die Entwickungen im und um das Proket herum auf der Daten-Nutzer-Seite (insbesondere bei Karten) sind oft recht selbstbezogen und interessieren sich oft wenig für Entwickungen in anderen Teilen der Welt der Geodaten-Verarbeitung/Kartographie und sind deshalb oft intellektuell/technologisch nicht mehr führend. Es mangelt an Austausch mit Forschung und Entwicklung zu Geodaten und Kartographie außerhalb des OSM-Kontexts.
  • Tagging-Konzepte und Konventionen in OpenStreetMap entwickeln und verändern sich nur sehr träge und dieser Trend verstärkt sich zunehmend mit weiterem Wachstum des Projektes. Diese Trägkeit transportiert oft auch ein erhebliches Element kultureller und geographischer Einseitigkeit, welche die Daten-Erfassung in den Teilen der Welt erschweren, welche sich erheblich von den Regionen, wo das Projekt entstanden ist (Großbritannien und Mitteleuropa) unterscheiden.
  • In der OSM-Community fehlt derzeit ein ausreichend breites Spektrum von Karten-Design-Projekten, um die geographische Vielfalt, die das Projekt abdeckt, angemessen zu repräsentieren.
  • Es fehlt derzeit die Fähigkeit, organisierte, nicht individuelle Aktivitäten im Projekt effektiv zu regulieren.
  • Es wird derzeit ein erheblicher Anteil von Daten in der OSM-Datenbank gepflegt, welche nicht mit dem Prinzip der Überprüfbarkeit übereinstimmen und welche unter der Paradigma des Projektes nicht gepflegt werden können, was oft zu Konflikten führt.
  • Unsere Fähigkeit, lokale Mapper zu rekrutieren und zu motivieren variiert sehr stark zwischen verschiedenen Teilen der Welt und zwischen verschiedenen sozialen Gruppen.
  • Die Kommunikationskultur zwischen verschiedenen lokalen Gemeinschaften in OSM über Sprachgrenzen hinweg müsste dringend verbessert werden.
  • Technisch weist das OSM-Datenmodell einige erhebliche Schwächen auf, welche zu Skalierungs-Problemen mit dem Wachstum des Umfangs der Daten führen.
  • Es fällt dem Projekt schwer, umfangreichere technische Änderungen und Innovationen einzuführen aufgrund des Fehlens kompetenter Freiwilliger und einer gleichzeitigen Zunahme der Komplexität des technischen Umfelds.

Stärken der OSMF

  • Die OSMF hat erfolgreich eine erhebliche Zahl von kompetenten Freiwilligen für die zentralen Felder der Unterstützung von OpenStreetMap rekruitiert.
  • Die OSMF befindet sich in einer komfortablen und stabilen finanziellen Situation und muss sich derzeit um die Finanzierung ihrer Ausgaben keine Sorgen manchen.
  • Die technische Kern-Infrastruktur, die die OSMF dem Projet zur verfügung stellt, läuft seit langem trotz stetig steigender Anforderungen ohne große Probleme.
  • Die grundlegenden administrativen Funktionen der Organisation laufen recht glatt.

Schwächen der OSMF

  • Die Mitgliederstruktur der OSMF ist recht weit von einer proportionalen Abbildung der aktiven OSM-Community entfernt und dies verbessert sich nicht nennenswert.
  • Es gibt innerhalb der OSMF eine recht massive Dominanz der englischen Sprache und keine Kultur der Kommunikation in anderen Sprachen.
  • Die OSMF hängt derzeit langfristig finanziell von den Zuwendungen von Unternehmen ab (wenngleich das Vermögen einen komfortablen Puffer bietet, dies ohne akute Finanznöte zu ändern).
  • Das recht große Barvermögen der OSMF stellt einen großen Anreiz dar, dass sich die OSMF von der OSM-Community loslöst und sich von der Arbeit von Freiwilligen aus der Community unabhängig macht.
  • Der OSMF-Vorstand hat in der Vergangenheit oft eine geringen Fähigkeit gezeigt, konstruktive Entscheidungen zu fällen und zu implementieren.
  • Die meisten Arbeitsgruppen haben eine sehr geringe Rekruitierungs-Rate von neuen Freiwilligen und die OSMF hat ganz allgemein Schwierigkeiten, neue Freiwillige anzuziehen.
  • Es gibt in der OSMF sowohl im Vorstand als auch in den Arbeitsgruppen eine recht stark verwurzelte Arbeitskultur und Tradition, welche nicht auf der derzeitigen Arbeitskultur in der OSM-Community basiert, sondern in der eigenen Geschichte der OSMF.
  • Da die OSMF für alle als zahlende Mitglieder oder als Freiwillige in den Arbeitsgruppen offen steht, besteht eine erhebliche Möglichkeit für Einflüsse von außen, ohne dass ausgewählt werden kann, wessen Mitgliedschaft und Beiträge tatsächlich dem Projekt und seinen Zielen dienen.
  • Die OSMF verfügt nur über einen recht unvollständigen Satz interner Regeln und Richtlinien, insbesondere zur Rekruitierung von Freiwilligen, zur Handhabung von Interessenkonflikten, zu Transparenz und zur Dokumentation von Prozessen. Die Regeln, welche existieren (wie FOSS policy und board rules of order) werden oft nicht konsistent angewandt.

Diese Listen sind natürlich nicht nur subjektiv, sie sind auch sicherlich unvollständig. Dennoch denke ich, dass sie einen guten Überblick über einige der wichtigen Punkte bieten. Man beachte natürlich, dass sich diese auf die eingangs formulierten Ziele des Projektes beziehen. Jemand, der als Ziel von OpenStreetMap gerne schlicht und einfach die Sammlung nützlicher Geodaten sehen würde, wie es viele größere OSM-Datennutzer tun, wird diese Dinge deutlich anders sehen und würde zum Beispiel in der verteilten und dezentralen Struktur des Projektes eher eine Schwäche erkennen.

Chancen und Risiken

Die Stärken und Schwächen sind bedeutend, wenn man die Widerstandsfähigkeit des Projektes gegen Bedrohungen beurteilen möchte und ich werde später darauf zurück kommen. Aber um eine Idee von den Risiken, die dem Projekt möglicherweise drohen könnten, zu bekommen ist der Teil der Chancen und Risiken erst einmal wichtiger. Und hier muss ich ein Bild malen, um die Beziehungen zwischen dem OpenStreetMap-Projekt, der OSMF und ihrem Umfeld vernünftig darzustellen.

Chancen und Risiken für OpenStreetMap und die OSMF

Die Chancen sind hier in grün, die Risiken in rot dargestellt. Um das Schaubild nicht mit Text zu überfrachten, habe ich den recht kurz gehalten und werde ein paar Details dazu hier detaillierter erläutern.

Der größte Pfeil im Schaubild stellt die Chancen dar, die die Menschen der Welt für das OpenStreetMap-Projekt darstellen – das Potential für neue Mitwirkende von überall auf der Welt, ihr lokales Wissen und ihre Kompetenzen und Fähigkeiten sowie ihr Interesse an den Daten. Diese sind die Kern-Ressource und die Soziale Basis von OpenStreetMap.

Die größte Bedrohung für das Projekt – und ich mag hier die Bedeutung etwas übertreiben um einen Punkt zu machen – hab ich als von der OSMF kommend identifiziert. Viele werden vielleicht spontan annehmen, dass dies daher rührt, dass die OSMF die zentrale OSM-Datenbank verwaltet und dass OpenStreetMap ohne diese nicht mehr existieren würde. Das ist jedoch nur Punkt drei auf meiner Liste der Risiken. Die zentrale OSM-Datenbank ließe sich recht einfach anderswo duplizieren, sollte die OSMF aus irgendeinem Grund kompromittiert werden. Die zwei Dinge, über die die OSMF derzeit exklusive Kontrolle hat und die essentiell für OpenStreetMap sind, sind die Benutzer-Konten der Mapper und die Rechte an den OSM-Daten, die der OSMF über die contributor terms übertragen wurden. Das bedeutet, dass – sollte das OpenStreetMap-Projekt derzeit aus irgendeinem Grund vor die Notwendigkeit gestellt werden, ohne die OSMF weiter zu arbeiten, man neu mit den Benutzer-Konten anfangen müsste. Und wir wären nicht mehr in der Lage, in der Zukunft die Lizenz zu ändern, denn die Rechte an den Daten und damit das Recht, potentiell durch Abstimmung unter den aktiven Mappern diese Lizenz zu ändern, liegt bei der OSMF. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies tatsächlich passiert, ist möglicherweise recht gering, der potentielle Schaden jedoch extrem. Deshalb die hohe Einschätzung dieser Bedrohung.

Die größte Bedrohung für die OSMF und indirekt der wahrscheinlichste Grund für das Szenario, dass die OSMF für das OpenStreetMap-Projekt verloren gehen könnte, ist der Einfluss von Organisationen und Unternehmen auf die OSMF. Dieses Risiko, dem die OSMF ausgesetzt ist, ist in der letzten Zeit schon recht oft diskutiert worden im Zusammenhang mit verschiedenen Versuchen von Unternehmen auf verschiedenen Ebenen, Kontrolle über die OSMF zu erlangen.

Im Vergleich zu OpenStreetMap selbst stellt die OSMF ein vielversprechenderes Ziel der Einflussnahme durch Unternehmen dar, denn OpenStreetMap bietet durch seine dezentrale Natur nur eine recht kleine und schwer zu fassende Angriffsfläche für solche Versuche. Generell ist es für Unternehmen schwierig, in irgendeiner Art und Weise mit einem Projekt ohne zentrale Strukturen zu interagieren – was sowohl ein Nachteil ist für konstruktive und positive interaktionen als auch einVorteil, wenn es um bösartige Aktionen geht.

