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2. August 2019
von chris
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Ansichten von Europa auf Grundlage von Landsat-Farbdaten

Vor einiger Zeit habe ich eine neue Technik zur Produktion von Satellitenbild-Zusammenstellungen mit präzisen Farben auf Basis von Landsat- und Sentinel-2-Daten mit Hilfe von Pixel-Statistik-Methoden vorgestellt. Hier jetzt ein paar 3D-Ansichten von Teilen von Europa produziert auf Grundlage dieser Bilddaten, was eine genauere und ausgeglichenere Farbwiedergabe ermöglicht als frühere Darstellungen der Region auf Grundlage von MODIS-Daten.

   

30. Juli 2019
von chris
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Ansichten der gesamten Erde auf Grundlage der „Green Marble“

Ich hab ein bisschen Rückstand bei der Vorstellung von 3D-Ansichten hier im Blog, welchen ich in den nächsten Beiträgen hier etwas abarbeiten möchte.

Der erste Teil davon ist ein Satz von Ansichten der gesamten Erde auf Grundlage des „Green Marble“ Mosaiks. Gesamtansichten der Erde scheinen vielleicht auf den ersten Blick eine vergleichsweise langweilige Variante von 3D-Ansichten zu sein mit wenig Spielraum bei der Komposition. Aber die Möglichkeiten dabei sind vielfältiger, als es vielleicht auf den ersten Blick scheint.

Hier ein Reihe von Ansichten mit der selben Beleuchtung und mit Blick auf den selben Punkt der Erdoberfläche, jedoch mit einem unterschiedlichen Abstand der Kamera vom Erdmittelpunkt – und, um zu einer gleichen Größe der Erde in der Darstellung zu kommen, mit unterschiedlichem Kamera-Winkel. Wie man sieht, unterscheidet sich das Ergebnis stark, obwohl der Planet als Ganzes natürlich immer kreisförmig erscheint.

400000 km Abstand

40000 km Abstand

20000 km Abstand

10000 km Abstand

Dieser Unterschied ist der kombinierte Effekt der Verzerrung einer Weitwinkel-Kamera, wie sie bei den kürzeren Abständen zum Einsatz kommt, und der gekrümmten Form der Erdoberfläche. Hierdurch ergeben sich Möglichkeiten, die Komposition des Bildes erheblich zu gestalten selbst wenn man auf einen vorgegeben Punkt auf der Erdoberfläche schaut.

Hier der Satz Bilder, welchen ich hier vorstellen möchte – diese habe ich schon vor einiger Zeit produziert, jedoch erst jetzt im Katalog bereitgestellt:


     

Natürlich sind auch spezifisch nach Wunsch produzierte Ansichten möglich – bei Bedarf einfach Anfragen.

15. Juli 2019
von chris
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Die Arktis brennt – oder doch nicht

Irgendjemand scheint es irgendwann in den letzten paar Wochen geschafft zu haben, die Idee in den Köpfen von Journalisten zu platzieren, dass es derzeit extreme Brände in der Arktis gibt und dass dies irgendwie eine außergewöhnlich spektakuläre Nachricht ist. Die Berichte darüber sind dann meist so voll von fehlendem Hintergrundwissen und erfundenem Unsinn und Übertreibungen, dass das in erster Linie als Festmal für Klimawandel-Leugner dient. Ich denke deshalb, dass ich da ein bisschen Aufklärung zu liefern sollte. Hier deshalb ein paar Fakten aus diesem Zusammenhang.

Die Arktis wird gewöhnlich als das Gebiet nördlich der klimatischen Baumgrenze definiert. Grob ist das der Bereich von etwas südlich der Küste des Arktischen Ozeans nordwärts in Sibirien, Alaska und Kanada und dazu noch Grönland, die Beringstraße, die Aleuten und die Hudson Bay. Der Ungefähre Verlauf der Grenze ist hier zu sehen. Der nördliche Polarkreis wird manchmal als geometrisch vereinfachte Grenze der Arktis angesehen. Die Baumgrenze liegt in Teilen Nordamerikas etwas weiter südlich und in Sibirien etwas weiter nördlich. Es gibt in der Arktis um diese Jahreszeit (Juni und Anfang Juli) nur sehr wenige Brände – sowohl dieses Jahr als auch in vergangenen Jahren. Im Juni und Anfang Juli ist in weiten Teilen der Arktis der Schnee gerade noch am schmelzen oder ist gerade geschmolzen so dass der Boden meist noch nass an der Oberfläche ist und damit Brände recht selten auftreten.

Die Feuer, um die es derzeit geht, sind eigentlich Waldbrände im borealen Nadelwald. Solche Waldbrände treten in erheblicher Zahl jedes Jahr auf und sind im Grunde ein natürliches Ereignis. In diesem Jahr haben sie durch verbreitet warmes und trockenes Wetter im Juni insbesondere in Alaska und Teilen Sibiriens recht früh begonnen.

Waldbrände in Sibirien 2019-07-04

Aber ganz allgemein gibt es keine belastbaren Anhaltspunkte dafür, dass die Brände in diesem Jahr im Vergleich zu den letzten Jahren im Gesamt-Umfang besonders herausragend sind. Insbesondere im letzten Jahr gab es in Kanada sehr ausgedehnte Brände und auch Anfang Juli gab es schon erhebliche Brand-Aktivitäten. Abschließend lässt sich das natürlich erst am Ende des Sommers sagen.

Waldbrände in Kanada 2018-08-15

Waldbrände in Sibirien 2018-07-03

Ob es langfristig gesehen über die letzten Jahrzehnte durch Klimawandel einen Trend zu mehr Bränden gibt ist eine Frage, die es wert wäre, solide untersucht zu werden. Dies kann man jedoch nicht nur auf Grundlage von Beobachtungen der letzten ein bis zwei Jahre machen. Und das Zählen einzelner Brände auf Grundlage von Satellitenbildern ist kein geeignetes Instrument dazu. Und falls es einen langfristigen Anstieg der Brände gibt, ist immer noch die wirklich signifikante Frage, ob und wie dies den Kohlenstoff-Haushalt des borealen Waldes als Ganzes beeinflusst. Das ist keine triviale Frage.

Die naheliegendste Erklärung für die ganze Aufregung in den Medien ist, dass eine größere Anzahl von Forschern in diesem Bereich versuchen, über sensationslüstern aufgebauschte Mitteilungen über außergewöhnliche Beobachtungen Öffentlichkeit für ihre Arbeit herzustellen. Und sie finden in Journalisten, die verzweifelt nach Clickbait-Material suchen, willige Verbündete. Das ist nicht sehr verantwortungsvoll. Die fehlende Gründlichkeit bei der Analyse der Beobachtungen und das Weglassen des größeren Zusammenhangs spielt direkt in die Hände derjenigen, welche Klimaforschung als fehlerhaft und nicht glaubwürdig diskreditieren möchten.

1. Juli 2019
von chris
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Sommer und Winter 2019

Ein paar Satellitenbild-Eindrücke von der Mitte 2019 – alle auf Grundlage von Sentinel-2-Daten.

