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Erste Sentinel-2B-Daten und Sentinel-3 L2

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Seit ein paar Tagen sind die ersten Daten von Sentinel-2B öffentlich zugänglich.

Der Datenzugriff erfolgt über eine seperate Instanz der Datenzugangs-Infrastruktur so dass man Download-Skipte und Werkzeuge entsprechend anpassen muss. So wie es scheint wird Sentinel-2B genauso wie Sentinel-2A betrieben, das heißt, dass Europa, Afrika und Grönland mit Priorität aufgenommen werden und die größeren Landflächen des Rests der Welt weniger oft. Ich hab die täglichen Zahlen von Sentinel-2B in meiner Übersicht zu Satellitenbild-Erfassungszahlen ergänzt. Im Moment sind dies noch nicht so viele Bilder wie bei Sentinel-2A und Bilder von vor Ende Juni sind noch nicht verfügbar.

Wenn Sentinel-2B irgendwann mit der selben Frequenz Bilder aufnimmt wie Sentinel-2A soll das den zeitlichen Abstand zwischen den Aufnahmen halbieren – von normalerweise 10 Tagen in Europa und Afrika zu 5 Tagen. Die Überlappung der Bilder bei höheren Breiten wird dann auch dazu führen, dass für Grönland und den Europäischen Teil der Arktis ab 75° Breite bis zur Grenze bei 82.8° eine tägliche Abdeckung erfasst wird während die Grenze vorher bei 79.3° lag – dies liegt vor allem daran, dass die ESA anders als der USGS nicht aufgrund der Überlappungen die Aufnahme-Frequenz bei hohen Breiten reduziert.

Hier zwei Beispielbilder aus den letzten Tagen:

Upsala-Gletscher, Patagonien, Aufgenommen von Sentinel-2B

Sewastopol, Krim, Aufgenommen von Sentinel-2B

Neben den neuen Sentinel-2-Bildern gibt es jetzt auch Zugang zu einer Reihe weiterer Sentinel-3-Produkte – siehe hier, hier und hier. Das sieht in etwa so aus wie erwartet, das sind allerdings größtenteils recht spezielle Datenprodukte und nicht die Art von allgemeinen Level-2-Produkten wie man sie zum Beispiel von MODIS her kennt. Ich werde darüber vermutlich demnächst mal was schreiben.

Kleiner Einschub zur Erklärung der Bearbeitungsstufen bei Satellitenbildern:

  • Level-0 sind üblicherweise mehr oder weniger die Rohdaten, wie sie vom Satelliten kommen.
  • Level-1 schließt meist Kalibrierungen bezüglich der Eigenschaften des Sensors oder der Optik sowie geo-Referenzierung mit ein.
  • Level-2 umfasst in erster Linie die Kompensation unerwünschter Störeffekte bei der Aufnahme, insbesondere durch die Atmosphere, die Perspektive des Satelliten und die Beleuchtungsrichtung. Ziel ist meist eine Charakterisierung der Erdoberfläche, die unabhängig von den Aufnahme-Parametern ist, ggf. bereits für eine bestimmte thematische Anwendung.
  • Level-3 ist weniger klar definiert, meist handelt es sich hier um zeitlich aggregierte Daten, weiterreichende Auswertungen oder Kombinationen mit anderen Datenquellen.

Manche erinnern sich vielleicht an den Trend, den ich vor einiger Zeit mal hinsichtlich des Timings der Verfügbarkeit von Daten und den Satellitenstarts im Sentinel-Programm skizziert habe. Wir können dies jetzt ein wenig fortschreiben:

  • Sentinel-1A: Start 3 Apr 2014, öffentlicher Datenzugriff ab 9 Mai 2014 (1 Monat)
  • Sentinel-2A: Start 23 Jun 2015, Daten ab Ende November 2015 (5 Monate)
  • Sentinel-1B: Start 25 Apr 2016, Daten ab 26 Sep 2016 (5 Monate)
  • Sentinel-3A: Start 16 Feb 2016:
    • OLCI L1-Daten seit 20 Okt 2016 (8 Monate)
    • SLSTR L1-Daten seit 18 Nov 2016 (9 Monate)
    • teilweiser Zugang OLCI/SLSTR L2 seit 5/6 Jul 2017 (>16 Monate)
    • Weitere L2-Produkte: 16+ Monate und wir warten immer noch…
    • Daten von vor 20 Okt 2016: fehlen und es ist unklar, ob die jemals verfügbar werden.
  • Sentinel-2B: Start 7 Mar 2017, Daten-Zugang seit 5 Jul 2017 (4 Monate)

Der Trend ist also unterbrochen und ich bin sicher, dass jeder den im Vergleich zu Sentinel-2A beschleunigten Ablauf bei Sentinel-2B zu schätzen weiß. Der Ablauf bei Sentinel-3 ist jedoch – wie soll ich sagen – bemerkenswert. Man behalte dabei im Hinterkopf, dass die Level-2-Daten alles Dinge sind, die schon seit mehr als einem Jahr routinemäßig produziert, jedoch nicht veröffentlicht wurden – und das obwohl die Vorschriften dies eigentlich erfordern. Man könnte jetzt sagen, dass die Level-1-Daten das sind, worauf es ankommt, und alles andere nur optionale Zusatzleistungen sind. Wenn man jedoch zum Beispiel auf die MODIS-Daten schaut – da bin ich mir sicher, dass über 90 Prozent der Nutzer Produkte von Level 2 oder höher verwenden. Für das Ziel einer breiten Verwendung der Daten also (und ich würde zumindest bei der EU-Kommission annehmen, dass sie dieses Ziel verfolgt) ist das Zurückhalten von Level-2-Daten einfach nur bescheuert.

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