Schlussfolgerungen

Was lässt sich also an Handlungs-Empfehlungen in Bezug auf Risiken für das OpenStreetMap-Projekt ableiten und wie kann die OSMF helfen, die Risiken zu minimieren und die Widerstandsfähigkeit von OpenStreetMap zu erhöhen? Aus meiner Perspektive sind das vor allem die folgenden Punkte:

  • Das OpenStreetMap-Projekt vor den Risiken schützen, falls die OSMF aus irgendeinem Grund – wie zum Beispiel dadurch, dass bestimmte Interessenträger die Kontrolle über die Organisation erlangen – nicht mehr in der Lage ist, seine Funktion zur Unterstützung des Projektes und seiner Werte wahrzunehmen. Dies besteht im wesentlichen darin, die exklusive Kontrolle über bestimmte Schlüssel-Funktionen abzugeben, die die OSMF derzeit hat. Hierfür wären verschiedene Ansätze denkbar.
  • Die OSMF selbst vor bösartigen oder egoistischen Versuchen der Einflussnahme durch Unternehmen und Organisationen zu schützen, welche die OSMF entgegen der Interessen von OpenStreetMap beeinflussen wollen.
  • ernsthaft an den Schwächen der OSMF arbeiten, insbesondere an der Werbung neuer Mitglieder für eine ausgeglichenere und breitere Repräsentanz der aktiven, individuellen Mapper in der Community, die sich mit dem Projekt und seinen Werten identifizieren.
  • Die Implementation einer robusten und effektiven Regulierung organisierter Aktivitäten in OpenStreetMap dort wo sie die normalen, nicht organisierten Aktivitäten der Mapper und den sozialen Zusammenhalt im Projekt sowie das organische Wachstum lokaler Communities negativ beeinflussen.

Diese Empfehlungen basieren natürlich vor allem auf dem Blick auf die Seite der Risiken. Die identifizierten Chancen bieten natürlich auch das Potential, die Widerstandsfähigkeit des Projektes zu verbessern. Eine Verstärkung und Ausweitung der positiven Unterstützung für das Projekt durch die OSMF birgt jedoch gleichzeitig immer auch die Gefahr neuer Risiken oder davon, dass die kulturelle Unausgeglichenheit in der OSMF auf das Projekt projiziert wird. Die erstrebenswerteste Strategie ist es deshalb, die OSM-Community zu befähigen, besseren Nutzen aus ihren eigenen Chancen unabhängig von der OSMF zu ziehen, insbesondere was die Werbung neuer Mitwirkender im Projekt angeht. Der Schlüssel dabei liegt jedoch auch darin, dabei aktiv die Werte und Grundprinzipien von OpenStreetMap zu kommunizieren – etwas, was in der Vergangenheit unglücklicherweise oft vernachlässigt wurde aus der Motivation heraus, sich für alle Menschen offen zu präsentieren. OpenStreetMap sollte zwar offen und einladend zu Menschen mir so gut wie jedem persönlichen oder kulturellen Hintergrund sein, es hilft jedoch nicht, vorzugeben, dass die Annahme und Unterstützung der Kernwerte und Ziele des Projektes nicht Voraussetzung für ein Engagement bei OpenStreetMap ist, denn die Anwerbung von Leuten, welche diese Werte und Ziele ablehnen, führt letztendlich nur zu Konflikten und stellt auch ein erhebliches Risiko für OpenStreetMap dar.

8. Januar 2020
von chris
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Satellitenbild-Erfassungen – Bericht für 2019

Wie letztes Jahr möchte ich hier einen Blick auf die Erfassungs-Zahlen und die räumliche Verteilung der Bilder der beiden derzeit im Betrieb befindlichen höher auflösenden optischen Erdbeobachtungs-Satellitensysteme, welche offene Daten produzieren und welche eine mehr oder weniger weltweite Abdeckung produzieren, werfen: Landsat und Sentinel-2.

Hier die aktualisierte Darstellung der gesamten aufgenommenen und veröffentlichten Bild-Volumen in Quadratkilometer.

Dies zeigt im Grunde schon, dass im groben wie im vorangegangenen Jahr vorgegangen wurde und damit erstmals eine gewisse Routine beim Betrieb der Sentinel-2-Satelliten über zwei Jahre hinweg etabliert wird. Es gibt einen gewissen Anstieg bei den Bildmengen von Sentinel-2B, bedingt durch die Ausweitung der Erfassung kleinerer Inseln in den Aufnahme-Plänen und die Abschwächung der Grenze für den Sonnenwinkel in Nordeuropa. Letzteres kann man auch gut auf den detaillierten Darstellungen zur Abdeckung für jede Umlauf-Periode sehen:

Abdeckung von Sentinel-2B im Herbst

Was unglücklicherweise sowohl bei Landsat als auch Sentinel-2 auch vom vorherigen Jahr übernommen wurde, ist, dass im Sommer auf der Südhemiphäre die Aufnahme deutlich unter Kapazität und für die Antarktis nur teilweise oder in reduzierter Frequenz erfolgt ist. Bei Landsat ist dies im antarktischen Sommer 2018-2019 sogar noch etwas verstärkt worden im Vergleich zum Jahr davor. Zusätzlich hat der USGS diesmal keine off-nadir-Aufnahmen von Nord-Grönland im Sommer produziert – das erste Mal seit 2015.

Landsat 8 2019

Landsat 8 2018

Die ESA hat sich – abgesehen von den kleineren Änderungen, welche ich bereits erwähnt habe – diesmal im wesentlichen an den selben Ablauf wie im vergangenen Jahr gehalten. Das bedeutet, dass Sentinel-2A und Sentinel-2B weiterhin recht unterschiedlich betrieben werden und dass speziellen Interessen im Betrieb recht ostentativ Raum eingeräumt wird. Es gibt diesmal jedoch erstmals einzelne, nicht regelmäßige Aufnahmen verschiedener Inselgruppen und Riffe im Pazifik (Kiribati, Französich-Polynesien) durch Sentinel-2A. Und was erfreulicherweise deutlich reduziert wurde ist die Anzahl geplanter Aufnahmen, welche in den veröffentlichten Daten fehlen.

Sentinel-2 2019

Insgesamt meine Empfehlungen sowohl an den USGS als auch die ESA:

  • Nutzt die zur Verfügung stehenden Aufnahme-Kapazitäten im nordhemisphärischen Winter, um mehr als nur sporadische Aufnahmen der Antarktis zu produzieren.

Zusätzlich and den USGS:

  • Schließt endlich die letzte fehlende Insel (Jonas-Insel) in die Aufnahme-Pläne mit ein.
  • Macht regelmäßig off-nadir-Aufnahmen von Nordgrönland und der zentralen Antarktis, bevorzugt unter Nutzung der zur Verfügung stehenden Flexibilität zur Minimierung der Wolken-Abdeckung.

Und an die ESA:

  • Beendet die unprofessionelle und kurzsichtige Bedienung irgendwelcher Spezialinteressen und plant die Aufnahmen generell nach klaren, einheitlichen und transparenten Kriterien.
  • In Verbindung dazu: Überdenkt die Strategie, ausgedehnte Meeresflächen um einige Inseln herum zu erfassen, während andere deutlich größere Inseln (Südliche Orkneyinseln) überhaupt nicht aufgenommen werden.
  • Betreibt Sentinel-2A und Sentinel-2B nach dem selben Plan oder erklärt nachvollziehbar, warum Ihr das nicht macht.

Hier noch mal alle Karten-Darstellungen der Aufnahme-Abdeckungen zusammen:

Jahr Tag Nacht Aufnahme-Zahl Tag
2014 LS8, LS7 LS8 LS8
2015 LS8, LS7 LS8 LS8
2016 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A
2017 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A, S2B, S2 (beide)
2018 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A, S2B, S2 (beide)
2019 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A, S2B, S2 (beide)

17. Dezember 2019
von chris
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Die OSMF Vorstandswahlen und Abstimmungen zu Resolutionen – eine Analyse der Ergebnisse

Die Jahreshauptversammlung der OSMF ist vorbei und die Ergebnisse der Vorstandswahlen und Abstimmungen sind verkündet. Mit dem recht breiten Spektrum an Kandidaten, die diesmal angetreten sind, ermöglichen die Ergebnisse diesmal recht interessante Einblicke in die politische Ausrichtung der OSMF-Mitglieder.

Wie schon bei meiner Analyse der Kandidaten vor der Wahl fehlte auch hierbei leider die Zeit, den Text auch auf Deutsch zu schreiben. Deshalb hier nur der Link zur englischen Fassung.

28. November 2019
von chris
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Ein paar Gedanken zu Rollen und zur Verantwortung von Entwicklern und Projekt-Betreuern in der OpenStreetMap-Community

OpenStreeMap wird oft als Do-okratie beschrieben. Was Entscheidungen beim Mappen und Tagging angeht – und dass sind die wichtigsten Aktivitäten im Projekt – ist diese Beschreibung durchaus zutreffend und zum größten Teil funktioniert dies auch recht gut. Der Ansatz ist gewissermaßen, dass diejenigen, die die Arbeit machen auch entscheiden, wie sie gemacht wird. Gepaart mit dem Primat des lokalen Wissens in OpenStreeMap ist dies eine recht gute Versicherung dagegen, dass eine kleine Gruppe von Leuten mit ihren subjektiven Präferenzen und einem bestimmten kulturellen Hintergrund das Gesamt-Projekt dominieren und die Entscheidungen fällen.

Der bedeutendste Angriff auf dieses Prinzip kam mit dem Aufstieg organisierten Mappens in OpenStreeMap. Als ich den ersten Englisch-sprachigen Entwurf für eine Regulierung organisierter Aktivitäten in OpenStreeMap verfasst habe, habe ich das wie folgt erklärt:

OpenStreetMap is an international project where thousands of volunteers together produce open geodata during their free time. As a community OpenStreetMap works through checks and balances that rely on every mapper deciding on what to map and how to map individually and being responsible for her or his activities. Because each mapper can only add or edit a relatively small volume of data every day errors can be recognized and corrected by the community through communication and open processes before larger damage is done to the database. For automated edits and imports this does not work the same way so we have documentation requirements and review processes designed to prevent bigger problems with such activities and to avoid disruptive and time consuming repairs of the data.

Organized mapping activities by groups of people who act under instructions of an organization often come with similar problems. Errors and deficits in the instructions given or in the way they are communicated to the mappers of the group can result in large scale damage to the data and can be disruptive to normal mapping activity. And although we in principle welcome such organized activity we have put up this policy to regulate organized mapping activities in the interest of the individual mappers and a functioning mapping community.