Wolken-Wirbel um Heard Island nahe der Mitte des Winters:

Die letzten Eis-Reste auf Meer und Seen im Norden Kanadas:

Ein weiterer Winter-Eindruck von der südlichen Hemisphere von den Kerguelen-Inseln:

Und hübsche Algenblüte im Meer um St Kilda vor der Küste Schottlands:

Alle Bilder sind in groß auf services.imagico.de verfügbar.

19. Juni 2019
von chris
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Über das Vermessen der Vermesser

Der Vorstand der OpenStreetMap Foundation hat eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Umfrage vorgestellt, die im Vorlauf zum Vorstands-Treffen im Mai durchgeführt wurde. Diese Zusammenfassung enthält eine Reihe interessanter Einblicke, jedoch auch ein paar fragwürdige Ideen und Tendenzen. Hier habe ich ein paar meiner Gedanken zu dem Thema Umfragen zu Meinungen in der OSM-Community und zum größerem Thema Kommunikation und soziale Dynamiken im Projekt gesammelt.

Als Hintergrund – dies steht in Bezug zu einer Reihe von früheren Blog-Beiträgen hier, hier, hier, hier und hier sowie einigen Kommentaren von mir zur Umfrage und zu verwandten Themen.

Die Vielfalt von OpenStreetMap

Eine ganze Menge Leute betrachten OpenStreetMap als eines einer Vielzahl von Internet-Projekten, welche auf der Arbeit Freiwilliger an irgendeiner Sache basieren – mit dem Hauptunterschied zu den tausenden anderer Projekte dieser Art, dass OSM mittlerweile deutlich größer ist, als die meisten davon. Das ist jedoch ein großes Missverständnis.

Wodurch sich OpenStreetMap von anderen Internet-Communities unterscheidet ist nicht die Größe, sondern die Vielfalt. Und mit Vielfalt meine ich nicht die Vielfalt an persönlichen Lebensstilen und an Ausdrucksformen der Beteiligten, sondern fundamentale kulturelle Vielfalt. Wenngleich die Arbeit in OpenStreetMap klar durch Leute aus Westeuropa und Nordamerika dominiert wird was die Zahlen von Beteiligten angeht, gibt es starke lokale OSM-Communities, insbesondere in Russland, Lateinamerika und Japan, welche sich nicht einfach an die kulturellen Werte der Europäer und Nordamerikaner anpassen und sich in deren Strukturen integrieren, sondern welche lokal ihren eigenen, unabhängigen Stil der Datenerfassung definieren und gestalten, der am Ende aber trotzdem nahtlos in das globale Projekt integriert ist.

Dies ist, wodurch sich OpenStreetMap fundamental von anderen Internet-Communities unterscheidet. Und das bemerkenswerte daran ist, dass sich dies so entwickelt hat, ohne dass es von einer zentralen Autorität geplant und umgesetzt wurde. Die Idee, die eigene Kenntnis der lokalen Geographie seiner eigenen Umgebung aufzuzeichnen und mit anderen über eine offene Datenbank zu teilen ist schlicht und einfach etwas, was in vielen Kulturen auf der Welt auf starke Resonanz stößt.

Es ist sehr wichtig, dies im Hinterkopf zu behalten, wenn man über Kommunikation und soziale Mechanismen in der OSM-Community nachdenkt. Man sollte nicht den Fehler machen, Ideen dafür aus anderen Projekten, wie man Dinge handhaben kann, einfach so ohne kritische Reflexion auf OpenStreetMap zu übertragen und zu versuchen OSM nach deren Vorbild umzugestalten, denn in den meisten Fällen würde das schief gehen.

Die Umfrage

Aufgrund der kulturellen Vielfalt der OSM-Community ist die Erhebung von Meinungen und Vorstellungen der OSM-Community in repräsentativer Form praktisch unmöglich. Die vom OSMF-Vorstand durchgeführte Umfrage hatte auch nicht diesen Anspruch, aber obwohl dies bei der Interpretation der Ergebnisse anerkannt wird, lassen die Ausführungen dort gewisse hochproblematische Ideen erkennen, wie Umfragen als politisches Instrument gebraucht werden könnten.

Dadurch, dass die Umfrage nicht repräsentativ ist und keine quantitativen Ergebnisse liefert, ergeben sich zwangsläufig Widersprüche in den Antworten. In diesem Fall scheint es zum Beispiel Antworten gegeben zu haben, die sich einfachere Datenimporte in OSM wünschen genau wie Wünsche nach stärkerer Regulierung von Importen. Ohne zusätzliche Informationen ließen sich solche Antworten dann natürlich im Prinzip zur Rechtfertigung beliebiger politischer Initiativen bezüglich Importen in OSM verwenden.

Der beste Weg, solche Arten von Umfrage-Ergebnissen zu betrachten (zumindest in der zusammengefassten, aggregierten Form wie sie hier präsentiert wurde), ist sie als das Ergebnis einer sehr selektiven Ideensammlung zu betrachten von Themen, die von Interesse sein könnten. Falls dass dem Vorstand hilft, Themen zu erkennen, die ihnen vorher nicht bewusst waren, ist dies sehr nützlich. Sich aufgrund der Ergebnisse jedoch auf den Rücken zu klopfen, weil man sieht, dass die Dinge, die man selbst für wichtig erachtet auch von zumindest einigen weiteren Leuten als wichtig angesehen werden, ist keine gute Idee. Dafür braucht man nämlich keine Umfrage.

Für mich zeigen die Umfrage-Ergebnisse so wie präsentiert eigentlich nichts überraschendens. Sie bestätigen in etwa das Bild, dass ich schon zuvor von den Prioritäten der kommunikativ aktiven Teile der Englisch sprechenden internationalen OSM-Community hatte (und mit Englisch sprechend meine ich hier auch Leute, die Englisch regelmäßig als Fremdsprache sprechen). Das einzige Thema, welches ein bisschen zu fehlen schien, war das Thema organisiertes Editieren (welches man natürlich als Teil des Themenkomplexes Kommerzielle Einflüsse sehen kann). Dies mag eventuell jedoch auch daran liegen, dass die Umfrage explizit nach den wichtigsten Themen fragte und entsprechend priorisiert wurde.

Umfragen als Substitut für den offenen Diskurs

Der problematischere Aspekt in Bezug auf den Bericht des Vorstandes über die Umfrage liegt jedoch in der Idee, Umfragen unter der Community zu einem regulären Teil der Kommunikation des OSMF-Vorstandes mit der OSM-Community zu machen. Ich zitiere hier den Anfang des dritten Absatzes – welche recht schwierig zu lesen ist, weil recht verschwurbelt, dennoch lege ich allen nahe, den aufmerksam zu lesen, denn er ist am Ende insgesamt recht explizit darin, eine bestimmte Vision zu entwerfen, wie Kommunikation zwischen der OSM-Community und dem Vorstand ablaufen soll:

OpenStreetMap is made up of everyone who takes part in it, and hearing each other’s voices in a coordinated way, on a regular basis, will help prioritize where work is needed and what actions to pursue. It ensures a standard way to engage. Surveying can help set up mechanisms to route issues to the right place, share pathways for OpenStreetMap members to contribute and address problems, and identify where the project as a whole needs more help to come up with answers.

