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OpenStreetMap-Carto – ein Blick in die Zukunft

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Dies ist die Fortsetzung von meinem vorherigen Beitrag wo ich OpenStreetMap-Carto, dem Kartenstil, welche auf openstreetmap.org gezeigt wird, und dessen Entwicklung im Letzten Jahr betrachtet habe. Im zweiten Teil möchte ich jetz versuchen, ein bisschen in die Zukunft zu schauen.

Was bedeuten also diese Entwicklungen für die Zukunft von OSM-Carto? Das weiss ich natürlich nicht definitiv. Was für konkrete Änderungen stattfinden hängt davon ab, woran Entwickler jeweils interessiert sind und das ist schwer vorherzusagen. Aber es ist wahrscheinlich, dass die Änderungen in der Arbeitsweise, die ich im ersten Teil diskutiert habe, eine Auswirkung auf die Anreize und die Motivation für Beiträge haben. Was ich glaube zu erkennen, wenn ich jüngere Änderungen vergleiche mit Änderungen, die schon weiter zurück liegen – und zwar von einem gestalterischen Blickwinkel – ist, dass es eine gewisse Entwicklung mehr in Richtung naiver Kunst gibt. Das ist eine interessante Perspektive, welche man durchaus als passende Entsprechung zu den Methoden auffassen kann, mit denen in OpenStreetMap Daten erfasst werden. Jedoch ist die Datenerfassung in OSM – wenngleich sie meist nicht auf spezieller kartographischer oder geo-wissenschaftlicher Kenntnis und Ausbildung basiert – in den meisten Fällen durch ein hohes Maß an Raffinesse und Kenntnis charakterisiert und kann nicht wirklich als Analogie naiver Kunst charakterisiert werden.

Sollte OSM-Carto sich tatsächlich mehr in Richtung naiver Kunst bewegen, dürfte es vermutlich Konflikte mit dem hohen Maß an Komplexität und Raffinesse sowohl im eigenen Erbe des Stils als auch in den OpenStreetMap-Daten selbst geben. Wie dieser Konflikt gelöst wird ist eine interessante Frage. Auf einer mehr technischen Eben steht das auch im Zusammenhang mit einem Problem, welches ich vor etwa einem Jahr erläutert habe.

In der Vergangenheit war OSM-Carto oft Avantgarde hinsichtlich der Gestaltung von interaktiven digitalen Karten. Paul Norman hat vor kurzem in seinem SotM-Vortrag zu OSM-Carto (in der zweiten Hälfte des Videos) einige Beispiele dafür genannt, insbesondere die Auswahl von Beschriftungs-Größen auf Grundlage der Polygon-Größe, die systematische und automatische Auswahl von Farben auf Grundlage empfindungsgemäßer Farbräume und mehrsprachige Beschriftungen. Aus meiner eigenen Arbeit könnte ich hier noch Programm-generierte zufällige periodische Muster ergänzen, welche im Grunde zum ersten mal in OSM-Carto in größerem Umfang in der digitalen Kartographie verwendet wurden. Ich vermute, dass wir dies in Zukunft seltener sehen werden, denn die Entwicklung scheint sich jetzt mehr auf lokale Änderungen mit wenig Innovation und Koordination zu konzentrieren sowie Versuche (metaphorisch) Dinge hin und her zu schieben, um zu Testen, ob das besser aussieht, jedoch ohne ein tiefer gehendes Verständnis, weshalb gewisse Dinge funktionieren und andere nicht. Dies wird möglicherweise auch bewirken, dass sich der Stil mehr in Richtung des allgemeinen Trends von OSM-Karten bewegt, wie sie von kommerziellen Anbietern angeboten werden. Ob das Projekt auch weiterhin Entwickler anlocken kann mit dem Hintergrund und der Vision, innovative Lösungen für die großen Probleme zu entwickeln und ihnen eine unterstützende Arbeitsumgebung bietet, muss sich noch herausstellen.