Es ist im Moment noch nicht abschließend geklärt, wie weitreichend die problematischen Einflüsse organisierter Aktivitäten durch die jetzt existierende Regulierung tatsächlich erfolgreich verhindert werden.

Außer organisierten Aktivitäten gibt es andere Einflüsse und Rahmenbedingungen, die die egalitäre und freie Zusammenarbeit beim Mappen in OpenStreeMap gefährden. Einer davon ist der politische Bereich, insbesondere durch regulatorische Maßnahmen und Grundsatz-Entscheidungen der OSMF. Das beste Beispiel dafür ist die Krim-Entscheidung des OSMF-Vorstandes. Bis jetzt ist, insbesondere weil der OSMF-Vorstand von Freiwilligen aus der Community abhängt, um seine Entscheidungen zu implementieren, die Fähigkeit des Vorstands, substantiell Entscheidungen gegen die Interessen und Werte lokaler Mapper durchzusetzen, sehr begrenzt. Und fairerweise muss man auch sagen, dass das die meisten Vorstandsmitglieder bisher meist bemüht waren, Entscheidungen im Interesse der Hobby-Mapper zu fällen. Dies könnte sich aber in der Zukunft durchaus ändern, wenn sich das Macht-Gleichgewicht in der OSMF verschiebt und die OSMF mehr auch für zentrale Aufgaben auf bezahlte Kräfte setzt und dadurch unabhängiger von der OSM-Community wird.

Den größten und auch den ältesten Einfluss auf die Mapper-Community stellen jedoch die von den Mappern bei ihrer Arbeit verwendeten Werkzeuge dar. In jüngerer Zeit gab es recht umfangreiche Kritik an den Entwicklern von iD, dem am verbreitetsten verwendeten Editor für OpenStreetMap-Daten, in Bezug auf die Entscheidungen mit Auswirkung auf Mapping- und Tagging-Entscheidungen von Nutzern dieses Editors, die diese gefällt haben und dem damit verbundenen Machtmissbrauch dieser Entwickler im Dienst von Partikularinteressen.

Ich möchte einige Gedanken zu dieser Diskussion beitragen aus der Perspektive eines der Betreuer eines anderen Projektes, welches neben den Editoren großen Einfluss auf Mapper hat, dem Stil der Standard-Karte auf openstreetmap.org. Der Einfluss des Standard-Stils auf Mapper ist nicht so direkt wie bei den Editoren und es ist daher nicht so einfach, diesen Einfluss zielgerichtet einzusetzen, aber er ist dennoch recht bedeutend. Und im Gegensatz zu den Editoren, wo die größte Möglichkeit zur zielgerichteten Einflussnahme auf Mapper darin besteht, zu bestimmen, wie Mapper etwas erfassen, zur dessen Erfassung sie sich bereits selbst entschlossen haben, kann der Standardstil in erheblichem Maße auch Mapper dazu anregen, bestimmte Dinge bevorzugt zu erfassen.

Mein Ansatz hierzu war von Beginn meiner Mitarbeit an OSM-Carto an, dass es die Rolle des Projektes sein sollte, Mapper zu unterstützen und nicht sie zu steuern. Das bedeutet im Grunde, dass man Dinge, die von Mappern konsistent erfasst werden, in einer bestimmten und klar erkennbaren Form auf der Karte darstellt und dadurch den Mappern eine klare Rückmeldung dazu gibt, was die richtige und etablierte Methode ist, diese Dinge zu erfassen. Auf der anderen Seite bedeutet dies auch, dass man nicht einfach damit anfängt, bestimmte Dinge darzustellen nur weil man selbst – oder jemand anders – es für eine gute Idee hält, solche Dinge auf diese Art zu erfassen, denn diese Art von Überlegung ist inhärent durch subjektive und kulturelle Präferenzen und Voreingenommenheiten geprägt.

Ich sollte klarstellen, dass diese Ansichten nicht von allen OSM-Carto-Maintainern geteilt werden. Ich bin vermutlich der deutlichste Vertreter dieser Idee der Selbst-Begrenzung, jedoch vertreten auch eine ganze Reihe der übrigen Maintainer die gleiche grundsätzliche Vorstellung. Aus diesem Grund entstammen die meisten nicht konstruktiven Darstellungs-Entscheidungen in OSM-Carto entweder versehentlichen oder nachlässigen Änderungen, welche ohne ausreichende Berücksichtigung ihrer Folgen durchgeführt wurden, oder sie stammen aus dem Zeitraum von Mitte 2017 bis Ende 2018 als wir das Konsens-Prinzip für Änderungen gelockert hatten und Änderungen ohne Konsens unter den Maintainern eingebaut werden konnten.

Es sollte klar sein, dass wenn das Team der OSM-Carto-Maintainer kleiner wäre und seine Mitglieder recht einheitliche gemeinsame Interessen hätten (wie es beim iD-Projekt der Fall ist), der Anreiz seinen Einfluss auf Mapper im Sinne dieser Interessen zu nutzen, enorm wäre. Im Falle der iD-Entwickler, welche beide beide für Unternehmen arbeiten, welche OSM-Daten nutzen, ist der praktische Einfluss dieser Interessen recht klar von ziemlich großer Bedeutung und es wird auch offen von den Entwicklern zugegeben, das ihr Haupt-Augenmerk die Nützlichkeit der OpenStreetMap-Daten für bestimmte Anwendungen ist. Gleichzeitig wäre es aber keineswegs unbedingt besser, Entscheidungen und die Aufsicht über das Projekt in die Hand einer Reihe zufällig ausgewählter Mapper zu legen. Wenn in OSM-Karto Entscheidungen ausschließlich unter der Prämisse der Mapper-Unterstützung gefällt werden, führt dies vor allem auch unter Mappern zu Kritik, die ihre bevorzugte Tagging-Idee gerne gegen Konkurrenz-Ideen im Vorteil sehen würden. Hobby-Mapper sind keineswegs gegen die einseitige Unterstützung von Partikular-Interessen immun.

Die beste und einzige Lösung für dieses Problem besteht meiner Meinung nach in einem wirksamen und fairen Wettbewerb darin, die besten Werkzeuge für Mapper bereitzustellen.

Eine echte Wahl zu haben und die möglichen Optionen frei in der Praxis auszuprobieren und zu testen, würde es Mappern ermöglichen, mit den Füßen abzustimmen und am Ende kollektiv die besten Lösungen zu unterstützen. Damit würde verhindert, dass ein einzelnes Projekt durch das Fehlen anderer Optionen dominiert, was auch erheblich die Möglichkeit verringert, bei der Entwicklung Partikularinteressen zu unterstützen. Ich bin der festen Überzeugung, dass sowohl bei Editoren als auch bei Kartenstilen Projekte, die Entscheidungen auf Grundlage des skizzierten Prinzips der zurückhaltenden Unterstützung von Mappern, langfristig die meiste Wertschätzung und Unterstützung der weltweiten Mapper-Community bekommen dürften.

Lange Geschichte, kurz gefasst:

  • Die Möglichkeit der Einflussnahme auf Mapper zur Förderung spezifischer Interessen wird für die Entwickler von Mapping-Werkzeugen immer ein erheblicher Anreiz sein – entweder entsprechend eigener persönlicher Präferenzen oder zur Förderung von externen Interessen.
  • Von Unternehmens-Mitarbeitern zu erwarten, dass sie als Projekt-Betreuer Entscheidungen gegen die Interessen ihres Arbeitnehmers fällen, ist nicht realistisch. Gleichzeitig unterscheiden sich die Interessen der OSM-Community und des Projektes teils fundamental von denen bestimmter Datennutzer.
  • Der beste Weg, dieses Problem anzugehen, besteht darin, immer für eine reale Wahlmöglichkeit und einen fairen Wettbewerb zwischen verschiedenen Werkzeugen (Editoren, Kartenstilen) für die selbe Aufgabe zu sorgen.

28. Oktober 2019
von chris
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Satellitenbild-Neuigkeiten

Die ESA hat vor kurzem angekündigt, dass die Aufnahmen von Sentinel-2B während des Winters auf der Nordhalbkugel hin zu niedrigen Sonnenständen ausgedehnt werden.

Ein bisschen Hintergrund-Informationen dazu: Die letzten Jahre wurden die Aufnahmen von Sentinel-2 traditionell im Vergleich zu Landsat 8 erst bei einem recht hohem Sonnenstand begonnen. Der resultierende Unterschied in der routinemäßigen nördlichen Aufnahme-Grenze im Winter war nicht sehr groß, aber deutlich erkennbar. Das hat insbesondere dazu geführt, dass die Aufnahme-Kapazität von Sentinel-2 im Winter auf der Nordhalbkugel nicht vollständig ausgenutzt wurde, insbesondere weil gleichzeitig die Antarktis nur mit einer niedrigeren Frequenz aufgenommen wurde.

beisherige Sentinel-2-Abdeckung Ende Dezember

Landsat-8-Abdeckung Ende Dezember

Die nun angekündigte Änderung der Aufnahme-Pläne ist etwas halbherzig – sie bezieht sich nur auf Sentinel-2B und scheint bis jetzt auf Europa und Grönland beschränkt zu sein. Hier ist ein Beispiel für eine solche neue Aufnahme bei niedrigem Sonnenstand.

Sentinel-2-Aufnahme von Ostgrönland bei niedrigem Sonnenstand

Ganz allgemein ist die Aufnahme-Planung bei Sentinel-2 anscheinend recht statisch und basiert auf einem politisch festgelegten festen Muster während Landsat-Aufnahmen auf Grundlage einer Prioritäten-Liste geplant werden, um die verfügbare Aufnahme-Kapazität optimal auszunutzen. Anders gesagt: Sentinel-2 könnte rein technisch vermutlich deutlich mehr Bilder aufnehmen, insbesondere auf der südlichen Hemisphäre und bei niedrigen Breiten im Winter der Nordhalbkugel – falls man denn die Option für solche Aufnahmen bei verfügbarer Kapazität in den Aufnahme-Plan integrieren würde. Das würde aber natürlich eine entsprechende politische Entscheidung erfordern.

Die eigentliche Frage ist jedoch, warum die Sonnenstands-bedingte Aufnahme-Grenze bei Sentinel-3 OLCI-Daten noch enger ist als bei Sentinel-2 – hier ein Bild von der Aufnahme-Grenze am selben Tag an dem das oben gezeigte Sentinel-2-Bild aufgenommen wurde – diese liegt mehrere hundert Kilometer weiter südlich.