Diese Formulierung könnte auch Wort für Wort aus einem Unternehmens-Handbuch zu Kommunikation und Personal-Management stammen – wo Umfragen auch extrem populär sind, denn sie unterstützen die institutionellen Hierarchien, bei denen eine direkte Kommunikation zwischen dem oberen Management und den Kunden bzw. den einzelnen Mitarbeitern üblicherweise nicht erwünscht ist.

Was der OSMF-Vorstand mit dem zitierten Absatz zu sagen scheint (obwohl ich mir nicht ganz im Klaren darüber bin, ob sich alle Vorstandsmitglieder diesem insgesamt bewusst sind – es ist wie gesagt eine recht verschwurbelte Sprache), und was im Vorstands-Treffen vom 19. Juni auch noch mal von einem Vorstandsmitglied in ähnlicher Form wiederholt wurde, ist die Absicht, ein ähnliches Prinzip in der OSM-Community zu etablieren, wo die Eingaben einzelner Community-Mitglieder an das Management primär in “koordinierter Form” stattfinden sollen und nicht in einem offenen Diskurs.

Was man dabei natürlich im Hinterkopf behalten sollte (und was auch in der Unternehmens-Welt oft übersehen wird und was dann gelegentlich zu drastischen Formen von Management-Versagen führt) ist dass Umfragen immer nur Wünsche und Präferenzen transportieren, jedoch aus Prinzip niemals Argumente und Abwägungen kommunizieren können. Wenn man Kommunikation auf Umfragen reduziert, schneidet man sich von Argumenten und Überlegungen der anderen Seite ab und nimmt sich selbst die Möglichkeit, die den Wünschen der Leute zugrunde liegenden Motive und Überlegungen zu verstehen. Menschen auf ihre oberflächlichen Wünsche zu reduzieren ist daneben natürlich auch recht herablassend.

Die Rolle des OSMF-Vorstands

Die Motivation für diese Art von Herangehensweise ist recht klar. Mit dem Wachstum der OSM-Community wird es zunehmend schwieriger, in der Kakophonie unterschiedlichster Meinungen, die artikuliert werden, die Dinge zu identifizieren, an denen wirklich gearbeitet werden muss. Meiner Meinung nach liegt jedoch ein großer Teil dieses Problems darin begründet, dass der OSMF-Vorstand sich mit Themen befasst, die nicht seine Aufgaben sind. Die Aufgabe des OSMF-Vorstands ist es nicht, das OpenStreetMap-Projekt zu verwalten, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen sich die Community selbst verwaltet. Und die Gestaltung dieser Rahmenbedingungen sollte sich nicht an den momentanen Wünschen und Vorstellungen eines nicht repräsentativen Ausschnitts der Community, wie sie durch eine Umfrage ermittelt werden, orientieren, sondern an den langfristigen elementaren Werten des Projektes (über welche ich hier schon viel geschrienen habe – siehe die Links oben).

Ich möchte die Idee von Umfragen unter der OSM-Community nicht pauschal abtun. Als ergänzende Informationsquelle, um Daten als Grundlage für den offenen Diskurs bereitzustellen, kann so was durchaus von Wert sein. Und wenn man Freiform-Antworten aus von der OSM-Community selbst gestalteten Umfragen tatsächlich öffentlich macht, dann kann so was sogar integraler Bestandteil einer offenen Diskussion werden. Aber am Ende findet der Diskurs zu Themen in einer offenen und vielfältigen Gemeinschaft wie OpenStreetMap immer über viele verschiedene Kommunikationskanäle in verschiedenen Sprachen und Ausdrucksformen statt – zwangsläufig unbequem für jeden Versuch einer zentralen Steuerung und Kontrolle. Jeder Versuch, solchen Diskurs zu kanalisieren und zu kontrollieren ist letztendlich zum Scheitern verurteilt – auf die eine oder die andere Art.

11. Juni 2019
von chris
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Versteckte Nachrichten in OpenStreetMap

Bei der Überprüfung von zur Visualisierung von bebauten Gebieten verarbeiteten OpenStreetMap-Daten sind mir ein paar merkwürdige Strukturen in Nordindien aufgefallen. Das sieht etwa so aus:

Diese Strukturen sind des Resultat von selektiver Daten-Erfassung in OpenStreetMap. Ein Mapper hat hier Siedlungen entlang eines Kreises erfasst, aber nicht innerhalb und außerhalb.

Historisch sind derartige abstrakte künstliche Strukturen in Daten, die ansonsten korrekt die tatsächliche Geographie wiedergeben, nicht ungewöhnlich. Eine besonders beliebte Methode ist hier bei Importen und automatischen Bearbeitungen die Änderungen in einer bestimmten Reihenfolge durchzuführen – der bekannteste Fall dafür ist die berühmte ban potlatch!-Nachricht:

Derartige versteckte Informationen sind jedoch nur in einer detaillierten Analyse der Daten sichtbar. Der Kreis oben ist hingegen auch in der normalen Karte zu sehen.

Und da es Mappern in OpenStreetMap erlaubt ist, frei auszuwählen, was sie mappen und was sie nicht mappen, ist der einzige Weg, derartige versteckte Nachrichten zu entfernen ohne nützliche Daten zu zerstören, dass man den Rest des Gebietes genau so detailliert erfasst.

6. März 2019
von chris
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Antarktische Nacht 2019

Letztes Jahr hab ich berichtet, dass der USGS die Aufzeichnung von Nacht-Aufnahmen mit Landsat bei hohen Breiten im Sommer ausgeweitet hat und habe auch einige Beispiele vom Sommer im Norden dafür gezeigt.

Für den südlichen Sommer gilt das ebenso und ich habe jetzt ein paar neue Satellitenbild-Zusammenstellungen produziert, welche an mein erstes Bild dieser Art von 2013 anknüpfen.

Alle diese Bilder erstrecken sich über die Tag-Nacht-Grenze so dass die Sonne in Teilen des Bildes über dem Horizont steht und in anderen Teilen darunter – aufgrund der unterschiedlichen Aufnahme-Zeitpunkte und der Erdkrümmung. In dieser Hinsicht ähneln sie dem Sonnenaufgang-Bild, welches ich 2015 gezeigt habe – welches eines meiner populärsten Antarktis-Bilder ist. Dieses Bild war jedoch vom Sonnenaufgang und zu Beginn des antarktischen Sommers – die Bilder hier sind alle Abend-Bilder von später im Sommer, wo die Tage kürzer werden und der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs mit dem Zeitfenster der Aufzeichnung in der Nacht zusammenfällt. Siehe dazu auch einige ähnliche Bilder von EO-1 von 2017.

Das erste Mosaik ist wie das Bild von 2013 vom McMurdo Sound – jedoch von später im Sommer und dadurch mit weniger Meereis und mit einem niedrigerem Sonnenstand.

Das zweite Bild zeigt den Lambert-Gletscher und das Amery-Schelfeis. Süden ist links im Bild – ungefähr in Richtung der Sonne.

Es gibt in diesem Bild eine Menge interessante Details – wie diese inverse Gletscherzunge, welche in eine Bucht ragt, die ansonsten von Bergen umgeben ist, welche das Eis blockieren.