Für den kritischsten Punkt in der zukünftigen Entwicklung von OSM-Carto halte ich die Frage, ob der Stil weiter erfolgreich seine Funktion als Mittel zur Rückmeldung an die Mapper erfüllen kann und dies bei der korrekten und präzisen Erfassung von Daten unterstützt. Richtig vorherzusehen, wie Mapper auf eine bestimmte Form der Darstellung ihrer Daten in der Karte reagieren, ist eine der schwierigsten Aufgaben eines OSM-Carto-Entwicklers und hierbei Fehler zu machen kann langfristig großen Schaden anrichten. Egal in welche Richtung genau sich der Stil entwickeln wird, dies ist der Punkt, den man genau im Auge behalten sollte. Wenngleich nützliche und konstruktive Rückmeldungen an die Mapper jetzt eines der dokumentierten Ziele des Stils ist, gibt es keine Regelungen dazu, die verhindern, dass Änderungen hier Schaden anrichten.

Meine Empfehlungen an diejenigen, denen das öffentliche Bild von OpenStreetMap und OSM-Carto am Herzen liegen sind:

  • Als Mapper sollte man dem Drang widerstehen, Seine Arbeit an die Verwendung der Daten in der Karte anzupassen – sowohl direkt als Mapping für den Renderer als auch indirekt, in dem man in einer Art und Weise Dinge erfasst, von der man glaubt, dass sie die Produktion einer gut aussehenden Karte vereinfachen – ich hab hierfür bereits vor Kurzem geschrieben.
  • Wer dies mag und kann, sollte bei der Stil-Entwicklung durch pull requests mit Änderungen mitmachen. Als nicht-Betreuer kann man nicht direkt Änderungen einbauen, aber man muss jetzt nur noch einen Betreuer von seiner Änderung überzeugen, damit diese in die Karte eingebaut wird.
  • Legt Wert darauf, dass die Betreuer des Stils für Ihre Arbeit verantwortlich sind und diese vor der OSM-Community und den sonstigen Nutzern des Stils verantworten müssen. Wie erläutert haben die Betreuer jetzt mehr Autonomie bei Entscheidungen, dass bedeutet jedoch auch mehr Verantwortung für die Änderungen. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Kartennutzer auch Rückmeldungen zu den Änderungen geben. Man sollte dabei jedoch beachten, dass kommunizierte Abneigung gegenüber einer Änderung alleine nicht wirklich hilfreich oder überzeugend ist. Wer ein Problem im Stil beobachtet, welches nicht einfach ein klarer technischer Fehler ist, tut meist gut daran, das Problem anhand der dokumentierten Ziele des Stils zu erläutern.
  • Entwickelt alternative Kartenstile. Aus meiner Sicht ist dies der wichtigste Ratschlag von allen. Solange OSM-Carto ohne Alternativen ist, gibt es wenig Anreiz, den Stil substanziell zu verbessern. Dies würde sich ändern, wenn es andere Stile mit ähnlichen Zielen jedoch anderen Gestaltungs-Ansätzen gibt. Es gibt natürlich eine Vielzahl von Kartenstilen für allgemeine Anwendungen (nur wenige davon sind jedoch unter offenen Lizenzen) und es gibt eine Reihe von aus OSM-Carto abgeleiteten Stilen von lokalen OSM-Communities wie den französischen und den deutschen Stil. Daneben gibt es auch einige Stil-Varianten, welche als persönliche Projekte von einzelnen OSM-Aktiven entwickelt werden, beispielsweise hier. Was ich in den nächsten Jahren wirklich gerne sehen würde ist, dass wenigstens eine Hand voll unabhängige Kartenstile auf openstreetmap.org zur Anzeige verfügbar sind und jeder davon einen ehrlichen Versuch darstellt, eine gute Karte für die OSM-Community zu produzieren – selbst wenn dies mit weniger Arbeitskraft gemacht wird als bei OSM-Carto. Wenn man bedenkt, wie einflussreich die Karten für das Bild von OpenStreetMap sowohl von Außen als auch innerhalb durch die Mapper ist, wäre eine solche Entwicklung enorm produktiv und förderlich für die OSM-Community.

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