Sentinel-3 OLCI Aufnahme-Grenze über Ostgrönland am 25. Oktober

Wenngleich Sentinel-3 einen früheren Zeitpunkt aufnimmt als Sentinel-2 (10:00 im Gegensatz zu 10:30) und aufgrund des breiteren Sichtfeldes dabei auch Positionen mit niedrigerem Sonnenstand am westlichen Rand enthalten sind, wäre die vernünftige Aufnahme-Strategie so, dass man alles aufnimmt, was einer festgelegten Grenze beim Sonnenstand entspricht, auch wenn das praktisch dann bedeutet, dass dabei auch Daten mit noch niedrigerem Sonnenstand in den Bildern enthalten sind. In der Realität sieht es jedoch so aus, dass keine OLCI-Daten aufgenommen werden, wenn der Sonnenstand am westlichen Ende des Aufnahme-Streifens unter fünf Grad läge. Hierdurch verliert man dann natürlich eine ganze Menge potentiell nützliche Daten weiter östlich. Der Sonnenstand zu Beginn der Aufnahme liegt in diesem Fall am östlichen Rand bei etwa 11 Grad.

Herbstfarben bei Irkutsk, Russland im September 2019, aufgenommen von Sentinel-2

GCOM-C SGLI Bilder

Keine wirkliche Neuigkeit, aber ich wollte hier mal erwähnen, dass die Bilder des japanischen GCOM-C-Satelliten und dessen SGLI-Sensors jetzt (und im Grunde schon seit einiger Zeit) auf dem JAXA-Datenportal verfügbar sind. GCOM-C ist ein Satellit, welcher in seinem Zweck ein bisschen den Sentinel-3-Satelliten ähnelt, jedoch einige interessante zusätzliche Funktionen bietet wie Bildaufnahmen mit polarisiertem Licht und einem ultravioletten Spektralkanal. Die Daten sind unter einer recht liberalen offenen Daten-Lizenz verfügbar.

Hier ein Beispielbild von Südost-Europa:

GCOM-C SGLI Bildbeispiel

25. Oktober 2019
von chris
Keine Kommentare

State of the Map 2019 – Besucherstatistiken

Als ich meinen Bericht über die State-of-the-Map-Konferenz in Heidelberg geschrieben habe, hatte ich mich beschwert, dass es bis jetzt keine Daten zu den Besuchern gibt. Es gibt nun ein paar Zahlen und ich möchte deshalb die fehlende Illustration und meine Kommentare dazu ergänzen.

SotM-2019-Besucher – woher sie kamen

Das ist vielleicht etwas schwierig zu lesen – ich habe die Zahlen nach Kontinenten gruppiert – Europa in gelb/grange, Amerika in blau, Asien/Pazifik in grün und Afrika/Naher Osten in rot. Ich war von der sehr hohen Zahl von Besuchern aus Deutschland ein wenig überrascht – man sollte jedoch im Hinterkopf behalten, dass dies auch alle lokalen Helfer mit einschließt, was eine ganze Menge ausmacht.

Ich habe auch eine zweite Illustration vorbereitet, wo ich eine Schätzung der Kohlendioxid-Emissionen durch Reisen zur und von der Konferenz dargestellt habe. Diese Zahlen sind eine sehr grobe und konservative Schätzung. Man sollte also den absoluten Werten nicht allzu viel Gewicht beimessen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die tatsächlichen Emissionen nicht niedriger liegen, aber sie könnten definitiv deutlich höher sein.

SotM 2019 – Schätzungen CO2-Emissionen durch Reisen (in Tonnen)

Warum zeige ich dies? Zuerst mal um zu zeigen, dass eine Konferenz wie die SotM ein ziemlich Ressourcen-intensives Unterfangen ist. Zweitens: Um zu zeigen, dass es für die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks einer solchen Veranstaltung sehr nützlich ist, diese dort zu veranstalten, wo die meisten Besucher herkommen. Mehr als 2/3 der Konferenz-Besucher waren diese Jahr aus Europa – trugen aber vermutlich weniger als zehn Prozent zu den gesamten Reise-bedingten CO2-Emissionen der Konferenz bei. Pro Besucher war diese Konferenz vermutlich mir durchschnittlich weniger als 600kg CO2 pro Person für Reisen relativ günstig. Und drittens: Um zu illustrieren, dass die OSM-Community für langfristige Nachhaltigkeit deutlich mehr in die Fähigkeit investieren muss, global zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten, ohne dass man sich dafür notwendigerweise persönlich treffen muss. Wir müssen mehr Energie daruf verwenden, sicher zu stellen, dass wir an einen Punkt gelangen, wo eine physikalische Präsenz auf einer OSM-Konferenz wirklich optional ist und wo man an einer solchen Veranstaltung auch auf die Entfernung produktiv teilnehmen kann – und zwar sowohl aktiv als auch passiv.

9. Oktober 2019
von chris
Keine Kommentare

State of the Map 2019 Heidelberg – Eindrücke und Gedanken

Es sind jetzt mehr als zwei Wochen nach Ende der SotM in Heidelberg verstrichen und einige wundern sich vielleicht bereits, wo meine Kommentare dazu bleiben. Zum Teil liegt die Verzögerung daran, dass ich mit anderen Dingen beschäftigt war, zum Teil jedoch auch daran, dass einige Informationen bis jetzt noch nicht verfügbar waren (mehr dazu später).

Der Veranstaltungsort

Insgesamt war das Ganze für mich eine recht angenehme Erfahrung. Wir hatten weitgehend Glück mit dem Wetter, so dass die Wahl der Jahreszeit nicht so schlecht war. Ich hatte bereits letztes Jahr erwähnt, dass Heidelberg für mich angenehm nahe gelegen ist mit lediglich zwei Stunden Zugfahrt dahin. Heidelberg ist allerdings auch – von allen Möglichen Orten in Deutschland, die man hätte auswählen können – eher auf der teuren Seite was Übernachtungs-Kosten angeht. Aber da im Eintrittspreis ein Nahverkehrs-Ticket für die gesamte Dauer der Konferenz für den gesamten regionalen Verbund mit dabei war, war man bei der Wahl der Unterkunft im Grunde nicht auf Heidelberg beschränkt und hatte eine recht große Auswahl preisgünstiger Übernachtungs-Möglichkeiten – wenngleich diese für Besucher von Auswärts vermutlich nicht so gut zu finden waren. Die Informationen zu preisgünstigen Unterkünften auf der SotM-Webseite hätten besser sein können – das ist jedoch im Grunde kein neues Problem. Randbemerkung: Ich finde es ein bisschen ärgerlich, dass viele der Informationen von vor der Konferenz hinterher entfernt worden sind – das ist meiner Meinung nach kein guter Stil – solche Informationen zum späteren Nachschauen verfügbar zu halten halte ich für wichtig. Ergänzung: Dies ist inzwischen korrigiert – siehe Kommentar.

Der Veranstaltungsort selbst war für die Konferenz denke ich recht gut geeignet. Die meisten Räume lagen sehr nahe beieinander – die Räume für die BoF-Veranstaltungen waren etwas weiter weg gelegen aber immer noch gut erreichbar. Das größte Problem war denke ich die Akustik im großen Hörsaal, wo – wie man in diversen Videos sehen kann – die Sprecher oft große Probleme hatten, Fragen aus dem Publikum zu verstehen. Das ist verständlicherweise bei so großen Räumen nicht ganz einfach ordentlich hinzubekommen und im Grunde sind solche Räume ja nicht für einen Dialog zwischen Sprecher und Publikum gebaut.

Die Größe der Konferenz

Obwohl es bis jetzt keine Zahlen und Statistiken zu den Teilnehmern der Konferenz gibt, was es vermutlich die bis jetzt größte SotM-Konferenz. Als die urprünglich geplante Zahl von Tickets ausverkauft waren, haben die Organisatoren die Kapazität nachträglich noch über das ursprünglich geplante Limit erhöht, um mehr Leuten den Besuch zu ermöglichen. Dies war am Ende allerdings auch an einige Stellen sichtbar. Am offensichtlichsten war dies auf der Abendveranstaltung am Samstag, wo das Catering etwas unterdimensioniert war – sowohl von der Menge als auch bei der Kapazität der Ausgabe. Dank des guten Wetters und der Möglichkeit, sich draußen aufzuhalten, war der Ort der Veranstaltung selbst durchaus in Ordnung – wenngleich ein bisschen knapp an Sitzgelegenheiten außerhalb des Haupt-Raums zum Essen, welcher etwas stickig und sehr laut war – das ganze fand in einem ehemaligen Industrie-Gebäude statt, welches in der Akustik nicht wirklich auf so viele Menschen zugeschnitten war.

Die Poster-Präsentation am Sonntag Abend war auch etwas suboptimal, denn die Präsentation der Poster und das Catering waren getrennt auf verschiedenen Etagen, so dass es nicht wirklich zu einem ungezwungenes Betrachten der Poster beim Essen und Trinken kam. Das lag am Ende im Wesentlichen am begrenzten Platz – selbst so wie es aufgebaut war, war es beim Essen und Trinken recht eng so dass man dort auf keinen Fall hätte auch noch die Poster in einer angemessenen Art und Weise aufhängen hätte können.

Auf der Konferenz selbst hab ich keine Anzeichen von Überfüllung oder zu vollen Vortragsräumen gesehen. Zur Mittagszeit gab es zwar zumindest am ersten Tag recht lange Schlangen, aber auch genug Platz so dass dies kein großes Problem war.