Auf dem Gltscher sieht man recht viele Schmelzwasser-Seen. Die ganze Gegend, insbesondere die weiter von der Küste entfernten Teile, zählt zu den sonnenreichsten Teilen der Antarktis so dass in den niedrigeren Bereichen das Eis an der Oberfläche im Sommer recht umfassend schmilzt.

Und schließlich noch ein Bild von der Antarktischen Halbinsel. Dieses hab ich in einer etwas ungewöhnlichen Orientierung produzert mit Norden rechts unten – um mit der Aufnahme-Richtung des Satelliten übereinzustimmen und für eine intuitiv verständliche Beleuchtungs-Richtung.

Auch hier zwei Ausschnitte – der erste vom Rand des Eisbergs A-68 – welcher 2017 entstanden ist und im Bild unten links teilweise zu sehen ist – ebenso wie eine Reihe kleinere Eisberge.

Der zweite Ausschnitt zeigt den Grat der Halbinsel von wo die GLetscher zu beiden Seiten hinabfließen und wo die niedrig stehende Sonne die Seiten der Berge beleuchtet.

Alle drei Bilder finden sich im Katalog auf services.imagico.de.

3. März 2019
von chris
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Winterbilder

Ich hab hier in der letzten Zeit nicht viele Satellitenbilder gezeigt – deshalb hier ein paar Winter-Impressionen aus der nördlichen Hemisphäre vom Januar und Februar.

Das erste Bild ist eine Früh-Morgen-Ansicht von den Westfjorden im Nordwesten Islands kurz nach Sonnenaufgang – aufgenommen im Januar von Landsat 8.

Als nächstes ein Sentinel-2-Bild vom südlichen Iran mit dem schneebedeckten Zagros-Gebirge und den grünen Tälern und Ebenen von Chuzestan mit einem Staubsturm, welcher den westlichen Teil des Bildes an der Grenze zum Irak verdeckt.

Das dritte Bild ist ein Landsat-Mosaik auf Grundlage von Bildern von Ende Februar, welches den Osten der Kamtschatka-Halbinsel zeigt wo drei Vulkane (Shiveluch, Klyuchevskaya Sopka and Karymsky) diese Tage gleichzeitig Aktivität zeigen.

Hier drei vergrößerte Ausschnitte davon.

24. Januar 2019
von chris
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Beispiel-Gallerie für den alternative-colors-Kartenstil

Wenn ich hier die Gestaltung von OSM-Kartenstilen diskutiere zeige ich oft Beispiele aus dem alternative-colors-Stil. Jedoch gibt es derzeit keine interaktive Karte über die Demo für die niedrigen Zoomstufen hinaus.

Ich habe aber mal eine Gallerie zusammengestellt, wo man eine Reihe von Beispielen bei verschiedenen Zoomstufen von verschiedenen Gegenden finden kann, welche zeigen, wie der Stil diese darstellt.

14. Januar 2019
von chris
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Satellitenbild-Erfassungen – Bericht für 2018

Es hat diesmal etwas länger gedauert, aber hier ist mein traditioneller jährlicher Bericht zu den Satellitenbild-Erfassungszahlen im Bereich offener Daten – konkret Sentinel2 und Landsat – im Zeitraum Oktober 2017 bis Oktober 2018. Zum Vergleich der Bericht vom letzten Jahr.

Ich mach das dieses mal relativ kurz. Hier die Gesamt-Entwicklung der Erfassungs-Zahlen über die Zeit:

Man sieht, dass das Volumen der Sentinel-2-Erfassungszahlen Anfang 2018 deutlich gesteigert wurde (was ich bereits in meinem Zwischenbericht erwähnt hatte). Das ist das Ergebnis davon, dass beide Satelliten jetzt alle größeren Landmassen mit einem zehn-Tage-Intervall aufnehmen. Man erkennt das auch in den unten verlinkten Visualisierungen der räumlichen Verteilung.

In den letzten Monaten (also im nordhemispherischen Winter), welche in der Darstellung noch nicht enthalten sind, welche aber in den detaillierten Abdeckungen für jede Umlauf-Periode und den täglichen Erfassungs-Zahlen zu sehen sind, ist das Volumen wieder geringer, und zwar durch die Aufnahme-Grenze in Bezug auf die Sonnenhöhe, wodurch die ESA Sentinel-2 derzeit gewissermaßen unter Kapazität betreibt – obwohl es natürlich schon Möglichkeiten gäbe, die freie Kapazität sinnvoll zu nutzen:

  • um die Antarktis mit höherer Frequenz aufzunehmen
  • indem man kleine Inseln aufnimmt, die im normalen Plan nicht enthalten sind
  • indem man die Grenze bei der Sonnen-Höhe im Norden absenkt.

Die Landsat-Satelliten nehmen mit dem selben Muster wie in den vergangenen Jahren auf – mit der reduzierten Erfassung der Antarktis, wie sie in der Saison 2016-2017 begonnen wurde und welche zu dem zu beobachtenden doppelten Minimum im Jahresverlauf führt. Man sieht dies auch in den Visualisierungen der räumlichen Verteilung unten. Der USGS hat daneben für Landsat 8 die Nacht-Erfassungen bei hohen Breiten im Sommer (also Abend-Bilder) ausgeweitet – wie ich zuvor bereits erwähnt hatte. Off-Nadir-Aufnahmen an der nördlichen und südlichen Aufnahme-Grenze sind ähnlich wie im vorherigen Jahr durchgeführt worden.

Janr Tag Nacht
2014 LS8, LS7 LS8 LS8
2015 LS8, LS7 LS8 LS8
2016 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A
2017 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A, S2B, S2 (beide)
2018 LS8, LS7 LS8 LS8, S2A, S2B, S2 (beide)

21. Dezember 2018
von chris
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Mehr zur Vegetations-Darstellung in OpenStreetMap-Karten

Dieser Beitrag knüpft an meine frühere Diskussion der differenzierten Darstellung von Wäldern an. Wälder sind was die Darstellung von Vegetation in Karten angeht ein relativ einfaches Thema. Wenn man darüber hinaus geht wird es unübersichtlich.

In OSM-Carto ist es traditionell üblich, dass grüne Flächen-Farben für Elemente mit Vegetations-Bezug verwendet werden – was aber nicht immer ganz konsequent umgesetzt wurde. Es gibt grüne Flächen-Füllungen für Dinge, die nichts mit Vegetation zu tun haben und traditionell gibt es auch Elemente mit Vegetations-Bezug, die mit anderen Farben dargestellt werden.

In gewisser Hinsicht decken grüne Farben den größten Teil des verfügbaren Farbraums ab, denn Grün ist der teil des Farbspektrums, gegenüber dem das menschliche Auge am empfindlichsten ist. Gleichzeitig ist die Erfassung von Vegetation in OpenStreetMap traditionell relativ undifferenziert. Während Flächen im städtischen Bereich relativ detailliert differenziert erfasst und dargestellt werden, gibt es im Grunde nur eine sehr kleine Palette von verbreitet verwendeten Charakterisierungen natürlich bewachsener Flächen. Für landwirtschaftlich genutzte Flächen ist dies etwas besser und ich habe zur differenzierten Darstellung davon bereits vor einiger Zeit was geschrieben.