Insgesamt betrachtet würde ich sagen, dass diese Größe der Konferenz den Rahmen sprengt, den man verlässlich mit den Methoden organisieren kann, mit denen die SotM traditionell durchgeführt wird. Konkret denke ich, dass

  • Organisation auf diesem Maßstab entweder ein gut eingespieltes Team mit mehrjähriger Erfahrung und einer Vor-Ort-Präsenz während eines Großteils der Planungs-Phase benötigt oder die Hilfe eines professionellen Veranstaltungs-Organisators mit Erfahrung in dieser Art von Konferenz.
  • Jede der Örtlichkeiten für die Konferenz mit ausreichender Größe – egal ob für eie Eingentliche Konferenz oder die Abend-Veranstaltung – schwer zu finden ist, so dass für eine Konferenz dieser Größe die bestätigte Verfügbarkeit aller benötigten Örtlichkeiten im Grunde Voraussetzung für eine Bewerbung zur Austragung der Konferenz sein müsste. Dies ist jedoch bei der SotM so weit ich weiß bis jetzt nicht der Fall gewesen (Bewerbungen erwähnen üblicherweise die bekannten Möglichkeiten, jedoch selten mit einer bestätigten Verfügbarkeit für alle benötigten Örtlichkeiten).

All das bedeutet keineswegs, dass die Organisatoren irgendwie schlechte Arbeit geleistet haben – in Gegenteil: Unter Berücksichtigung der Zahl der Besucher ist das Ganze wirklich gut gelaufen.

Die Vorträge

Ich habe noch nicht alle Videos der Vorträge gesehen, die ich auf der Konferenz nicht gesehen habe, hier also nur ein paar ausgewählte Kommetare zu Vorträgen, die ich bei meinem Post vor der Konferenz empfohlen habe so wie einigen anderen, die ich besucht habe.

  • Introduction to OSM: How it’s made and how it’s used (video) – das habe ich nicht live gesehen, auf Grundlage des Videos scheint dies jedoch eine sehr schöne Veranstaltung gewesen zu sein. Und das ist definitiv ein Format, das man auch mal in der Zukunft möglicherweise auch für speziellere Themen verwenden könnte.
  • Communication and Knowledge Transfer in OSM (video) – wie gehofft bot dies einen recht breiten Überblick über die verschiedenen in der OSM-Community gebräuchliche Kommunikations-Methoden und ihre Vor- und Nachteile. Sehr zu empfehlen, wenn man mal über den eigenen Tellerrand schauen mächte, was Kommunikationsmethoden in OSM angeht.
  • Mapathon, mapathon, mapathon! (video) – Dies zeigte einen kritischen Blick auf verbreitete Ansätze bei der Datenerfassung auf die Ferne im Bereich humanitäres Mapping und die historische Entwicklung davon. In meinem Kommentar vor der Konferenz habe ich auch den anschließenden Vortrag (video) erwähnt, welcher sich mehr mit den organisatorischen Aspekten von lokalen Mapper-Gemeinschaften außerhalb von Europa und Nordamerika befasst – diesen kann ich ebenfalls empfehlen.
  • Auch besonders erwähnen möchte ich die spätere Veranstaltung ebenfalls organisiert von Nicolas und Severin mit dem Titel Bilingual Breakout Session – Community building and empowerment in South: French-speaking countries in Africa+Haiti (video). Ich denke, dass dies eine gute Vorlage dafür ist, wie man Kommunikation über Sprachgrenzen hinweg auf einer OSM-Konferenz praktizieren kann. Sprach-Barrieren sind eine der größten Hindernisse für die Kommunikation über Kulturgrenzen hinweg innerhalb des OpenStreetMap-Projektes und dieses Format zeigt denke ich, wie man diese mit begrenztem Aufwand überwinden kann und so eine bessere Kommunikation zwischen Leuten ermöglicht, die unterschiedliche Sprachen sprechen.
  • Is the OSM data model creaking? (video) – dies war eine recht solide Analyse verschiederner prktischer Probleme, die sich beim Umgang mit OSM-Daten für Straßen und Wege für die Navigation für den Datennutzer ergeben. Unglücklicherweise waren jedoch die Überlegungen am Ende, wie man diese Probleme lösen könnte, primär an den Interessen der Datennutzer ausgerichtet und weniger an den Bedürfnissen der Mapper.
  • New processes to agree on tagging suggestions and their interaction with the editing software available on openstreetmap.org – Wenn man die kontroverse Natur des Themas bedenkt hat sich hier eine recht zivilisierte und nützliche Diskussion ergeben. Roland hat bereits eine Zusammenfassung davon präsentiert und ich hoffe sehr, dass Leute konkret an die verschiedenen Ideen anknüpfen werden, die da diskutiert wurden.
  • OSM Vector Tiles in custom coordinate systems (video) – dies war ein recht enttäuschender Vortrag. Das einzige, was wirklich gezeigt wurde, waren Karten in Rektangularprojektion – was, wenn man von Mercator kommt, im Grunde inverse Evolution bedeutet. Es gab keine substantielle Diskussion der eigentlichen Probleme und Herausforderungen der Produktion digitaler Karten in anderen Projektionen als Mercator.
  • Board + Working Groups meeting (video) – dies war wirklich interessant, was die Dynamik innerhalb der OSMF angeht, wenngleich das Ganze natürlich nicht wirklich sehr produktiv war, was jedoch auch niemand ernsthaft erwartet hatte. Das Format hat recht gut funktioniert, es gab eine ganze Menge Kommentare und Diskussion. Ein Teil davon war, was ich als die OSMF kreist ein bisschen um sich selbst charakterisieren würde – ohne viel Bezug zur Realität der OSM-Community außerhalb. Aber es gab auch eine ganze Reihe interessanter und wertvoller Kommentare verschiedener Leute, und ich würde jedem mit Interesse an der OSMF nahe legen, diese im Video anzuschauen (und für die, die da waren vielleicht auch noch mal zu hören und zu überdenken).

Die Besucher

Ich hätte sehr gerne einen detaillierteren Blick auf die zahlenmäßige Zusammensetzung der Besucher der Konferenz bezüglich ihrer Herkunft geworfen wie ich es letztes Jahr gemacht habe, aber leider sind solche Informationen bis jetzt nicht öffentlich verfügbar.

Mein Eindruck ist, dass die Zusammensetzung der Besucher recht vergleichbar war mit letztem Jahr in Mailand mit zwei Unterschieden:

  1. es gab natürlich einen deutlich größeren Anteil von Besuchern aus Deutschland.
  2. es schien, als ob dadurch, dass unmittelber vor der Konferenz in Heidelberg der HOT-Summit stattgefunden hatte ein größerer Anteil der Besucher mit einem HOT-Hintergrund an der Konferenz teilnahm.

Eine bemerkenswerte Sache war, dass obwohl es in Deutschland eine recht große Gemeinschaft lokaler Hobby-Mapper gibt – möglicherweise die größte weltweit – es nur relativ wenige reine Hobby-Mapper auf der Konferenz zu geben schien. Es gibt sicher eine große Überlappung zwischen den deuschen Besuchern der diesjährigen SotM und den regelmäßigen Besuchern der FOSSGIS-Konferenz mit einem OSM-Hintergrund. Man bedenke jedoch, dass die FOSSGIS keine reine OSM-Konferenz ist und dass FOSSGIS-Besucher mit einem OSM-Hintergrund nur einen kleinen Teil der deutschen OSM-Community ausmachen – obwohl die FOSSGIS freine Eintritt für aktive Community-Mitglieder bietet. Es gab vor der Konferenz meiner Meinung nach durchaus verständliche Kritik aus der deutschen Mapper-Community daran, dass selbst mir Frühbucher-Rabatt der Eintrittspreis für die SotM für einen Hobby-Mapper ziemlich hoch ist. In Kombination mit der Tatsache, dass die Konferenz bereits recht früh ausverkauft war, hat das ein bisschen zu dem Eindruck geführt, das diese finanzielle Barriere zumindest teilweise dazu diente, professionellen Besuchern einen Vortritt vor lokalen Hobby-Mappern zu gewähren.

Und ich denke, dass jeder eine gewisse Verwunderung bei Hobby-Mappern nachvollziehen können sollte, welche möglicherweise über die Jahre tausende Stunden darin investiert haben, ihre lokale Umgebung zu mappen und für die es sich nicht richtig anfühlt, wenn sie jetzt 75 Euro dafür zahlen sollen, an einer Konferenz teilnehmen zu dürfen, wo andere, die insgesamt deutlich weniger investiert haben, ihre gesamten Reisekosten bezahlt bekommen.

Die Stipendien

Dies bringt mich zum Stipendien-Programm der SotM. Ich hatte darüber bereits vor der Konferenz etwas geschrieben, als ich jedoch nur sehr begrenzte Informationen zu zehn Stipendiaten hatte. Nun gibt es etwas mehr Daten – sowohl zu den Stipendiaten als auch zum Auswahl-Prozess.

Einige mögen sich vielleicht wundern, weshalb ich solch ein Aufheben um das Stipendien-Programm mache. Der Grund ist, dass es dabei um eine ganze Menge Geld geht – 2018 waren es mehr als 20k GBP und wenn man die größere Zahl an Stipendien bedenkt, dann ist der Betrag dieses Jahr vermutlich noch höher. Wenngleich das für die OSMF durchaus bezahlbar ist, bedeutet das nicht, dass es gut ist all dieses Geld einfach so ohne Rechenschaft und Überlegung auszugeben – Geld wohlbemerkt, welches man natürlich auch anderweitig und für andere Zwecke verwenden könnte, wo es dem OpenStreetMap-Projekt möglicherweise mehr nutzt.

Woher OSMF-SotM-Stipendiaten 2017-2019 kommen

Hier ist eine aktualisierte Karte von wo die Stipendiaten kommen – dieses Jahr wie auch die vorherigen Jahre. Meine Analyse ist jetzt nicht viel anders als vor der Konferenz. Es gibt ein paar zusätzliche Stipendiaten aus Nordamerika, Europa und und dem (zum Teil französischsprachigen) Westafrika. Die komplette Lücke im Bereich Nordafrika, Naher Osten und Zentralasien besteht aber nach wie vor.

Was wir jetzt allerdings zum ersten Mal haben sind Daten zur Herkunft der Bewerbungen um Stipendien. Diese hab ich mal versucht in den folgenden Karten zu illustrieren. Die erste davon zeigt die Gesamtzahl von Bewerbungen, die zweite die Zahlen nach der Elimination formell unzureichender Bewerbungen.