Hier ist der Satz von grünen und sonstigen Vegetations-bezogenen Flächen-Farben im weiteren Sinne, die bisher im alternative-colors-Stil verwendet wurden.

grüne Flächen-Farben im alternative-colors-Stil

Diese von mir bis jetzt verwendeten Flächen-Farben kann man in folgende Gruppen aufteilen

  • Physikalische Vegetations-Typen – das sind Farben, welche Vegetation entsprechend ihrer physikalischen Charakteristika darstellen
  • Funktionale Vegetations-Typen – das sind Farben mit Vegetations-Bezug, welche Flächen charakterisieren, die nicht notwendigerweise gemeinsame physikalische Eigenschaften aufweisen, die aber eine wohldefinierte Funktion haben, die irgendeine Art von Bewuchs impliziert.
  • Nicht universell Vegetations-bezogene Flächen – hier werden Grüntöne für Flächen verwendet, die zwar verbreitet mit Vegetation in Verbindung gebracht werden, die aber in der Realität nicht notwendigerweise bewachsen sind.

Worauf ich mich hier konzentriere sind die physikalische Vegetations-Typen, insbesondere solche, die für natürlichen oder Natur-ähnlichen Bewuchs stehen sowie die Farbe für allotments – welche, wie man in der Illustration sieht, etwas aus dem Rahmen fällt.

Ich habe die hier vorgestellten Änderungen schon vor einiger Zeit implementiert, habe sie aber nicht sofort veröffentlicht um den OSM-Carto-Entwicklern die Gelegenheit zu geben, ihre eigenen Ansätze für die farbliche Gestaltung unabhängig von mir umzusetzen.

Das Farbschema für natürliche Vegetation

Die Art und Weise, wie natürliche Vegetation in OpenStreetMap erfasst wird, basiert auf einer groben physikalischen Charakterisierung und ist somit Teil der oben dargestellten physikalischen Vegetations-Typen. Die Farben für Wald (wood) und Gras (grass) – welche beide sowohl für natürliche wie auch künstliche Formen von derartigem Bewuchs Verwendung finden – bilden den Rahmen für diese Vegetations-Typen. Für den Wald habe ich das ja schon zuvor detailliert erläutert und ähnlich wie beim Wald ist es auch bei mit Gras bewachsenen Flächen so, dass es zwar in OpenStreetMap verschiedene Tags für solche Flächen gibt – die meiste Verbreitung haben landuse=meadow, landuse=grass und natural=grassland – dass diese Tags aber nicht konsistent für unterschiedliche Dinge verwendet werden, sondern relativ bunt gemischt, so dass der Datennutzer im Grunde nur als kleinsten gemeinsamen Nenner weiß, dass es sich um mit Gras bewachsene Flächen handelt. Entsprechend werden sie in einer einheitlichen Farbe dargestellt.

Die Farbe für Obstplantagen (orchard) befindet sich in der Nähe der Linie zwischen diesen Endpunkten (wood und grass) während die Farben für Heide (heath) und Buschland (scrub) bis jetzt auf verschiedenen Seiten dieser Linie zu finden waren. Man kann dies in einer Darstellung weiter unten auf der linken Seite sehen – welche die Situation natürlich vereinfacht wiedergibt, denn in Wirklichkeit ist der Farbraum natürlich dreidimensional.

Diese Grundschema wurde im OpenStreetMap-Standardstil seit langem verwendet. Die Haupt-Motivation für diese Farbwahl lag darin, dass die Zahl der Farben für natürliche Vegetation recht klein ist mit wie dargestellt im Grunde nur vier Farben und dass diese zusammen am Ende im Grunde einen recht großen Teil der Erdoberfläche abdecken würden. Es scheint deshalb eigentlich recht sinnvoll, für diese vier Grundklassen gut unterscheidbare Farben zu wählen, die das gesamte Spektrum mäßig kräftiger Grüntöne abdecken – mit der orchard-Farbe zusätzlich in der Mitte und den anderen grünen Flächen-Farben drumherum.

Das bedeutet jedoch auch, dass der große farbliche Unterschied zwischen heath und scrub einen größeren Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Typen impliziert, als er tatsächlich besteht.

Ein paar Erläuterungen zu Heide (heath) und Buschland (scrub)

Hier ein bisschen Hintergrund zu diesen zwei Vegetations-Typen

natural=scrub und natural=heath beschreiben in OpenStreetMap im Grunde verschiedenen Höhen-Klassen dauerhafter, holziger Vegetation. Dies bezieht in OSM jeweils das mit ein, was man gemeinhin unter Buschland und Heide versteht, geht jedoch semantisch auch deutlich weiter.

gemischtes Buschland im Süden Frankreichs

Die Höhen-Klassen sind nicht präzise definiert, für scrub erstreckt sich dies jedoch im Grunde über alles, was weniger hoch ist als ausgewachsene Bäume in der jeweiligen Gegend bis hinab zur Obergrenze von heath. Die Planzen, um die es dabei geht, sind entweder junge oder verkümmerte Exemplare der Baumarten, die auch einen ausgewachsenen Wald bilden, oder eigene Busch-Arten.

von Ericaceae dominierte Heide im Gebirge in Süddeutschland

Die Grenze zwischen natural=scrub und natural=heath wird in OSM meist bei einer Höhe von etwa einem Meter gezogen. Aber das ist keine besonders klare Grenze. Was als natural=heath erfasst wird besteht üblicherweise aus eigenen Zwergstrauch-Arten. Und das schließt niedrig wachsende holzige Vegetation in verschiedenen Ökosystemen in unterschiedlichen Klimazonen mit ein – auch solche, die nicht üblicherweise als Heide bezeichnet werden.

Zwergstrauch-Vegetation in der östlichen Mittelmeer-Region

Ich habe vor kurzem eine Reihe von Foto-Links im OSM-Wiki ergänzt, welche für beide Tags eine Reihe von praktischen Beispielen zeigen.

In der praktischen Anwendung ist die Konsistenz bei der Erfassung von scrub und heath in OSM etwas schlechter als bei Wald. Die meistverbreiteten Fehler sind folgende.

  • es ist recht verbreitet, natural=scrub für die Erfassung weniger dichter, offener Wälder zu verwenden. Dies ist falsch.
  • natural=heath wird manchmal auch nicht korrekt für niedrige, relativ grobe aber nicht holzige Vegetation verwendet

kein scrub, da dies ausgewachsene Bäume sind

kein heath, sondern grassland mit ein paar Büschen und jungen Bäumen

kein heath, sondern grassland

Anders ausgedrückt: Ein im Grunde komplett ungeeignetes Tag zu wählen, weil es scheinbar einen Kompromiss zwischen zwei anderen Tags darstellt, welche nur zum Teil passen, ist keine gute Idee. Man sollte in solchen Fällen immer das Tag wählen, welches jeweils den dominierenden Bewuchs charakterisiert. Leider gibt es derzeit keine etablierte Methode, um sekundär-Vegetation in einem Gebiet zu erfassen.

Wie Wald existieren auch Buschland und Zwergstrauch-Bewuchs in laubwerfenden und immergrünen Varianten. Aber die Erfassung hiervon ist wesentlich weniger verbreitet als bei Wald und bei heath praktisch kaum üblich.