Gesamtzahl der Bewerbungen pro Land

Nach Auswahl auf Grundlage von formellen Kriterien der Vollständigkeit der Bewerbungen

Ich leite daraus hauptsächlich zwei Beobachtungen ab:

  • der Schwerpunkt auf englischsprachige Länder und frühere Britische und Amerikanische Kolonien ist in den Bewerbungs-Zahlen sogar noch größer. Ganz allgemein ausgedrückt scheint ein Großteil der geographischen Unausgeglichenheit bei der Herkunft der Stipendianten aus den letzten drei Jahren bereits in den Bewerbungen vorgeprägt zu sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Stipendien-Programm nichts dagegen tun kann. Wenn der Aufruf zur Bewerbung selektiv Leute aus bestimmten Ländern anspricht, jedoch nicht von anderswo aus der Welt, dann hat dies natürlich Gründe.
  • Es scheint aus einigen Ländern Massen-Bewerbungen gegeben zu haben (Nigeria, Uganda, Gana und Kenia mit jeweils mehr als 35 Bewerbungen). Jedoch wurden aus keinem dieser Länder am Ende Bewerbungen angenommen.

Was es jetzt auch gibt ist eine detailliertere Dokumentation des Auswahl-Prozesses – welcher jedoch nicht genauso abgelaufen zu sein scheint, wie er ursprünglich geplant war. Ein paar Beobachtungen zum Auswahl-Verfahren:

  • Wir haben eine Liste von Leuten, die bei der Bewertung der Bewerbungen beteiligt waren – die Dokumentation sagt jedoch auch, dass die Pläne zur Bewertung nicht so funktioniert haben, wie dies ursprünglich geplant war. Es gibt keine Informationen zu den Bewertungen selbst (wie etwa in Form der anonymisierten Bewertungen im Vergleich zur letztendlichen Auswahl) Siehe Anmerkung unterhalb.
  • Es gibt eine Liste von empfohlenen Kriterien für die Bewertung – viele davon sind jedoch recht vage und in Teilen auch fragwürdig. Insbesondere der Aspekt “unique story or experience to share” dürfte sehr von kulturellen Gemeinsamkeiten zwischen Bewerber und Bewerter abhängen.
  • Die Liste an involvierten Personen umfasst 13 Leute – 8 davon waren selbst Stipendiaten in 2018/2017. Ich hatte zwar letztes Jahr erwähnt, dass eine Beteiligung von ehemaligen Stipendien-Empfängern an der Auswahl durchaus sinnvoll sein könnte, hatte das aber mit der Anforderung verbunden, dass dafür Stipendien-Empfängern für die Zukunft vom Stipendien-Programm dauerhaft ausgeschlossen sein müssten. Andernfalls ergibt sich eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Art Drehtür-Prinzip etabliert wo Leute zwischen der Rolle des Stipendiaten und der des Bewerters Jahr für Jahr wechseln. Wenn man schaut, woher die ehemaligen Stipendiaten stammen, die an der Auswahl beteiligt waren (Kenya, Lesotho, Philippines, Germany, Russia, Uganda, Niger, Nepal) dann ergibt sich kein klarer Zusammenhang zur erfolgten Auswahl – während Bewerbungen aus Lesotho, den Philippinen und Nepal angenommen wurden, wurden trotz einer hohen Zahl von Bewerbungen aus Kenia und Uganda keine Stipendien dorthin vergeben. Es gibt also keine Anhaltspunkte für Begünstigungen in dieser Hinsicht im Prozess, aber das gesamte System ist in dieser Form im Grunde trotzdem sehr anfällig dafür.
  • Es scheint keine formellen Regeln zum Umgang mit Interessenkonflikten zu geben. Wenn man bedenkt, dass sowohl unter den Bewertern als auch unter den Stipendiaten viele einen Beruf mit einem gewissen Bezug zu OSM und Geodaten haben oder eine formelle Position in einer Organisation mit OSM-Bezug (wie zum Beispiel ein stimmberechtigstes Mitglied von HOT zu sein) dann ist das Grund zur Sorge.
  • Wie ich bereits zuvor herausgestellt habe, basiert die letztendliche Auswahl von Stipendiaten erkennbar auf einer Ensemble-Optimierung und nicht nur einer unabhängigen Bewertung der einzelnen Bewerbungen und einer Auswahl der “obersten 20”. So wie ich die Dokumentation lese, ist diese Endauswahl ohne jegliche Kontrollmechanismen von einer einzelnen Person durchgeführt worden, welche letztendlich über die Vergabe von 20k GBP alleine entschieden hat. Falls ich ein Kassenprüfer bei der OSMF wäre (was ich zum Glück nicht bin) dann wäre dies etwas, das ich nicht akzeptieren könnte.

Anzumerken ist auch, dass die Diskrepanz zwischen der sozialen Struktur der OSM-Community und der Auswahl der Stipendiaten sehr leicht zu einem selbst reproduzierendem System werden kann – selbst ohne dass ehemalige Stipendiaten bei der Auswahl involviert sind. Wenn man zum Beispiel die De-facto-Präferenz für Bewerber mit einem beruflichen OSM-Bezug oder einer formellen Position in einer Organisation betrachtet, dann ist klar, dass lokale Hobby-Mapper überall auf der Welt ohne solche Verbindungen recht schnell erkennen können, dass ihre Chancen, ein Stipendium zu bekommen, sehr gering sind und davon abhängen dürften, dass sie sich als an die professionelle OSM-Umgebung angepasst und dazu kompatibel präsentieren. Introvertierte und Menschen aus Kulturen, in denen ein deutlich anderer Kommunikationsstil dominiert, dürften so gut wie keine Chancen haben, da sie kaum dem etablierten Idealbild eines SotM-Stipendiaten entsprechen können.

Insgesamt gesehen denke ich, dass unabhängig von der Zukunft der SotM als ganzes der OSMF-Vorstand das Stipendien-Programm in der derzeitigen Form absetzen sollte. Selbst wenn ich für den Moment mal allen Beteiligten die Gunst des Zweifels gewähre und annehme, dass alle selbstlos versuchen, ihr Bestes für eine gerechte Auswahl der Bewerber zu tun, ist das Ganze im Grunde ein Desaster, welches darauf wartet, zu passieren – entweder durch vorsätzliche Begünstigungen und Korruption oder auch nur einfach durch Inkompetenz. Für keine dieser Möglichkeiten scheinen Mechanismen zu existieren, die das verhindern würden.

Jegliche Art von Stipendien oder sonstiger finanzieller Unterstützungen (und ich denke hier explizit auch an Ideen wie Microgrants – welche leider möglicherweise auf dem Weg in eine ganz ähnliche Richtung sind) müssten meiner Meinung nach zwingend aus der Gemeinschaft der Hobby-Mapper heraus gemanagt und breit unterstützt werden. Die Tatsache, dass anscheinend im Moment kaum jemand aus der Community daran interessiert ist, sich bei der Organisation des Stipendien-Programms zu engagieren, sollte dem OSMF-Vorstand und der SotM-WG eigentlich verdeutlichen, dass hier ernsthaft etwas geändert werden muss. Selbst wenn (oder genauer: gerade wenn) Leute denken, dass die Stipendien wichtig sind, sollte sie versuchen, auf einen Neustart des Programms mit einem klaren Mandat und einer soliden ethischen und prozeduralen Grundlage hinzuwirken. Dies würde vor allem auch potentiellen Freiwilligen die Gewissheit verschaffen, dass sie sich guten Gewissens bei der Organisation von etwas engagieren können, was dem Projekt tatsächlich zu Gute kommt. Die detailliertere Dokumentation, die wir dieses Jahr zum tatsächlichen Ablauf des Auswahl-Prozesses haben ist eine positive Entwicklung die ich sehr zu schätzen weiß, aber im wesentlichen illustriert sie für mich vor allem das Fehlen von und den dringenden Bedarf für ein ordentlichen Rahmenwerk und verbindlichen Regeln und Kontrollmechanismen.

Ergänzung: Es wurden eine ganze Reihe weiterer Informationen und Daten ergänzt nachdem ich begonnen habe diesen Beitrag zu schreiben. Jeder ist angehalten, diese zu studieren, um sich ein detaillierteres Bild zu machen.

Die Zukunft der SotM

Damit komme ich zum letzten Teil und einem erneuerten kritischen Blick auf die Idee der SotM-Konferenz als Ganzes. Ich habe bereits zuvor meine Bedenken hierzu formuliert, insbesondere was die Illusion angeht, dass die SotM eine Konferenz für die gesamte OSM-Community ist. Nächstes Jahr ist geplant, dass die Konferenz in Kapstadt, Südafrika stattfindet. Das macht mir persönlich die Entscheidung recht einfach, denn die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass ich dorthin reisen werde – zumindest nicht auf eigene Kosten. Grob geschätzt würde ich für den Preis eines Besuches der SotM in Kapstadt vermutlich die meisten lokalen OSM-Konferenzen in Europa besuchen können, und dabei deutlich mehr unterschiedliche Leute treffen. Diese Variante scheint mir in vielerlei Hinsicht attraktiver als ein einzelner Besuch in Südafrika.

Als ich das erste Mal vorgeschlagen hatte, die gesonderte internationale SotM-Konferenz aufzugeben und dass stattdessen die OSMF jedes Jahr eine ausgewählte regionale Konferenz gezielt unterstützen könnte, waren die meisten Reaktionen eher negativ. In Gesprächen auf der SotM dieses Jahr zur Zukunft der Konferenz habe ich jedoch deutlich mehr Leute gehört, die dieser Idee im Grunde zustimmen würden. Insgesamt gibt es denke ich zwei mögliche Entwicklungsrichtungen für die Zukunft:

  • Die Idee einer internationalen SotM aufgeben und stattdessen rotierend lokalen/regionalen Konferenzen, welche vollständig von der lokalen Mapper-Community geplant und organisiert werden, gezielt zu unterstützen. Das Ziel könnte hierbei zum Beispiel sein, finanzielle Unterstützung bereit zu stellen (entweder durch eigenen Mittel der OSMF oder durch Vermittlung von Sponsoren), die es der jeweiligen Konferenz erlaubt, lokalen Community-Mitgliedern freien Eintritt zu bieten und damit eine breite Zugänglichkeit für lokale Mapper zu gewährleisten. Zusätzlich könnte die OSMF auch Video-Aufnahmen der Veranstaltungen und Live-Übertragungen organisieren, wodurch eine größere Reichweite erreicht würde und eine gewisse Beteiligung ermöglicht würde auch ohne eine teure und ressourcenintensive Anreise.
  • Die Illusion aufgeben, dass die SotM eine Community-Konferenz ist und sich auf den derzeitigen tatsächlichen Schwerpunkt konzentrieren: Ein Treffen professioneller OSM-Nutzer und einer internationalen OSM-Elite, wofür zusätzlich noch ein paar lokale der OSM-Community des Ortes der Konferenz eingeladen werden.