Die neuen Farben

Insgesamt bilden heath, scrub und wood also eine Art lineare Abfolge und es liegt nahe, dies in der Wahl der Farben zu würdigen, indem die Farben ebenfalls eine lineare Abfolge im Farbraum bilden. Um dabei eine gute Unterscheidbarkeit zu gewährleisten, habe ich die Farbe für heath ein bisschen aufgehellt und die Farbe für scrub dann auf halbem Weg zu wood platziert. Mit ein paar Anpassungen bei anderen Farben drumherum funktioniert das recht gut.

das alte und das neue Schema für natürliche Vegetation

die heath-Farben in den verschiedenen OSM-Standardstil-Varianten

Im Ergebnis ist der Kontrast zwischen scrub und heath sowie zu wood und grass natürlich geringer, jedoch in der Praxis immer noch gut unterscheidbar.

scrub und heath bei z17 (ein Klick zeigt einen größeren Ausschnitt)

Und in Situationen wie hier wird durch diese Farbwahl auch der Unterschied zwischen den landwirtschaftlich genutzten Flächen und den nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen besser herausgearbeitet.

scrub und heath bei z15 (ein Klick zeigt einen größeren Ausschnitt)

Die Änderung der Flächen-Farbe erforderte auch eine Anpassung der Farben für die Symbole des Musters für die verschiedenen leaf_cycle-Varianten. Hier kann man sehen, wie das aussieht:

scrub-Varianten für leaf_type und leaf_cycle

Ein Vorteil ist, dass die neutrale Farbe für Flächen ohne Erfassung von leaf_cycle ein bisschen harmonischer aussieht als vorher.

Allotments

Wie schon oben erwähnt ist die Farbe für allotments (Schrebergärten) seit der Änderung bei der Farbe von Ackerland in der Farbpalette des alternative-colors-Stil eine gewisse Anomalie.

Semantisch sind allotments ein recht interessantes Konzept. Zusammen mit farmland, orchard und landwirtschaftlich genutzten Wiesen und Weiden bilden sie einen dritten Typ von landwirschaftlichen Nutzflächen im weiteren Sinn, welche wir Ackerland eher funktional als physikalisch definiert sind. Allotments sind im Detail sehr heterogene Nutzflächen, wo Pflanzen für die Individuelle Nutzung oder gelegentlich auch für den Verkauf in kleinem Umfang angebaut werden. Die Praktische Umsetzung hiervon variiert weltweit sehr stark und es wird eine große Bandbreite von Produkten angebaut. Die Abgrenzung von farmland und orchard ist nicht immer ganz klar definiert. Die zwei verbreitetsten Typen sind Schrebergärten vom Westeuropäischen Typ mit üblicherweise sehr kleinen individuellen Parzellen und ausschließlich Fußwegen dazwischen und Anlagen, wie sie in Russland und teilen Osteuropas üblich sind, wo die einzelnen Parzellen größer sind und es üblicherweise Fahrwege dazwischen gibt.

Die gewählte Farbe muss für alle diese verschiedenen Typen in unterschiedlichen Lagen funktionieren. Meine Farbwahl hat natürlich einen engen Bezug zu den vorher besprochenen Änderungen bei scrub und heath – wodurch wieder mal demonstriert wird, dass man für ein ausgeglichenes Farbschema das Gesamtbild betrachten muss und nicht nur jeweils auf einzelne Farben schauen kann.

Hier ein paar Beispiel, wie das ganze aussieht

allotments bei z13 (ein Klick zeigt einen größeren Ausschnitt)

allotments bei z15 (ein Klick zeigt einen größeren Ausschnitt)

allotments bei z16 (ein Klick zeigt einen größeren Ausschnitt)

allotments bei z17 (ein Klick zeigt einen größeren Ausschnitt)

Zusammenfassung

Hier das gesamte aktualisierte Flächen-Farbschema des alternative-colors-Stils.

Flächenfarben-Schema des alternative-colors-Stils

Wie üblich kann jeder die besprochenen Änderungen auch selbst ausprobieren – der Stil findet sich auf github.

20. Dezember 2018
von chris
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Ein paar Worte zu den SotM-Stipendien

Im Science-Fiction-Roman Contact von Carl Sagan, den vermutlich viele meiner jüngeren Leser nicht gelesen haben und der heute vielleicht mit seiner Einbettung in den Kalten Krieg ein bisschen aus der Zeit gefallen scheint, gibt es etwa in der Mitte des Buches eine bemerkenswerte Geschichte – keine Erzählung von etwas, das tatsächlich im Buch geschieht, sondern eher ein mit Worten gemaltes Bild:

[…] And now along comes an invitation. As Xi said. Fancy, elegant. They have sent us an engraved card and an empty droshky. We are to send five villagers and the droshky will carry them to – who knows? – Warsaw. Or Moscow. Maybe even Paris. Of course some are tempted to go. There will always be people who are flattered by the invitation, or who think it is a way to escape our shanny village.

And what do you think will happen when we get there? Do you think the Grand Duke will have us to dinner? Will the President of the Academy ask us interesting questions about daily life in our filthy shtetl? Do you imagine the Russian Orthodox Metropolitan will engage us in learned discourse on camparative religion?

No, Arroway. We will gawk at the big city, and they will laugh at us behind their hands. They will exhibit us to the curious. The more backward we are the better they’ll feel, the more reassured they’ll be.

It’s a quota system. Every few centuries, five of us get to spend a weekend on Vega. Have pity on the provincials, and make sure they know who their betters are.

Ich möchte dieses Bild hier nicht mit den SotM-Stipendien gleichsetzen, aber diese Geschichte ist etwas, das ich immer im Hinterkopf habe, wenn ich etwas über die SotM-Stipendien lese oder darüber nachdenke.

Wie ich in meinem allgemeinen Blogeintrag zur SotM bereits gesagt habe ist die öffentliche Kommunikation zum Stipendien-Programm der SotM äußerst spärlich. Es gab einen Aufruf zur Bewerbung im Januar, kombiniert mit einigen Erklärungen wie Bewerber ausgewählt werden, welche aber mehr Fragen aufwerfen als dass sie Antworten geben – ich werd darauf weiter unten noch eingehen.

Die Bewerber mussten – wie auch in vergangenen Jahren – Google-Dienste nutzen um ihre Bewerbung einzureichen, was im Konflikt mit der OSMF FOSS policy sowie mit den gesetzlichen Datenschutz-Anforderungen steht.

Das war alles, was es bis zur Konferenz an Informationen zu den Stipendien gab. Auf der Konferenz waren dann im Programmheft die Stipendien-Empfänger aufgelistet sowie die Zusammensetzung des Komitees zur Auswahl der Bewerber. Die Liste der Stipendien-Empfänger steht jetzt auch im wiki. Zum Vergleich gibt es auch die Stipendien-Empfänger von 2017. Zu den Jahren davor sind keine Informationen verfügbar.

Bevor ich mehr ins Detail zur Auswahl und zum Auswahl-Prozess gehe – dass keine Informationen dazu veröffentlicht werden, wer die Auswahl und die Bewertung der Bewerber vornimmt wenn man den Aufruf startet, sich zu bewerben, ist etwas, das egal ob bei Vortrags-Einreichungen oder Stipendien, völlig inkompatibel mit der Idee einer transparenten Organisation ist. Hier schon von Anfang an und nicht erst in Nachhinein Transparenz zu schaffen ist aus meiner Sicht eine Frage der Höflichkeit und des Respekts gegenüber den Bewerbern. Und in diesem Fall ist ja auch noch der Auswahl-Prozess für das Komitee selbst nicht transparent und undokumentiert.

Die Stipendiaten 2018

Wir wissen mittlerweile aus dem Bericht von Christine über die SotM-WG-Arbeit dass es mehr als 200 Bewerber für Stipendien gab. Das ist jedoch nach wie vor alles, was öffentlich bekannt ist.

Wir wissen wie gesagt auch, wer am Ende ausgewählt wurde – das wurde im Programmheft der Konferenz und später im Wiki veröffentlicht. Da wir jedoch keine darüber hinaus gehenden Informationen haben, ist eine Analyse schwierig. Ich werde deshalb nicht die Qualifikation der Stipendien-Empfänger individuell bewerten. Dafür gibt es schlicht und einfach keine Grundlage, ohne irgendwelche Daten über den Bewerber-Kreis. Aber wie man sehen wird, gibt es dennoch einige Anhaltspunkte, welche Rückschlüsse auf den Auswahl-Prozess erlauben.

Die Hälfte der Stipendiaten waren Männer, die andere Hälfte Frauen. Die geographische Verteilung war wie folgt:

  • Europa(Deutschland (x2), Portugal, UK, Russland): 5
  • Mittel-/Nordamerika (Mexico): 1
  • Südamerika (Kolombien): 1
  • Afrika (Uganda, Kenya, Lesotho, Mosambik): 4
  • Asien (Philippinen, Nepal, Bangladesh, Indonesien, China): 5

Mann kann recht klar das Ziel erkennen, zumindest auf den ersten Blick einen Eindruck von Ausgewogenheit in der geographischen Verteilung und bei der Balance Männer/Frauen zu erwecken – ebenso möglicherweise hinsichtlich der Alters-Verteilung (was aber auch Zufall sein kann). Das ist interessant, denn der dokumentierte Prozess beschreibt in keinerlei Weise eine Ensemble-Auswahl, sondern beschäftigt sich ausschließlich mit der unabhängigen Bewertung einzelner Bewerbungen und es ist extrem unwahrscheinlich, dass so ein Verfahren zu einer Auswahl wie dieser führt – egal wie genau die mehr als 200 Bewerber zusammengesetzt waren. Man kann also schlussfolgern, dass die Bewertung der Einzel-Bewerbungen – auch wenn sie der einzige dokumentierte Teil des Prozesses sind – am Ende sicher nur recht wenig Einfluss auf die Auswahl der Bewerber hatte und dass die Ensemble-Optimierung in Bezug auf irgendwelche Ausgewogenheits-Ziele (welche sicherlich Geschlecht und Herkunft beinhalten – möglicherweise aber auch noch andere Kriterien) einen viel größeren Einfluss hatte, gleichzeitig aber völlig undokumentiert und intransparent ist.

Wenn man noch mal näher auf die geographische Verteilung der Stipendiaten schaut kann man auch sehen, dass die geographische Ausgeglichenheit geringer ist, als dies vielleicht auf den ersten Blick schien. Ja, die Kontinente mit den größten Bevölkerungs-Zahlen sind alle vertreten, was jedoch recht deutlich fehlt sind Stipendiaten aus:

  • dem gesamten Nahen Osten und Zentralasien
  • der gesamten Mittelmeer-Region – und das obwohl die Konferenz in Italien stattfand!

Übrigens fehlten der Nahe Osten, Zentralasien und Nordafrika bereits 2017.

Erwähnt werden sollte, dass die Bevorzugung von Leuten mit englischen Sprachkenntnissen eine absichtliche Präferenz im Stipendien-Programm ist – was natürlich unvermeidbar auch zu gewissen kulturellen Präferenzen führt. Wenn man eine absichtliche Sprach-Präferenz mit einer Ensemble-Optimierung hinsichtlich der grob granulierten geographischen Verteilung kombiniert führt dies sowohl zu den beschriebenen geographischen Lücken auf einer etwas feiner granulierten Ebene als der, für welche optimiert wurde, als auch zu sehr unterschiedlichen Chancen mit ähnlicher individueller Qualifikation je nach dem woher Bewerber kommen. Und auch dass qualifizierte Bewerber aus gewissen Regionen unter den mehr als 200 Personen selten waren ist keine stichhaltige Erklärung, denn die Auswahl beginnt ja schon mit der Art und Weise, wie das Stipendien-Programm insgesamt präsentiert wird.

Das Auswahl-Komitee für die Stipendiaten 2018

Der andere Aspekt, auf den ich einen Blick werfen möchte auf Grundlage der spärlichen verfügbaren Informationen ist das Komitee zur Auswahl der Bewerber. Dieses ist im Programmheft der Konferenz aufgeführt und sieht für 2018 folgendermaßen aus – mit dem Land und verschiedenen relevanten Verbindungen der Mitglieder:

  • Alessandro Palmas (Italien, Lokales Team, PC)
  • Christine Karch (Deutschland, SotM-WG, Geofabik, PC)
  • Gregory Marler (UK, SotM-WG, PC)
  • Heather Leson (Kanada, OSMF Vorstand, HOT, IFRC)
  • Ilya Zverev (Russland, Maps.ME)
  • Johannes Birgir Jensson (Island, lokales Chapter Iceland)
  • Maurizio Napolitano (Italien, Stipendiant 2017)
  • Mikel Maron (US, OSMF Vorstand, SotM-WG, HOT, Mapbox, PC)
  • Rebecca Firth (UK, HOT, Stipendiant 2018)
  • Rob Nickerson (UK, SotM-WG, lokales Chapter UK, PC)
  • Selene Yang (Nicaragua, Geochicas, PC, Stipendiant 2017)
  • Sidorela Uku (Albanien, PC, Stipendiant 2017)
  • Stefano Sabatini (Italien, lokales Chapter Italy, PC)

Mit ein bisschen Zählen erhält man:

  • 8 Mitglieder, die auch im Programm-Komittee waren
  • 4 Mitglieder, die auch in der SotM-WG waren
  • 4 Mitglieder arbeiten für Unternehmen/Institutionen mit OSM-Verbindungen und welche potentielle Sponsoren sind
  • 3 Mitglieder aus Italien (das Gastgeber-Land)
  • 3 Mitglieder aus Großbritannien
  • 3 Mitglieder, die auch HOT-Mitglieder sind
  • 3 Mitglieder, die auch eine Funktion in einem lokales Chapter der OSMF haben
  • 3 Mitglieder, die im Vorjahr Stipendiat waren
  • 1 Mitglied, welches im selben Jahr als Stipendiat akzeptiert wurde