In der Diskussion zum Ort für die Konferenz im nächsten Jahr (die Entscheidung wurde in der letzten Minute auf der Konferenz gefällt) gab es die Wahl zwischen zwei Bewerbungen – Rapperswil und Kapstadt – welche beide selbst ohne die Anreise-Kosten eher auf der teuren Seite liegen. Die dokumentierten Kriterien für die Auswahl des Konferenz-Ortes machen es im Grunde auch unmissverständlich klar, dass dies nicht als Community-Konferenz konzipiert ist, sondern primär an den Interessen geschäftlicher Besucher und wohlhabender kosmopolitischer Hobbyisten ausgerichtet ist. Die Erschwinglichkeit eines Besuches findet sich nirgendwo als Kriterium auf der Liste. In gewisser Weise sind wir also schon recht weit auf dem Weg zur zweiten skizzierten Variante. Ein breiteres Bewusstsein in der Community für diese Tatsache – und die Wahl von Kapstadt für nächstes Jahr könnte dies weiter unterstreichen – könnte jedoch auch verstärkte Unterstützung für die erste Variante erzeugen.

Und nur für den Fall, dass sich irgendjemand das fragt – dieser Kommentar wäre sehr ähnlich ausgefallen, wenn die Entscheidung auf Rapperswil gefallen wäre. Meine persönlichen Kosten für eine Besuch in Rapperswil wären natürlich geringer gewesen als für Kapstadt aber das liegt ausschließlich an der unterschiedlich weiten Anreise. Die lokalen Kosten wären in Rapperswil vermutlich sogar höher. Für die meisten Besucher von außerhalb Europas wäre der Unterschied vermutlich eher gering.

9. Oktober 2019
von chris
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Wie man Geo-Visualisierung nicht machen sollte

In den vergangenen Tagen gab es auf digitalen Kanälen in Deutschland etwas Diskussion um ein ziemlich eindrucksvolles Totalversagen beim Versuch der Geo-Visualisierung, was ich hier mal kurz kommentieren wollte.

Objekt der Diskussion ist ein neues Banner-Bild auf Twitter von der konservativen Partei in Deutschland, der CDU:

Politisch ist das im Grunde nur ein recht unbeholfener Versuch, etwas von der Unterstützung für die Fridays for Future und Sorgen um den Klimawandel für die eigene konservative politische Agenda abzugreifen. Der interessantere Teil ist das Hintergrund-Bild, welches in mehreren Aspekten in eklatantem Konflikt mit der physikalischen Realität steht.

Wenn man sich das Bild anschaut – man findet eine größere Version hinter dem Link – dann kann man eine ganze Reihe von typischen Anfänger-Fehlern bei der Gestaltung von Visualisierungen der gesamten Erde oder großer Teile davon finden:

  • die Atmosphäre ist komplett unrealistisch in Dicke und Dichte-Profil. Die tatsächliche Atmosphäre der Erde ist relativ dicht (bedeutet: optisch dicht) in den niedrigeren Teilen und dünnt nach oben hin sehr schnell aus. Der dichte untere Teil wäre in voller Größe des Bildes nicht mehr als 3-4 Pixel breit am Rand des sichtbaren Erd-Umrisses – und nicht ein fluffiger Halo drumherum wie auf diesem Bild.
  • Die Berge sind in ihrer Höhe so absurd übertrieben, dass das Ganze zu einer Karikatur der tatsächlichen Form der Erde wird. Das bedeutet im Ergebnis, dass der Illustration jeglicher Sinn für die Größe der Erde fehlt und der Betrachter den Eindruck bekommt, dass die Erde eine Art Spielzeug-Modell von vielleicht ein paar dutzend Kilometern Größe ist.
  • Die Beleuchtung ist einfach nur lächerlich – die Richtung der Sonne deutet eine Art Morgen-Beleuchtung im Sommer an – obwohl sie vermutlich von ein bisschen weiter nördlich kommt, als dies physikalisch möglich ist. Und dies wird dann kombiniert mit einer Nacht-Darstellung der Erdoberfläche auf der rechten Seite (im Osten) – auf der Seite, wo die Sonne herkommt.

Was also kommuniziert das Bild insgesamt? Dass die CDU Politik für einen ausgedachten Spielzeug-Planeten macht, welcher sich nicht um die Gesetze der Physik schert.

12. September 2019
von chris
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Ein klarerer Blick auf die Berge

Ich habe während der letzten paar Monate an einer Reihe technischer Verbesserungen bei der Qualität von 3d-Ansichten gearbeitet. Diese möchte ich hier vorstellen zusammen mit einer Reihe neuer Bilder der Region Kaschmir/Karakorum/Pamir, welche zur Demonstration dieser Neuerungen gut geeignet ist.

Das Entfernen von Schattierung

Satellitenbilder zeigen so wie sie aufgenommen wurden immer eine bestimmte Beleuchtung, welche der Position der Sonne zum Zeitpunkt der Aufnahme entspricht. Wenn man so ein Satellitenbild direkt darstellt, ist die Schattierung durch diese gerichtete Beleuchtung von großer Bedeutung für die Lesbarkeit des Bildes. Die Flexibilität bei der Wahl der Beleuchtung ist dabei im Allgemeinen sehr gering und beschränkt sich in den meisten Fällen auf die Wahl der Jahreszeit der Aufnahme, wenngleich es da ein paar Ausnahmen von gibt, über die ich hier auch schon mehrmals geschrieben habe.

Die meisten Leute, die 3d-Visualisierungen auf Grundlage von Satellitenbildern produzieren, nutzen diese inherente Beleuchtung wie sie aufgenommen wurde als Grundlage für die Visualisierung. Dies bedeutet dann natürlich, dass man keinerlei Flexibilität in dieser Hinsicht bei der Darstellung hat und führt auch gewöhnlich zu kleineren Inkonsistenzen dadurch, dass die sichtbare Schattierung meist nicht präzise zur dargestellten 3d-Geometrie passt. Dies wird vom Betrachter als Einschränkung des Realismus der Darstellung wahrgenommen und lenkt vom eigentlichen Inhalt der Visualisierung ab.

Aus diesem Grund verwenden meine 3d-Ansichten eine präzise berechnete Simulation der Beleuchtung, wie sie individuell für die jeweilige Ansicht ausgewählt wurde, und zwar unabhängig von der Beleuchtung bei der Aufnahme der verwendeten Bilddaten. Viele meiner Ansichten zeigen beispielsweise eine Abend-Beleuchtung, während die Satellitenbilder am Vormittag entstanden sind. Damit das gut funktioniert muss ich natürlich die Schattierung in Folge der Beleuchtungsrichtung bei der Aufnahme aus den Bilddaten entfernen. Das mache ich mittlerweile seit mehr als zehn Jahren. Der Prozess dafür ist über die Jahre immer weiter verbessert worden und die neuesten Modifikationen haben insbesondere zu einer besseren Genauigkeit und Robustheit in schwierigen Situationen geführt. Hier ein paar Beispiele.

 

Original L1C-Bild

Kompensiert für Atmosphere und Schattierung

Man sieht, dass die Version mit Kompensation der Schattierung irritierend flach und strukturlos aussieht – das ist aber genau das Ziel dabei, denn der Eindruck der Topographie der Erdoberfläche soll am Ende ja durch die hierauf aufbauende Berechnung der Schattierung bei der simulierten Beleuchtung in der 3d-Ansicht kommen. Und während man die Relief-Struktur im Bild ohne Schattierung nicht mehr erkennen kann, sind die Unterschiede in der eigentlichen Färbung der Erdoberfläche deutlich besser erkennbar nachdem die Schattierung entfernt wurde.

Klarere Geometrie

Eine weitere Verbesserung hab ich in Form einer neuen Vorverarbeitung der Geometrie-Daten eingeführt, bei der das Rauschen unter Erhalt der Konturschärfe reduziert wird. Ich verwende hier die ALOS AW3D30 Reliefdaten – welche eine gute Abdeckung in dieser Region bieten. Diese Daten weisen – genau wie alle anderen vergleichbaren Datensätze – einen erheblichen Anteil unkorrelierten Rauschens auf, der bei einer direkten Verwendung in der Darstellung zu sehen ist. Indem ich dieses Rauschen reduziere und dabei darauf achte, die tatsächlichen Reliefdetails zu erhalten, bekomme ich eine klarere und besser lesbare Darstellung. Das verwendete Verfahren ist angelehnt an die Methoden, welche ich für die Generalisierung von Schattierten Relief-Darstellugen in 2d verwende.

Original-Reliefdaten mit Rauschen


Mit Reduktion des Rauschens und Generalisierung der Reliefdaten

Beispiele

Hier verschiedene Beispiele aus der Region Kaschmir/Karakorum/Pamir, welche unter Verwendung der beschriebenen Techniken produziert sind. Alle diese sowie weiter Bilder finden sich im Katalog.

Zunächst die bekannte Ansicht des K2, welche ich auf der Hauptseite von services.imagico.de zeige in der alten und in der neuen Version.

K2 – Ansicht von 2006


K2 – Ansicht von 2019

Und hier eine Auswahl weiterer Bilder dieser Region.

Das westliche Ende des Himalayas


Der Nanga Parbat


Der obere Teil des Karakorum


Das Hunza-Tal von Süden


Der Fedtschenko-Gletscher


Der Tian Shan

16. August 2019
von chris
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SotM 2019 Heidelberg – Bemerkungen zum Programm

In etwas mehr als einem Monat findet in Heidelberg die State-of-the-Map-Konferenz 2019 statt und da das Programm mittlerweile verfügbar ist – einschließlich Zusammenfassungen der Vorträge – hier eine kurze Analyse davon was uns da erwartet.

Ich habe die Liste der Vorträge und Workshops durchgeschaut und eine grobe Kategorisierung vorgenommen. Diese hat nicht den Anspruch, absolut präzise zu sein – offensichtlich gibt es Grenzfälle. Die Lightning-talks habe ich dabei nicht mit einbezogen.