Nun ist mir klar, dass es eine Menge Leute gibt, die darin überhaupt kein Problem sehen und die denken, dass die verschiedenen Verbindungen und mehrfachen Funktionen der Mitglieder nur ein Zeichen für deren Qualifikation darstellen. Ich möchte dem deutlich widersprechen. Fangen wir mit den früheren Stipendiaten an. Ich denke, dass es eine gute Idee ist, frühere Stipendiaten für das Auswahl-Komitee zu rekrutierten. Jemand, der mal Stipendiat war, hat einen recht nützlichen Einblick in die Situation eines Stipendiaten und darin, was für Qualifikationen dafür nützlich sind. Man muss ein bisschen darauf achten, dass das ganze nicht zu einer Art Selbst-Replikation von Präferenzen bei der Auswahl führt, aber das ist handhabbar so lange die ehemaligen Stipendiaten nicht insgesamt dominieren. Aber aus meiner Sicht ist es hierfür absolut essentiell, dass jemand im Auswahl-Komitee für dieses Jahr und für alle späteren Jahre als Stipendien-Empfänger disqualifiziert ist. Alles andere wäre meiner Meinung nach unangemessen. Es scheint mir in Ordnung, dass das Gastgeber-Land eine recht starke Repräsentanz hat, aber drei Personen aus Großbritannien sind meiner Meinung nach an der Grenze von dem was man noch ein geographisch und kulturell ausgewogenes Komitee nennen kann.

Der wichtigste Punkt ist meiner Meinung nach jedoch die Unabhängigkeit der Auswahl der Stipendiaten vom Sponsoring der Konferenz – sowohl auf der Empfänger- als auch auf der Geber-Seite. Auch schon der Eindruck, dass Sponsoren Einfluss auf die Stipendien-Vergabe haben könnten würde meiner Meinung nach die Legitimation des gesamten Programms untergraben. Deshalb sollten sowohl Leute, die für potentielle Sponsoren arbeiten, als auch Leute, die bei der Einwerbung von Sponsoren-für die Konferenz involviert sind, außen vor bleiben.

Ich denke auch, dass es eine schlechte Idee ist, wenn Leute sowohl im Programm-Komitee aus auch bei der Stipendiaten-Auswahl involviert sind. Es gibt unvermeidbar Überlappungen bei den Bewerbern für beides aber gleichzeitig sind die Kriterien für die Stipendien-Vergabe und für die Programm-Auswahl natürlich völlig unterschiedlich. Ein Mitglied beider Auswahl-Komitees, welches gerade eine Stipendien-Bewerbung analysiert und bewertet hat wird bei einer anschließenden Bewertung einer Vortrags-Einreichung der selben Person kaum in der Lage sein, die zuvor für eine andere Zielrichtung gebildete Meinung über die Person einfach zu löschen und völlig unabhängig die Vortrags-Einreichung nach anderen Kriterien zu bewerten. Es ist unvermeidbar, dass sich in einer solchen Situation die Kriterien vermischen und das ist für eine faire Bewertung nicht wünschenswert.

Schlussfolgerungen

Insgesamt habe ich zwei wichtige Kritikpunkte zum Stipendien-Programm der SotM:

Der erste betrifft die Intransparenz, den Mangel an Dokumentation und die fehlende Auditierbarkeit des Auswahl-Prozesses. Dies in Kombination mit deutlichen Hinweisen darauf, dass eine Ensemble-Optimierung und nicht die Individueller Bewertung der Qualifikation die Zentrale Grundlage der Auswahl darstellt und mit den verschiedenen Problemen bei der Zusammenstellung des Auswahl-Komitees bringen mich zu dem Schluss, dass hier dringend eine erhebliche Reform des Prozesses erforderlich ist – auch unabhängig von meinem zweiten Punkt.

Mein zweiter Punkt ist eine deutlich fundamentalere Kritik an der Grundidee eines Stipendien-Programms in der derzeitigen Form. Diese steht in Verbindung zu meinem Zitat vom Anfang dieses Beitrags. Die Frage, die ich mir hier stelle – und ich denke, dass sich jeder diese Frage stellen sollte – ist was eigentlich der Zweck des Stipendien-Programms ist. Ja, oberflächlich ist dieser, Leuten den Konferenz-Besuch zu erlauben, die sich dies aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht leisten können. Aber ich denke nicht, dass man sich die Sache so einfach machen kann. Warum denken wir, dass dies zu tun etwas Gutes ist und noch wichtiger: Warum ist es besser, Geld dafür auszugeben als für andere Dinge?

Die ganze Idee, Leute aus ihrem schäbigen Dorf auf die große und herausgeputzte OSM-Konferenz zu transportieren, halte ich für hoch problematisch. Wenn man die Leute dahin transportiert, “wo OpenStreetMap derzeit passiert” zementiert dies im Grunde nur die Tatsache, dass OpenStreetMap ein Projekt einer kleinen, privilegierten Welt in Europa und Nordamerika ist. Wenn wir OpenStreetMap wirklich globaler machen wollen müssen wir darin investieren, die Idee von OpenStreetMap in die Welt zu transportieren, und zwar ohne die Welt mit unseren kulturellen Werten zu kolonisieren, die wir über die Grundidee von OpenStreetMap, eine Karten von Menschen für die Menschen zu produzieren, gestülpt haben. Ein Stipendiat auf der SotM wird dort hauptsächlich erfahren, wie die Privilegierten und Wohlhabenden OpenStreetMap machen und werden diese Vorstellungen dann mit nach Hause bringen, wo sie recht kontraproduktiv dafür sein können, dass die lokale Community dort ihre eigene OSM-Identität entwickelt.

Ja, dieses Bild ist natürlich etwas einseitig, aber dies ist ein wichtiger Gegenpunkt zu dem Narrativ, dass wir altruistisch Leuten die Möglichkeit zum SotM-Besuch eröffnen, die sich dies ansonsten nicht leisten könnten. Die Idee, dass die Stipendien hauptsächlich zum Nutzen der Stipendien-Empfänger und deren lokaler Communities sind, ist Unsinn. Sie sind mindestens im selben Ausmaß dafür da, dass wir uns mit unseren komfortablen Lebens-Situationen in Europa und Nordamerika besser fühlen, weil wir ein bisschen oberflächliche Vielfalt in unsere Welt hereinlassen – ohne dass diese Vielfalt den Status quo irgendwie nennenswert gefährdet, denn wir transportieren diese Leute ja zu uns, wo sie sich an unsere Kultur anpassen müssen, und nicht anders herum und wir transportieren sie dann sofort wieder zurück, nachdem sie ihre Funktion erfüllt haben.

Was auch immer Ihr für eine Meinung in Bezug auf die SotM-Stipendien entwickelt – macht nicht den Fehler, die Erzählung zu übernehmen, dass das einfach eine selbstlose Hilfsaktion ist, um leuten mit geringen finanziellen Ressourcen zu helfen. Ich möchte nicht sagen, dass Stipendien unter keinerlei Umständen irgendeinen positiven Nutzen haben, aber ich denke, dass bis jetzt noch niemand ein ausgeglichenes und selbstkritisches Konzept präsentiert hat, wie SotM-Stipendien aus einer moralischen Perspektive heraus funktionieren können und wie ein Stipendien-Programm gestaltet sein muss, um diesem Ziel gerecht zu werden.