  • Es gibt etwa 25 Programmpunkte von kommerziellen Organisationen und Unternehmen verschiedener Art. Etwa die Hälfte davon sind von großen internationalen Konzernen. Von den meisten Unternehmen gibt es jeweils nur einen einzigen Vortrag.
  • Es gibt etwa 24 Programmpunkte von nicht kommerziellen Organisationen verschiedener Art – von Universitäten und öffentlichen Einrichtungen bis zu gemeinnützigen Organisationen und Community-Projekten. Etwa fünf davon sind von der OSMF (welche die Konferenz veranstaltet). Außer der OSMF scheint keine einzelne Organisation hinter mehr als zwei Vorträgen zu stehen.
  • Es gibt etwa 22 Programmpunkte, die ich als Beiträge individueller Besucher und von Projekten ohne formelle Organisation kategorisieren würde.

Wie üblich lassen sich ohne Kenntnis der Bandbreite der Einreichungen, aus denen das Programm zusammengestellt wurde, keine belastbaren Aussagen zur Ausgewogenheit der Programm-Auswahl treffen, aber es scheint klar, dass man bedacht war, hier auf verschiedenen Ebenen eine Balance zu erreichen. Der deutlichste Aspekt von Unausgewogenheit ist sicherlich die Präferenz für Englischsprachige Beiträge. Hier wäre ich sehr dafür, diese Anforderung abzuschwächen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Mehr Überlegungen zum grundsätzlichen Konzept der SotM finden sich in meinem Beitrag vom letzten Jahr.

Vortragsempfehlungen

Auf Grundlage einer schnellen Durchsicht des Programms hier ein paar Empfehlungen dazu, was vielversprechende Programmpunkte sein könnten. Diese Liste ist nicht als Abwertung der übrigen Vorträge als weniger wertvoll oder interessant gedacht – mehr als Liste von besonders bemerkenswerten Programmpunkten, welche meiner Meinung nach heraus stechen und vielleicht auch als Empfehlung, was man sich anschauen könnte, wenn man nur eine Hand voll Vorträge besuchen kann und keine speziellen thematischen Interessen hat.

  • Introduction to OSM: How it’s made and how it’s used – obwohl dies für erfahrene Besucher vermutlich nicht viele neue Einsichten eröffnet, verspricht das Konzept eine unterhaltsame Veranstaltung und dürfte lohnenswert zu besuchen sein.
  • Communication and Knowledge Transfer in OSM – zwar ist zu befürchten, dass in einem Zeitrahmen von 20 Minuten nicht viel mehr als ein grober Überblick möglich ist. Aber das Themas ist wichtig und von zentraler Bedeutung für den zukünftigen Erfolg des Projektes. Hanna wird vermutlich eine solide Zusammenfassung des Status quo in diesem Bereich liefern sowie eine wertvolle Perspektive darauf, was die Defizite und Probleme dabei sind und woran gearbeitet werden muss.
  • Mapathon, mapathon, mapathon! – Der Titel ließe sich sicher verbessern, das Hauptthema hier ist ein kritischer Blick auf die etablierten Praktiken bei einzelnen Projekten der gemeinschaftlichen Datenerfassung (auch bekannt als mapathons). Séverin and Nicolas haben eine Menge Erfahrung in der Kultur-übergreifenden Zusammenarbeit bei der Datenerfassung in OpenStreetMap und der Vortrag verspricht, diese Kultur-übergreifenden Zusammenarbeit in die Konferenz zu bringen, indem Besucher aus verschiedenen Ländern ihre Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema vortragen. Der Vortrag ist Startpunkt für eine Reihe von Programmpunkten, die daran anknüpfen – zum einen ein zweiter Vortrag direkt im Anschluss und zum anderen eine zweisprachige Diskussions-Veranstaltung später.
  • Is the OSM data model creaking? – Kritische Reflektion über die grundlegenden Aspekte des Datenmodells sind sowohl in OpenStreetMap als auch in der GIS-Welt sehr selten. Dieser Vortrag verspricht etwas in dieser Richtung – ein in meinen Augen sehr wichtiges Thema. Da der Schwerpunkt dabei auf einem sehr speziellen Anwendungsfall liegt (Radfahr-Karten und -Routing), besteht natürlich die Möglichkeit, dass es am Ende um recht einfache Tricks geht, welche auf den Anwendungsfall begrenzt sind. Aber vielleicht ist die Herangehensweise auch grundsätzlicher, was besonders interessant wäre.
  • New processes to agree on tagging suggestions and their interaction with the editing software available on openstreetmap.org – Dies könnte man als eine thematisch spezifischere Anknüpfung an den oben erwähnten Vortrag zu Kommunikation und Wissenstransfer auffassen. Roland bietet immer eine nüchtern analytische Perspektive auf die Dinge. Hier hat er außerdem einen innovativen Ansatz gewählt, um dediziert Beiträge von Leuten einzubeziehen, welche nicht bei der Konferenz anwesend sind. Die Veranstaltung ist damit gewissermaßen eher eine Anknüpfung an einen Prozess im Vorfeld, um Ideen zum Thema auf digitalen Kanälen zu sammeln. Unabhängig vom eigentlichen Thema – welches für sich genommen auch von großem Interesse ist – ist dies ein interessanter und innovativer Ansatz, eine Diskussion zu führen und Ideen zu entwickeln und auszutauschen und dabei die digitale Kommunikation mit einer vor-Ort-Veranstaltung zu verknüpfen.
  • OSM Vector Tiles in custom coordinate systems – Koordinaten-System-unabhängige Karten-Produktion ist ein Thema, welches vom kartographischen Mainstream in OpenStreetMap bisher fast komplett ignoriert wird. Wie auch beim Vortrag zum Datenmodell könnte es auch hier natürlich sein, dass das Thema eher oberflächlich behandelt wird. Es gibt jedoch so viele interessante Probleme mit Bezug zu diesem Thema, die den meisten Kartenproduzenten gar nicht bewusst sind, dass dies in jedem Fall von Interesse sein dürfte für alle, die Karten in anderen Projektionen als Mercator entweder produzieren oder produzieren möchten.

Stipendien

Ein anderer sehr interessanter Programmpunkt sind die Scholar Lightning Talks, welcher die erste öffentliche Information über das ansonsten wie verschiedentlich erwähnt extrem intransparente Stipendien-Programm der SotM nach dem Aufruf zur Bewerbung ist.

Die Liste von Vorträgen ist nicht notwendigerweise eine vollständige Liste aller OSMF-Stipendiaten bei der Konferenz – es könnten noch andere geben, die entweder einen regulären Vortrag halten oder gar keinen. Aber es sind 10 Stipendiaten gelistet und das ist durchaus plausibel als komplette oder fast komplette Liste der Stipendiaten.

Woher kommen die Stipendiaten? Wir haben Leute aus:

  • Philippinen (x2)
  • Nepal
  • Lesotho
  • Indien
  • Nicaragua
  • Niederlande
  • Gambia
  • Tansania
  • Kolumbien

Zum Vergleich – letztes Jahr gab es Stipendiaten aus:

  • Deutschland (x2)
  • Portugal
  • UK
  • Russland
  • Mexiko
  • Kolumbien
  • Uganda
  • Kenia
  • Lesotho
  • Mosambik
  • Philippinen
  • Nepal
  • Bangladesch
  • Indonesien
  • China

Und 2017:

  • Bangladesch
  • Albanien (x2)
  • Litauen
  • Zypern/USA
  • Indien
  • Argentinien
  • Italien (x2)
  • Senegal
  • Niger
  • Nicaragua/Costa Rica
  • Sri Lanka
  • Sierra Leone
  • Kolumbien

Fällt etwas auf? Nun – zunächst einmal ist es recht offensichtlich, dass die SotM 2020 vermutlich auf den Philippinen stattfinden wird, denn die beiden letzten SotMs fanden statt in Ländern, woher im Jahr zuvor zwei Stipendiaten kamen. Für weitere Muster hier eine Karte, welche die Verteilung der Stipendiaten der Jahre 2017, 2018 und 2019 zeigt (in Blau die Herkunft der Stipendiaten, Magenta die Konferenz-Orte).

Woher OSMF-SotM-Stipendiaten 2017-2019 kommen

Wie zuvor erwähnt gibt es eine recht deutliche geographische Unausgewogenheit in der Herkunft der SotM-Stipendiaten. Diese kann man recht anschaulich ausdrücken in Form der statistischen Wahrscheinlichkeit dafür, dass jemand ein Stipendium bekommt. Dies ist wohlbemerkt eine Unausgewogenheit des Prozesses als ganzes – von der Anwerbung und Motivation von Bewerbern bis hin zur eigentlichen Auswahl. Mangels jeglicher öffentlicher Informationen über die Bewerber und ihre Herkunft (diese Daten werden von der OSMF trotz Anfragen geheim gehalten) lässt sich nicht sagen, ob diese Unausgewogenheit primär im Auswahl-Prozess liegt oder bereits davor.

  • Wenn man aus Afrika kommt, hat man die besten Chancen, SotM-Stipendiat zu werden, wenn man von südlich der Sahara stammt (10 von 10 von dort) und hat auch deultich bessere Chancen, wenn man aus einer ehemaligen britischen Kolonie stammt (7 von 10).
  • Wenn man aus der neuen Welt stammt, sind die Chancen auf ein Stipendium deutlich besser, wenn man aus dem mittleren Bereich zwischen Mexiko und Kolumbien stammt (6 von 7).
  • Wenn man aus Asien stammt, ist man deutlich im Vorteil, wenn man aus einer ehemaligen britischen oder US-Kolonie kommt (10 von 12).
  • Falls man aus Nordafrika, dem Nahen Osten oder Zentralasien stammt, sind die Chancen sehr schlecht (keiner von insgesamt 41 Stipendianten stammt aus diesen Regionen).
  • Einzelne Länder mit starker Bevorzugung sind: Kolumbien (3x), Philippinen (3x), Albanien (2x), Deutschland (2x), Italien (2x), Nicaragua (2x), Lesotho (2x), Indien (2x), Nepal (2x), Bangladesch (2x).